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08. August 2013, 13:45 Uhr

Wirtschaftskrise

Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt auf Rekordwert

So viele Griechen wie nie seit Beginn der Statistik sind ohne Job: Trotz Erfolgen im Tourismus ist die Arbeitslosenquote in Griechenland im Mai auf 27,6 Prozent gestiegen. Die Zentralbank des Landes rechnet erst von 2015 an mit einer Besserung.

Athen - Der Monat lag zu Beginn einer sehr erfolgreichen Tourismussaison - dennoch ist die Arbeitslosenquote in Griechenland im Mai auf einen Rekord gestiegen. Die Rate kletterte laut der griechischen Statistikbehörde Elstat auf 27,6 Prozent, im April hatte sie noch bei 27,0 Prozent gelegen.

Damit ist die Arbeitslosigkeit in dem südeuropäischen Krisenland mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnittswert in der Euro-Zone, der im Juni bei 12,1 Prozent lag. Besonders betroffen sind weiterhin die jungen Griechen: 64,9 Prozent der 15- bis 24-Jährigen, die nicht studieren oder in Ausbildung stehen, sind arbeitslos.

Das hoch verschuldete Griechenland steckt mittlerweile seit sechs Jahren in einer tiefen Rezession. Dazu beigetragen haben drastische Einsparungen, gerade auch im staatlichen Bereich. Die Regierung in Athen musste sich im Gegenzug für Milliardenhilfen der europäischen Partnerländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu den Maßnahmen verpflichten.

Auch der Strukturwandel in der griechischen Wirtschaft trägt zur Arbeitslosigkeit bei - und nivelliert die positiven Beschäftigungseffekte in einigen Sektoren. "Die gestiegene Beschäftigung im Tourismus kann den Strukturwandel in vielen Wirtschaftsbereichen und die weiterhin niedrige Nachfrage nicht ausgleichen", sagt der Ökonom Nikos Magginas von der griechischen Zentralbank. Allerdings würden die Steigerungen beim Export und die starke Urlaubssaison zumindest den weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesem Jahr dämpfen.

Der Tourismus trägt 17 Prozent zur griechischen Wirtschaftsleistung bei, jeder fünfte Beschäftigte arbeitet in dem Bereich. Die Umsätze werden in diesem Jahr voraussichtlich um zehn Prozent auf elf Milliarden Euro steigen und die Gästezahl wird einen Rekord von 17 Millionen erreichen.

Der IWF wie auch die EU-Kommission erwarten für Griechenland im kommenden Jahr nach Jahren schrumpfender Wirtschaftsleistung wieder ein Mini-Wachstum. Die Arbeitslosigkeit wird aber nach einer Prognose der EU vom Mai mit 27 Prozent in diesem und 26 Prozent im kommenden Jahr weiterhin exorbitant hoch bleiben. Die griechische Zentralbank rechnet gar damit, dass die Arbeitslosenquote einen Spitzenwert von 28 Prozent erreichen und erst im Jahr 2015 fallen wird.

fdi/Reuters/dpa

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