Winterwetter Arbeitslosenzahl steigt auf mehr als drei Millionen

Das Winterwetter hat die Arbeitslosigkeit steigen lassen: Im Januar waren knapp 3,14 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. Im Vergleich mit dem Vorjahr fällt das Plus moderat aus.

Baustelle in Berlin: Das Winterwetter stoppt viele Arbeiten
AP

Baustelle in Berlin: Das Winterwetter stoppt viele Arbeiten


Nürnberg - Das Winterwetter und andere Saisoneffekte haben im Januar die Arbeitslosigkeit erstmals seit zehn Monaten wieder über die Drei-Millionen-Marke steigen lassen. Der Anstieg fiel aber deutlich geringer aus als für die Jahreszeit üblich, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Bei der Behörde waren im Januar 3,136 Millionen Arbeitslose registriert. Das seien 263.000 mehr gewesen als im Dezember, aber 2000 weniger als vor einem Jahr.

Üblich war in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Arbeitslosenzahl von Dezember auf Januar um etwa 300.000. Die Arbeitslosenquote sei auf 7,3 Prozent gestiegen. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse ging die Arbeitslosenzahl unerwartet deutlich um 28.000 zurück. Volkswirte hatten eine Abnahme um 5000 erwartet. Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, sagte: "Die Zahl der arbeitslosen Menschen hat im Januar allein aus jahreszeitlichen Gründen deutlich zugenommen. Saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit erneut gesunken."

Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken sehen den Anstieg deshalb gelassen: Zum einen ruhe wegen des kühlen Winterwetters derzeit auf vielen Baustellen die Arbeit, neue Bauprojekte würden erst zum Frühjahr begonnen. "Das bekommen nicht nur die Baufirmen, sondern auch die Zulieferbetriebe zu spüren", sagte der Konjunkturforscher Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut. Zudem trenne sich der Handel nach dem Weihnachtsgeschäft von Saisonkräften, von denen sich manche danach erst einmal arbeitslos meldeten. Auch endeten zum Jahresende viele befristete Arbeitsverträge.

Unterschiedlich bewerten die Fachleute dagegen die Schubkraft der Konjunktur. Während Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld nach einem "durchwachsenen zweiten Halbjahr 2013" derzeit noch keine Dynamik auf dem Arbeitsmarkt spürt, sieht DZ-Volkswirt Richard Holstein bereits erste positive Signale. Die würden sich mit dem von ihm erwarteten kräftigen Wirtschaftswachstum im ersten Quartal noch verstärken. Für das Gesamtjahr rechnet die DZ-Bank mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,25 Prozent; das könnte im Jahresschnitt die Arbeitslosenzahl um mehr als 70.000 senken.

Statistisches Bundesamt: Beschäftigtenzahl 2013 zurückgegangen

Pessimistischer beurteilt hingegen Commerzbank-Experte Tuchtfeld die Lage: Er sorgt sich vor allem um die Investitionen, bei denen es nach seiner Beobachtung noch etwas "holpert". Und da sich auch der bereits für das zweite Halbjahr 2013 erwartete Konjunkturaufschwung nun in die erste Jahreshälfte 2014 verschiebe, verzögere sich auch der Jobaufschwung. Bei einem von ihm erwarteten Wirtschaftswachstum von lediglich 1,7 Prozent werde die Zahl der Erwerbslosen im Jahresschnitt 2014 sogar steigen - voraussichtlich um rund 10.000 auf knapp unter drei Millionen. Dabei fehle es derzeit keineswegs an Arbeitsplätzen. Das Problem sei, dass viele Jobsucher nicht die Qualifikation für die ausgeschriebenen Stellen mitbrächten.

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland ist Ende 2013 zum ersten Mal seit fast einem Jahr zurückgegangen. Im Dezember hatten gut 42,2 Millionen Frauen und Männer einen Job, das waren 201.000 oder ein halbes Prozent weniger als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Der Rückgang dürfte weniger auf eine schwächere Konjunktur zurückzuführen sein. Im Dezember halten sich viele Unternehmen traditionell mit Neueinstellungen zurück. Werden solche saisonalen Faktoren herausgerechnet, dann ergibt sich dagegen ein Anstieg der Erwerbstätigenzahl um 23.000 zum Vormonat.

nck/dpa/Reuters

insgesamt 123 Beiträge
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_derhenne 30.01.2014
1.
Wie kommt der Spiegel auf die Idee, diese Phantasiestatistik kritiklos wiederzukäuen? Es wäre die Pflicht der Medien, diesen Propagandaunfug aufzudecken oder mindestens mit Ignoranz zu strafen. Das sagt leider viel darüber aus, wie es mit der Unabhängigkeit steht.
Bismarck 30.01.2014
2. Wetter
Letztes Jahr war es im Januar knackig kalt. Das war Winter. Dieses Jahr fällt der Winter aus und deswegen ist der Anstieg der Arbeitslosen geringer. Um den Wetterfaktor korrigiert erscheint mir der Anstieg deutlich stärker als 2013!
christophe_le_corsaire 30.01.2014
3. Merkel scheitert mit Arbeitslosen-Ziel
Aber sowas würden sich die Schreiberlinge nie wagen, bei "der Soze" Hollande sehr wohl. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/staatspraesident-hollande-scheitert-bei-arbeitslosen-ziel-a-945868.html "Deutfland geht ef gut" lispelt Frau Neuland.
dr.hammer 30.01.2014
4. ja nee, is klar
Zitat von sysopAPDas Winterwetter hat die Arbeitslosigkeit steigen lassen: Im Januar waren knapp 3,14 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. Im Vergleich mit dem Vorjahr fällt das Plus moderat aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitslosenzahl-steigt-im-januar-auf-mehr-als-drei-millionen-a-946332.html
Schade, wieder nix mit der Vollbeschäftigung. Aber 2017 isses dann soweit. Progonose für 2014: "Demnach werden bis 2014 nur noch 1,84 Millionen Menschen ohne Beschäftigung sein, die Arbeitslosenquote läge damit knapp unter 4,5 Prozent. Es wäre der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung" Schon in vier Jahren: Regierungsberater sagt Vollbeschäftigung voraus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schon-in-vier-jahren-regierungsberater-sagt-vollbeschaeftigung-voraus-a-706451.html) Prognose für 2017 "Bis 2017 könnte die Zahl der Arbeitslosen sogar unter zwei Millionen sinken, sagt Straubhaar " Prognose für 2015: Ökonomen sagen Vollbeschäftigung voraus - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/prognose-fuer-2015-oekonomen-sagen-vollbeschaeftigung-voraus-a-760411.html)
Klebestift 30.01.2014
5. Was ist...
Zitat von sysopAPDas Winterwetter hat die Arbeitslosigkeit steigen lassen: Im Januar waren knapp 3,14 Millionen Menschen in Deutschland ohne Job. Im Vergleich mit dem Vorjahr fällt das Plus moderat aus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitslosenzahl-steigt-im-januar-auf-mehr-als-drei-millionen-a-946332.html
...mit den restlichen nicht beschäftigten? Gab es neue Schulungsangebote? Lieber SPON, versucht doch einfach mal echte Zahlen aus der Tasche zu holen...wühlt mal und nicht einfach immer nur irgendwelche Meldungen bringen, die für manche kritischen Menschen kein Neuland sind. Gut, der Winter kam jetzt erst und ein paar Nasen konnten nicht für 1€ den Schnee wegkehren. Ich wünschte mir mal einen Bericht, der wirklich Zahlen bringt...mit allem drum und dran.
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