Arbeitsmarkt Zahl der Beschäftigten steigt auf Rekordniveau

Der Boom der deutschen Wirtschaft verbessert die Lage auf dem deutschen Jobmarkt: 2011 waren in der Bundesrepublik laut Statistischem Bundesamt erstmals mehr als 41 Millionen Menschen erwerbstätig. Trotz Schuldenkrise könnte der Wert in den kommenden Monaten weiter steigen.
Bauarbeiten an der Hamburger Elbphilharmonie: Statistik oft beschönigend

Bauarbeiten an der Hamburger Elbphilharmonie: Statistik oft beschönigend

Foto: Maurizio Gambarini/ picture alliance / dpa

Berlin - Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat die Beschäftigung in Deutschland 2011 auf ein Rekordhoch getrieben. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Im Jahresschnitt waren demnach 41,04 Millionen Menschen erwerbstätig, so viele wie nie seit der Wiedervereinigung. Das waren 535.000 Personen mit Wohnort in Deutschland mehr als 2010 - ein Plus von 1,3 Prozent.

Die Zahl der Arbeitnehmer stieg den Statistikern zufolge um 478.000 Personen. Bei den Selbständigen verzeichnen sie einen Zuwachs von 57.000 Menschen. Dabei sind mithelfende Familienangehörige bereits mitgezählt.

Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen im laufenden Jahr weiter steigt und damit einen Höchstwert erreicht. Das Plus dürfte wegen der erwarteten Konjunkturflaute aber deutlich geringer ausfallen.

Die Forscher des Essener RWI-Instituts sagen 41,24 Millionen voraus, das Münchner Ifo-Institut sogar 41,27 Millionen. Die Wirtschaft wuchs im vergangenen Jahr um rund drei Prozent. Wegen der Schuldenkrise und der globalen Abkühlung rechnen Ökonomen 2012 aber nur mit einem Mini-Wachstum von rund 0,5 Prozent.

So positiv der Rekord bei den Erwerbstätigen klingt - klar ist auch: Die deutsche Arbeitsmarktstatistik ist in vielen Bereichen beschönigend. So werden etwa auch Ein-Euro-Jobber und Minijobber als Erwerbstätige gezählt, obwohl sie von ihrem Verdienst nicht leben können und auf Leistungen des Staates angewiesen sind. Auch bei der Arbeitslosenzahl trickst die Regierung nicht selten, wie erst in der vergangenen Woche das Verschwinden von rund 100.000 Erwerbslosen aus der Statistik bewies.

Hintergrund ist, dass Menschen über 58 Jahre, die mindestens ein Jahr Hartz IV beziehen und kein Jobangebot bekommen haben, nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Obwohl sie es faktisch natürlich sind.

Stellenindex erreicht Rekordhoch

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat zum Jahresausklang ebenfalls ein Rekordhoch erreicht. Der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit (BA) legte nach seinem Höchststand im November noch einmal zu und verbesserte sich im Dezember auf 180 Zähler, wie die BA mitteilte. Er liegt damit 24 Punkte über dem Vorjahreswert.

Neben der stabilen Wirtschaft nennt die Behörde drei Gründe für diese Entwicklung: Durch das Beschäftigungsplus der vergangenen Jahre gebe es mehr offene Stellen. Unternehmen gelinge es nicht so schnell, diese Stellen wieder zu besetzen, und sie griffen auf der Suche nach Arbeitskräften häufiger auf die Hilfe der BA zurück.

cte/Reuters
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