Auswertung Arbeitsstunde kostet in Deutschland zehn Euro mehr als im EU-Schnitt

Für eine Stunde Arbeitseinsatz zahlen deutsche Firmen durchschnittlich 35 Euro. Damit liegen die Arbeitskosten über dem EU-Schnitt - in fünf anderen Ländern sind sie noch höher.

Siemens-Mitarbeiter in der Bahnsparte im Werk Krefeld
Roland Weihrauch / DPA

Siemens-Mitarbeiter in der Bahnsparte im Werk Krefeld


Deutschland liegt bei den Arbeitskosten im Vergleich zu den anderen EU-Ländern auf Platz sechs. Unternehmen bezahlten 2018 in der Bundesrepublik im Schnitt 35 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Der Durchschnitt in der Europäischen Union lag bei 26,60 Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Höher als in Deutschland sind die Arbeitskosten in Dänemark (44,70 Euro), Luxemburg (40,30 Euro), Belgien (40 Euro), Schweden (39,30 Euro) und Frankreich (36,50 Euro). Bulgarien ist mit 5,30 Euro pro Stunde für Arbeitgeber am günstigsten.

(Die vollständige Liste zu den Arbeitskosten in den einzelnen EU-Ländern finden Sie hier in der Mitteilung des Statistischen Bundesamtes.)

Erfasst werden in der Statistik Arbeitsplätze in der Industrie und in wirtschaftlichen Dienstleistungen, ohne den öffentlichen Dienst.

Industriearbeiter sind in Deutschland teurer

Interessant ist ein Blick auf die Arbeitskosten für Industriearbeiter. Denn das exportabhängige verarbeitenden Gewerbe steht besonders stark im internationalen Wettbewerb. Hier kostete eine Arbeitsstunde in Deutschland durchschnittlich 40,00 Euro. Beschränkt auf diesen Wirtschaftsbereich lag Deutschland im EU-Vergleich auf Rang vier: Eine Stunde Arbeit in der deutschen Industrie war damit 48 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt (27,00 Euro). Am teuersten ist hier Dänemark mit 45,20 Euro.

Arbeitskosten setzen sich aus Bruttoverdiensten und Lohnnebenkosten zusammen. Im Jahr 2018 zahlten die Arbeitgeber in Deutschland auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 27 Euro Lohnnebenkosten. Das liegt unter dem EU-Durchschnitt von 30 Euro und bedeutet im EU-weiten Ranking einen Platz im Mittelfeld (14.). In Schweden zahlen Arbeitgeber auf 100 Euro Lohn 48 Euro Lohnnebenkosten, in Malta nur acht Euro.

Die Industrieländerorganisation OECD empfiehlt der Bundesregierung, Arbeitseinkommen weniger und dafür Einkünfte aus Kapital, Eigentum und Erbschaften stärker zu besteuern.

Die Unterschiede bei den Arbeitskosten innerhalb der EU haben sich seit dem Jahr 2004, als erstmals vergleichbare Zahlen für alle relevanten Mitgliedstaaten vorlagen, laut Statistik deutlich verringert. 2018 betrugen die Arbeitskosten in der Spitzengruppe der Länder das Vierfache des Wertes der aufholenden Länder - 2004 hatten die Arbeitskosten in der Spitzengruppe mit 28 Euro dagegen noch fast das Achtfache betragen. Grund für die Annäherung ist das seit Jahren hohe Wachstum in den Ländern mit niedrigen Arbeitskosten.

mmq/Reuters/dpa



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so-long 29.04.2019
1. Tränen
Wenn man dann schaut, wieviel davon wegbesteuert und durch Sozialabgaben abgezogen wird, kommen einem die Tränen.
thequickeningishappening 29.04.2019
2. Den Betrieb interessieren erstmal die Lohnstueckkosten
Da liegt Deutschland (100) vor Daenemark (85) und Schweden (70), (Zahlen von 2015). Der AG Anteil gehört zum Brutto und den AN interessiert das Netto!
nixkapital 29.04.2019
3. Hm...
...wie schon so oft gesagt: Es hilft nichts, die reinen Kosten zu vergleichen. Das ergibt nur Sinn, wenn man auch den Output, also die Produktivität vergleicht. Das ergibt dann ein ganz anderes Bild - 100%ig. Die OECD liegt aber richtig. Es ist aberwitzig, wie hoch Lohnarbeit hierzulande besteuert wird, während leistungsloses Akkumulieren von Vermögen geringer belastet wird. Arbeit wird quasi bestraft, auch wenn sie benötigt wird, um das Vermögen von Wenigen zu vermehren. Das tut es ja nicht von alleine. So spaltet man eine Gesellschaft.
schnubbeldu 29.04.2019
4. Sie müssen mal in die ...
Zitat von so-longWenn man dann schaut, wieviel davon wegbesteuert und durch Sozialabgaben abgezogen wird, kommen einem die Tränen.
... Veröffentlichung des statistischen Bundesamts schauen. Die besagten 35 Euro beziehen sich NUR auf den Bruttolohn. Zusätzlich sind noch weitere Kosten für die Sozialabgaben etc. vom Arbeitgeber zu entrichten. Aber "bytheway": Welcher Facharbeiter im öffentlichen Dienst erhält denn einen Bruttostundenlohn von 35 Euro??? Da sind mit Sicherheit sehr VIELE Schlipsträger der Managementabteilung mit in die Grundlage dieser Berechnung eingeflossen.
Beat Adler 29.04.2019
5. Traenen wegen Steuern und Sozialabgaben?
Zitat von so-longWenn man dann schaut, wieviel davon wegbesteuert und durch Sozialabgaben abgezogen wird, kommen einem die Tränen.
Traenen wegen Steuern und Sozialabgaben? In jedem modernen Industrie und/oder Dienstleistungsstaat leben um die 20% der Bevoelkerung, ohne die Kinder, die Jugendliche in Ausbildung und Ruhestaendler dazuzuzaehlen, welche zumindest zeitweise unterstuetzt werden muessen. Wie soll das nun ohne Solidaritaet, dass die Reichen fuer die Armen, die Gesunden fuer die Kranken und die Jungen fuer die Alten bezahlen, bewaeltigt werden? Vorschlaege sind immer willkommen. mfG Beat
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