Arbeitsmarkt Ostdeutsche arbeiten länger als Westdeutsche

Auf dem deutschen Jobmarkt gibt es noch immer ein Ost-West-Gefälle. Beschäftigte in den neuen Bundesländern arbeiten mehr Stunden pro Jahr als in den alten - und verdienen deutlich weniger.
Backstube in Sachsen

Backstube in Sachsen

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa

Beschäftigte in Westdeutschland haben im vergangenen Jahr im Schnitt 1279 Stunden gearbeitet, im Osten inklusive Berlin waren es 1354 Stunden. Zugleich lagen die Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer im Westen mit 35.084 Euro um fast 5000 Euro höher als in den neuen Ländern mit 30.172 Euro. Das ergeben Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat.

Die Spaltung am Arbeitsmarkt halte auch mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende an, sagte Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann. "Die Bundesregierung hat sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden. Das ist nicht akzeptabel."

Ein wesentlicher Schlüssel für eine Angleichung sei eine Stärkung der Tarifbindung im Osten. Niedrigstlöhnen und prekärer Beschäftigung müsse deutschlandweit der Kampf angesagt werden, unter anderem durch eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro die Stunde, forderte Zimmermann.

Im Schnitt am längsten gearbeitet wurde 2017 der Statistik zufolge in Thüringen mit 1371 Stunden. Es folgen Sachsen-Anhalt mit 1362 Stunden und Mecklenburg-Vorpommern mit 1353 Stunden je Arbeitnehmer. Am wenigsten Arbeitsstunden waren es in Nordrhein-Westfalen (1261), im Saarland (1259) und in Rheinland-Pfalz (1255).

Als Ursachen für Unterschiede gelten unter anderem tarifliche Regeln. Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden hatten im Westen noch acht Prozent der Tarifbeschäftigten, im Osten aber 40 Prozent, wie eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von 2017 ergab. Einfluss haben etwa auch die Zahl der Feiertage und der Anteil von Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung.

Bei Löhnen und Gehältern je Arbeitnehmer war Hamburg mit 40.771 Euro brutto im vergangenen Jahr der Spitzenreiter. Es folgen Hessen (37.832 Euro) und Baden-Württemberg (36.786 Euro). Am wenigsten verdienten Arbeitnehmer demnach im Schnitt in Mecklenburg-Vorpommern mit 27.520 Euro, Sachsen-Anhalt (28.607 Euro) und Brandenburg (28.715 Euro).

Wie hoch Verdienste regional ausfallen, kann davon abhängen, ob es Unternehmen mit gut bezahlten Jobs gibt. Einfluss auf die Gehaltshöhe hat auch die Qualifikation von Arbeitnehmern.

Über die Kaufkraft sagt die Höhe der Bruttolöhne noch nichts aus - diese hängt auch von den Lebenshaltungskosten etwa für Miete oder Lebensmittel ab, die sich regional stark unterscheiden und im Osten der Republik oft günstiger sind.

ssu/dpa-AFX