Zahl der Beschäftigten in der Pflege Gibt es in Deutschland einen »Pflexit«? Die Arbeitsagentur sagt Nein

Tausende Pflegerinnen und Pfleger gaben in der Pandemie ihren Beruf auf. Nichts Besonderes, erklärt die Bundesagentur für Arbeit: Ein saisonaler Rückgang sei jedes Jahr zu verzeichnen.
Pflegekräfte in Schleswig-Holstein: Fachkräfte werden in Bosnien-Herzegowina, Tunesien und auf den Philippinen angeworben

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Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Für potenzielle Patientinnen und Patienten ist es eine Horrorvorstellung: Mitten in der Pandemie steigen Tausende Pflegekräfte aus ihrem Beruf aus. Doch bislang gibt es dieses in der Branche »Pflexit« genannte und auch im SPIEGEL beschriebene Phänomen amtlichen Angaben zufolge nicht.

Zwar hätten tatsächlich zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 rund 9000 Menschen dem Pflegeberuf während der Pandemie den Rücken gekehrt und deshalb sei die Zahl der Alten- und Krankenpflegekräfte in den Monaten März bis Juli 2020 um 0,5 Prozent gesunken.

Dabei handelt es sich laut Bundesagentur für Arbeit aber um einen saisonalen Rückgang, der jedes Jahr festgestellt werden könne – und nicht vorwiegend durch die Pandemie bedingt sei. Ursache sind demnach etwa endende Ausbildungsverhältnisse und angepasste Stellenbesetzungsprozesse vor den Sommerferien.

Insgesamt ist indes die Zahl der Beschäftigten in der Pflege während der Coronapandemie vielmehr gestiegen. Im Oktober 2020 habe es in der Gesundheits- und Altenpflege 1,77 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gegeben, heißt es in einer Mitteilung  der Bundesagentur in Nürnberg.

Das seien 43.300 mehr als ein Jahr zuvor. Auch von 2019 auf 2020 habe es ein Plus gegeben. In den vergangenen fünf Jahren sei in der Pflege ein Beschäftigungsplus um 14 Prozent zu verzeichnen. Trotzdem kann es laut Bundesagentur durchaus Fluktuationsprozesse geben.

Tausende Stellen weiter unbesetzt

Trotz des Beschäftigungsaufbaus sei der Fachkräftebedarf in der Pflege erheblich. Medizinischer Fortschritt und höheres Durchschnittsalter führten zu einem erhöhten Bedarf. Auf aktuell 12.700 gemeldete Stellen für Fachkräfte in der Gesundheitspflege kämen lediglich 5800 Arbeitslose. In der Altenpflege seien für 12.800 Stellen nur 3600 Arbeitslose registriert. Allerdings: Zumindest bei den Pflegehelfern sowohl im Gesundheits- als auch im Altenpflegebereich gebe es mehr Bewerber als Stellen.

Die Bundesagentur für Arbeit versucht, das Problem unter anderem mit Umschulungen in den Griff zu bekommen. Seit 2015 seien so mehr als 40.000 Menschen zu Pflegern geworden. Außerdem versucht die Agentur, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen – etwa aus Ländern wie Bosnien-Herzegowina, Tunesien und den Philippinen. Hier hatten jedoch unter anderem die Reisebeschränkungen in der Coronapandemie dazu geführt, dass die Anwerbebemühungen ins Stocken gerieten.

apr/dpa
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