Erstmals seit 2010 Bundesarbeitsagentur erwartet mehr als drei Millionen Arbeitslose im Sommer

Die Wirtschaft leidet unter den Corona-Einschränkungen - und das schlägt immer mehr auch auf den Arbeitsmarkt durch. Doch Bundesarbeitsagentur-Chef Scheele äußert in einem Interview auch Hoffnung.
Detlef Scheele: Jahrzehntelange Fortschritte bei der Gleichberechtigung nicht zurückschrauben

Detlef Scheele: Jahrzehntelange Fortschritte bei der Gleichberechtigung nicht zurückschrauben

Foto: POOL/ REUTERS

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) spricht von einem historischen Einbruch: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland dürfte durch die Coronakrise erstmals seit zehn Jahren im Sommer wieder über drei Millionen steigen.

"Wir werden im Sommer voraussichtlich die Drei-Millionen-Marke überschreiten", sagte BA-Chef Detlef Scheele der "Süddeutschen Zeitung ". Im saisonbedingt üblicherweise schwierigeren Arbeitsmarkt im Winter war die Arbeitslosigkeit zuletzt vor fünf Jahren so hoch.

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hatte bereits im März einen Anstieg auf drei Millionen für möglich gehalten. Mit Scheeles Aussagen gibt es nun eine inoffizielle Bestätigung dieses Trends. Zuletzt war die Arbeitslosenzahl im Mai auf rund 2,8 Millionen oder 6,1 Prozent angestiegen. Die Zahl der Unterbeschäftigten, in der etwa auch Arbeitslose in Schulungen erfasst sind, lag noch höher.

Frauen besonders gefährdet

Scheele hofft aber, dass sich die Lage nach dem Sommer bessert. Damit die Arbeitslosenzahl im Herbst wieder sinke, müssten jetzt die Lockerungen der Corona-Restriktionen in der Gastronomie oder Reisebranche wirken, der Welthandel in Gang kommen und das Konjunkturpaket der Bundesregierung "zünden".

Besonders hart treffe die Coronakrise befristet Beschäftigte und Zeitarbeiter, sagte der BA-Chef. Auch die Jugendarbeitslosigkeit steige an. Bei Frauen habe die Coronakrise eine doppelte Negativwirkung. Sie seien stärker in besonders betroffenen Branchen tätig als Männer und verdienten dadurch weniger. Zugleich müssten sie mehr Betreuungsaufgaben übernehmen.

"Ich hoffe sehr, dass vier Monate Corona nicht alles zerstören, was in Jahrzehnten an Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt erreicht wurde. Wir müssen alles daransetzen, dass dies nicht passiert", sagte Scheele.

apr/AFP
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