Studie Geringqualifizierte und Arme bilden sich selten weiter

Nur wenige Menschen beteiligen sich an Weiterbildungsangeboten. Vor allem Ärmere und Geringqualifizierte bilden sich kaum weiter. Experten fordern deshalb, dass der Staat mehr Geld in die Hand nimmt.
Siemens-Auszubildende in Berlin (Archivfoto)

Siemens-Auszubildende in Berlin (Archivfoto)

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Nur etwa jeder Achte ab 25 Jahren hat 2015 an einer allgemeinen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen. Das waren dem "Weiterbildungsatlas 2018" zufolge 12,2 Prozent der Bevölkerung - und bedeutet eine leicht sinkende Tendenz im Vergleich zu 12,6 Prozent im Jahr 2012, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit.

Der ohnehin schon niedrige Durchschnittswert wird von der Gruppe der Geringqualifizierten mit einer Quote von knapp sechs Prozent noch klar unterschritten. Auch die Gruppe der von Armut bedrohten Menschen - sie verfügen über weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens - nimmt mit einer Quote von rund acht Prozent nur selten an einer Weiterbildung teil.

Die Politik propagiere lebenslanges Lernen und appelliere immer wieder an die Bevölkerung, sich zu engagieren, sagte Stiftungsexperte Frank Frick. "Aber zugleich gehen die Ausgaben von Bund und Ländern dafür seit Jahren deutlich zurück." Dieser Rückzug gehe zu Lasten der Geringqualifizierten, die ohne einen berufsbildenden Abschluss sind. "Die öffentliche Hand hat Weiterbildungsmaßnahmen immer weiter zurückgefahren, und die Menschen investieren selbst privat. Das können sich aber Ärmere oft nicht leisten", sagte Frick.

Wichtigste Einrichtungen öffentlicher Weiterbildung sind die Volkshochschulen. Auch Betriebe, gewerkschaftliche oder konfessionelle Träger machen Angebote.

Die Beteiligung an Weiterbildungsangeboten ist zudem regional sehr unterschiedlich: Das Schlusslicht Saarland kommt auf eine Weiterbildungsquote von 7,8 Prozent, während sie in Baden-Württemberg bei 15,3 Prozent liegt. Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt mit 10,7 Prozent klar unter dem Bundesschnitt von 12,2 Prozent.

"Zu häufig entscheidet der Wohnort und die lokale Wirtschaftskraft darüber, ob sich jemand weiterbildet", sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Dabei bräuchten die Menschen gerade in wirtschaftlich schwächeren Regionen Fortbildung, "um ihre Chancen auf einen guten Arbeitsplatz zu verbessern".

hej/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.