Arbeitsmarkt OECD sagt dramatischen Jobabbau voraus

Die Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung mehren sich - doch laut der Wirtschaftsorganisation OECD steht dem Arbeitsmarkt das Schlimmste noch bevor: In den Industrieländern könnten demnächst fast 60 Millionen Menschen ohne Job dastehen. Auch in Deutschland droht massiver Stellenabbau.
Wartende in einer Arbeitsagentur: Kurzarbeit zeitlich befristen

Wartende in einer Arbeitsagentur: Kurzarbeit zeitlich befristen

Foto: MARTIN MEISSNER/ ASSOCIATED PRESS

Berlin - Es ist ein düsteres Zukunftsszenario, das die Wirtschaftsorganisation OECD für Deutschland und andere Industrienationen malt: Die schwere Rezession des vergangenen Jahres wird sich demnächst auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen - und zwar mit voller Wucht, prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrem jüngsten Ausblick. Die Folge: In den 30 Industrieländern könnten im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres 57 Millionen Menschen ohne Job dastehen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von rund zehn Prozent.

Zwischen Ende 2007 und Mitte 2009 seien bereits rund 15 Millionen Jobs in den 30 OECD-Ländern weggefallen, hieß es weiter. Bis Ende 2010 könnten trotz der Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung weitere zehn Millionen Stellen abgebaut werden.

Bislang seien Länder wie Deutschland und Frankreich zwar noch relativ gut durch die Krise gekommen. Dazu hätten die Konjunkturpakete der Bundesregierung und die massive Nutzung der Kurzarbeit beigetragen. Doch laut OECD steht insbesondere Deutschland der heftigste Anstieg der Erwerbslosenquote noch bevor. "Die Arbeitslosigkeit könnte 2010 gar zweistellige (Prozent-)Werte erreichen, wenn der Aufschwung nicht schnell an Fahrt gewinnt", hieß es. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote bei 8,3 Prozent.

Die OECD warnte daher vor einem zu starken Einsatz der Kurzarbeit. In manchen Fällen könne er den Aufschwung verhindern: "Vor allem, wenn wirtschaftlich nicht überlebensfähige Unternehmen zu lange alimentiert werden", hieß es. Deshalb sollte Kurzarbeit zeitlich befristet und gezielt eingesetzt werden. Als Beispiel nannte die OECD die Niederlande. So müssten Arbeitgeber in Deutschlands Nachbarland die Hälfte des Kurzarbeitergeldes zurückzahlen, wenn sie innerhalb von drei Monaten nach Auslaufen der Hilfe die betreffenden Mitarbeiter entlassen, hieß es.

Bundesregierung weitaus optimistischer

Die OECD-Prognose fällt damit pessimistischer aus als die der Bundesregierung: "Es wird nicht so schlimm werden, wie einige Wirtschaftsforscher noch vor wenigen Monaten prognostiziert haben", sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) der "Berliner Zeitung". "Wir werden sowohl im Durchschnitt als auch im Spitzenwert weniger Arbeitslose haben als von den Instituten anfangs vorhergesagt."

Am Dienstag hatte auch das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) seine Prognosen zur Arbeitslosigkeit deutlich gesenkt. Für 2009 rechnen die Forscher jetzt mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 3,5 Millionen Menschen, 200.000 weniger als bisher vorausgesagt. Für 2010 erwarten sie im Schnitt dann zwar 4,1 Millionen Jobsuchende, doch auch das sind 400.000 weniger als in der Juni-Prognose vorausgesagt.

yes/dpa/Reuters
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