Schlampige Statistik Arbeitsagentur lässt Zählung von Arbeitslosen überprüfen

Die Akten von rund 290.000 Langzeitarbeitslosen wurden laut Bundesrechnungshof falsch oder unvollständig geführt. Nun hat die Bundesagentur für Arbeit reagiert - mit einer Weisung an die Jobcenter.

Agentur für Arbeit in Stuttgart
Fabian Sommer/dpa

Agentur für Arbeit in Stuttgart


Die Aktenführung in vielen Jobcentern soll miserabel sein. Der Bundesrechnungshof sprach von vielen Fällen, in denen "die Betreuung über mehrere Monate unterbrochen" sei. Betroffen sind demnach Hunderttausende Langzeitarbeitslose.

Auf die Vorwürfe hat die Bundesagentur für Arbeit nun reagiert. Die Jobcenter sollen ihre Angaben regelmäßig überprüfen. Eine entsprechende Weisung hierzu sei in Kraft getreten, sagte eine Sprecherin. Bei Bedarf sollten die Angaben korrigiert werden.

Automatisierte Prüfsysteme sollen genutzt werden

Dem bisher unveröffentlichten Bericht der Rechnungsprüfer zufolge hätten die Jobcenter zuletzt rund 290.000 Menschen mit einem falschen Status an die BA-Statistik gemeldet - 8,6 Prozent der Leistungsempfänger. Demnach wären rund 115.000 Arbeitslose nicht als solche erfasst worden.

Die Rechnungsprüfer zogen laut dem Bericht dabei bereits jene ab, die fälschlich und somit zuviel als arbeitslos registriert gewesen seien. Der Rechnungshof stützte sich auf eine Stichprobe von 770 Fällen in 219 Jobcentern.

Die neue Weisung verpflichte die Jobcenter nun, regelmäßig automatisierte Prüfsysteme zu nutzen, teilte die BA-Sprecherin mit. Gefunden werden sollten Fälle, in denen der Status oder die Daten von Betroffenen im IT-System der BA unplausibel oder unstimmig erschienen. Die Weisung sei mit dem Bundesarbeitsministerium, den kommunalen Spitzenverbänden und den Bundesländern abgestimmt.

Auch wenn die offizielle Angabe zur Arbeitslosenzahl richtig erfasst wäre, würde sie jedoch nicht die tatsächliche Arbeitslosigkeit angeben. So sind Arbeitslose in Beschäftigungsmaßnahmen oder arbeitsunfähig Erkrankte nicht mitgerechnet. Diese werden dagegen bei der sogenannten Unterbeschäftigung mit erfasst.

apr/dpa



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