Boom am deutschen Arbeitsmarkt 2018 sollen 400.000 neue Jobs entstehen

"Deutschland erlebt wirtschaftlich goldene Jahre", meint die Unternehmensberatung EY. Nirgendwo sonst in der Eurozone werden derzeit so viele neue Jobs geschaffen. Viele Firmen würden gerne noch mehr Leute einstellen.
Hamburger Hafen

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Foto: © Christian Charisius / Reuters/ REUTERS

Der Boom am deutschen Arbeitsmarkt soll auch im kommenden Jahr weitergehen. Die Beschäftigungsentwicklung werde "rekordverdächtig", teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit. Die kräftige Konjunktur sorge für steigenden Bedarf an Fachkräften und lasse die Arbeitslosigkeit sinken.

"Im Moment geht es fast überall aufwärts, in der Binnenkonjunktur und der Weltwirtschaft, bei den Dienstleistungen und in der Industrie", sagte IAB-Experte Enzo Weber. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer, das auf einer monatlichen Umfrage der BA unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert, legte im Dezember auf hohem Niveau noch einmal zu. Es stieg um 0,1 auf 104,9 Punkte.

Auch andere Experten erwarten eine Fortsetzung des Jobwunders. Die Unternehmensberatung EY rechnet laut einer Studie mit rund 400.000 neuen Stellen im kommenden Jahr. Seit 2007 seien fast vier Millionen zusätzliche Jobs in Deutschland geschaffen worden, teilte EY mit. Damit sei die Bundesrepublik - neben der Slowakei und Malta - eines der drei Eurozonenländer, die heute eine niedrigere Erwerbslosenquote aufwiesen als 2007, also vor Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise.

"Der nun schon seit acht Jahren anhaltende Aufschwung bringt immer mehr Menschen in Lohn und Brot", sagt Bernhard Lorentz von EY. "Viele Firmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze, fahren gute Gewinne ein und schaffen neue Arbeitsplätze." Deutschland erlebe derzeit wirtschaftlich goldene Jahre.

Allerdings geht es trotz Jobboom nicht allen Menschen gut. So gibt es nach offiziellen Zahlen weiter rund eine Million Langzeitarbeitslose in Deutschland. Auch die Zahl der Teilzeitstellen hat deutlich zugenommen. Mehr als drei Millionen Menschen haben mehr als einen Job (mehr zum Hintergrund des deutschen Jobwunders lesen Sie hier).

Den Unternehmen gehen die Fachkräfte aus

Dennoch sehen die meisten Experten aktuell vor allem den Fachkräftemangel als Gefahr. "Der Arbeitsmarkt etwa für Akademiker und Facharbeiter ist vielerorts leer gefegt", sagte EY-Experte Lorentz. "Das könnte für den Standort Deutschland zu einem echten Problem und zu einer Innovations- und Wachstumsbremse werden." Notwendig sei daher eine zukunftsgerichtete Migrationspolitik.

Die fordert auch der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK). "Wir brauchen mehr qualifizierte Zuwanderung in Deutschland. Wir brauchen vor allem mehr Facharbeiter", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Bundesweit seien derzeit mehr als eine Million Stellen unbesetzt. Gerade auch in der Logistik gebe es Probleme. Es stünden zum Beispiel zu wenig Berufskraftfahrer und zu wenig Binnenschiffer zur Verfügung.

Beschäftigung in der Eurozone auf Vorkrisenniveau

Auch in der Eurozone insgesamt ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt positiv. Laut EY-Prognose soll die Beschäftigung in den 19 Ländern der Währungsunion insgesamt um 1,8 Millionen zulegen. "Die Trendwende ist geschafft", sagte Lorentz. Bereits im zu Ende gehenden Jahr habe die Zahl der Beschäftigten erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau von 2007 gelegen.

Dass die Arbeitslosigkeit in der Eurozone dennoch deutlich höher bleibe als vor Ausbruch der Krise, liegt EY zufolge am deutlichen Wachstum des Arbeitskräfteangebots - etwa durch Zuwanderung und wegen der Zunahme berufstätiger Frauen.

Neben Deutschland boomt der Arbeitsmarkt auch in Spanien besonders kräftig. 2018 sollen dort laut Prognose mehr als 380.000 neue Jobs entstehen.

stk/dpa/AFP
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