900.000 neue Jobs Reguläre Arbeit wächst stärker als Leiharbeit, Minijobs und Teilzeit

Im Jahr 2016 ist die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland um mehr als 900.000 gestiegen - fast alle davon reguläre Jobs. Die Zahl der Beschäftigten in Teilzeit, Befristung oder Leiharbeit wächst weit schwächer.
Stellenanzeigen einer Zeitarbeitsfirma

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Foto: Oliver Berg/ dpa

In Deutschland arbeiten mehr Menschen in Teilzeit, als Minijobber, befristet oder als Leiharbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma - aber dadurch werden keine regulären Jobs verdrängt. Im Jahr 2016 ist die Zahl dieser sogenannten atypisch Beschäftigten um 121.000 Personen auf 7,7 Millionen Menschen gestiegen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Damit lag ihr Anteil an allen Erwerbstätigen bei 20,7 Prozent.

Dieser Anteil ist allerdings leicht gefallen, im Jahr 2015 lag er noch bei 20,8 Prozent. Denn auch die Zahl der sogenannten Normalarbeitsverhältnisse ist gestiegen, und das sogar noch stärker. Unter dem Strich zählten die Statistiker im vergangenen Jahr 808.000 Menschen mehr in regulären Jobs als noch 2015.

Diese Zahlen stützen den Befund des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): Bereits seit einigen Jahren ist der Anstieg der atypischen Beschäftigung nicht mehr mit dem Abbau von regulären Arbeitsplätzen verbunden, wie es noch in den Nullerjahren der Fall war. Die aus dieser Zeit stammende und noch immer gängige Vorstellung, dass Unternehmen Normalarbeitsplätze abbauen und durch Teilzeitstellen, Minijobs oder Leiharbeit ersetzen, trifft die Realität auf dem Arbeitsmarkt seit mindestens 2010 nicht mehr.

In der Grafik können Sie die Entwicklung der Normalarbeitnehmer seit dem Jahr 2000 bei Bedarf einblenden.

Der Begriff der atypischen Beschäftigung ist allerdings schwammig, da er nicht einheitlich definiert ist. Die Statistiker des Bundesamts zählen im Detail dazu folgende Gruppen:

  • Teilzeitbeschäftigte mit einer Arbeitszeit von bis zu 20 Stunden
  • Minijobber
  • befristet Beschäftigte
  • Arbeitnehmer in Leiharbeit

Zudem berücksichtigen sie ausschließlich Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, aber keine Schüler, Studenten, Auszubildenden oder Rentner. Das erscheint sinnvoll, weil etwa Auszubildende zwar formal einen befristeten Arbeitsvertrag haben, ihre Situation aber nicht mit Arbeitnehmern zu vergleichen ist, die unfreiwillig eine befristete Stelle haben. Ähnliches gilt für Studenten oder Schüler.

Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Lage bei den einzelnen Gruppen im vergangenen Jahr unterschiedlich entwickelt. Während die Zahl der befristet Beschäftigten und der Leiharbeiter gestiegen ist, arbeiten weniger Menschen in Teilzeitjobs unter 20 Wochenstunden oder in Minijobs.

Betrachtet man nicht die absolute Entwicklung der Zahlen, sondern den prozentualen Anstieg oder Rückgang im Vergleich zu 2015, fällt der Unterschied zwischen atypischer und normaler Beschäftigung zwar geringer aus. Dennoch zeigt sich auch hier, dass die Normalarbeitsverhältnisse stärker gewachsen sind als die atypischen.

Durch seine Definition ermittelt das Statistische Bundesamt aber weniger atypisch Beschäftigte als etwa die Bundesagentur für Arbeit (BA). Die BA zählt zum Beispiel alle Teilzeitbeschäftigten dazu, auch diejenigen mit einer Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden in der Woche. Darüber hinaus existieren weitere Definitionen von Wirtschaftsforschungsinstituten. So hält es etwa das Institut der Deutschen Wirtschaft nicht für gerechtfertigt, Leiharbeitnehmer zu den atypisch Beschäftigten zu zählen, da diese oftmals in Vollzeit und unbefristet angestellt seien.

Der Begriff der atypischen Beschäftigung ist nicht nur wegen der uneinheitlichen Definition ambivalent. Während die prekäre Beschäftigung eindeutig Arbeitsverhältnisse niedriger Qualität bezeichnet, sammeln sich unter der atypischen Beschäftigung sowohl hochbezahlte Beschäftigte, die aus persönlichen Gründen in Teilzeit arbeiten wollen oder bei spezialisierten Zeitarbeitsfirmen angestellt sind, als auch Menschen, die unfreiwillig befristet arbeiten oder lediglich einen Minijob finden.

fdi