Arbeitsmarkt Zahl der Erwerbstätigen im Osten schrumpft

Schlechte Nachricht vom Arbeitsmarkt: Laut Institut für Wirtschaftsforschung Halle sinkt die Zahl der Beschäftigten in Ostdeutschland im kommenden Jahr erneut. Besonders bitter: Die Wirtschaftskrise trifft vor allem Vollzeitkräfte.

Arbeitsagentur in Potsdam: Teilzeitarbeit gewinnt an Bedeutung
ddp

Arbeitsagentur in Potsdam: Teilzeitarbeit gewinnt an Bedeutung


Halle/Nürnberg - Die Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland wird im kommenden Jahr im Vergleich zu 2009 erneut sinken. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor. "Im kommenden Jahr wird die Erwerbstätigenzahl wohl noch einmal um 70.000 Personen zurückgehen", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Bereits in diesem Jahr liegt die Zahl der Beschäftigten um 63.000 unter dem Vorjahresstand.

Die Arbeitslosenzahlen werden hingegen laut IWH-Analyse im kommenden Jahr "auf ihrem Stand von diesem Jahr verharren". Das liege am starken Rückgang der zur Verfügung stehenden Arbeitnehmer. Aufgrund der demografischen Entwicklung und Abwanderungen sinkt das Angebot an Arbeitskräften in Ostdeutschland. Arbeitszeitverkürzungen und Kurzarbeiterregelungen haben sich bislang ebenfalls recht positiv auf den ostdeutschen Arbeitsmarkt ausgewirkt. "Diese Effekte werden den Arbeitsmarkt in diesem und dem kommenden Jahr zwar weiterhin entlasten, allerdings können die arbeitszeitverkürzenden Maßnahmen nicht dauerhaft aufrechterhalten werden", heißt es in der Untersuchung.

Kurzarbeit und flexible Arbeitszeiten haben bisher deutschlandweit die Wucht der Wirtschaftskrise am Arbeitsmarkt abgefangen, teilt auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit. Allerdings wirke sich die Wirtschaftskrise zunehmend auf die Zahl der Vollzeitbeschäftigten aus. Allein zwischen Juli und September sei die Zahl der Vollzeitstellen im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent auf 23,51 Millionen gesunken, berichtet das IAB. Der Abbau habe sich damit seit Beginn der Krise vor einem Jahr weiter beschleunigt.

Kurzarbeit geht zurück

Noch im zweiten Quartal 2009 war die Zahl der Vollzeitstellen lediglich um 0,8 Prozent zurückgegangen, während sie im ersten Quartal nach zuvor kräftigen Zuwächsen stagniert hatte. "Die Vollzeitbeschäftigten hängen stärker von der Konjunktur ab", so die Arbeitsmarktforscher Hans-Uwe Bach und Eugen Spitznagel. Ein weiterer Grund für den Abbau: In der von der Krise stark betroffenen Industrie sind Vollzeitjobs die dominierende Arbeitsform.

Deutlich gefallen ist nach IAB-Erkenntnissen auch die Zahl der Kurzarbeiter. Im Monatsdurchschnitt haben im dritten Quartal nur noch 1,15 Millionen Beschäftigte kurz gearbeitet; im zweiten Quartal waren es noch 1,5 Millionen. In der Regel war bei den Betroffenen die Arbeitszeit um rund ein Drittel gekürzt worden.

Einzig habe dagegen die Teilzeitarbeit an Bedeutung gewonnen. Die Zahl der entsprechenden Jobs lag im dritten Quartal mit 12,4 Millionen um 1,9 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresniveau, so das Forschungszentrum der Bundesagentur für Arbeit. Laut Experten liegt der Grund hierfür darin, dass der Sozial- und Gesundheitsbereich bislang von wirtschaftlichen Turbulenzen verschont geblieben sei. Teilzeitarbeit ist in diesen Bereichen überdurchschnittlich stark verbreitet.

lgr/ddp/dpa



insgesamt 1577 Beiträge
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lalito 13.08.2009
1. tja
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wär schön, käme es nicht so schlimm wie befürchtet! Mal sehen wie es nach der Wahl wird, wenn die Zeche für die "systemrelevante" Rettung bei jedem einzelnen Individuum des Systems eingefordert wird.
Crom 13.08.2009
2.
Der Arbeitsmarkt wird nicht so schnell nachziehen, aber eine Rezession ist auch eine Chance. Die Unternehmen rationalisieren und werden dadurch wieder profitabel, was Ausgangspunkt für neues Wachstum darstellt.
sinnsucher, 13.08.2009
3. Huch! Kurz vor den Wahlen häufen sich die guten Nachrichten...
...ein Schelm, wer böses dabei denkt... wenn ich mir auch bei sonst nicht vielem mehr sicher bin, eins weiß ich genau: ich möchte nicht, dass alles einfach weiter geht wie VOR der Krise.
tmayer, 13.08.2009
4. Der Spiegel
hat sich hier wohl ein gewaltiges Eigentor geschossen mit seiner ständigen Schwarzmalerei. Düstere Aussichten und ewige Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise von vor 80 Jahren. Jetzt muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man mit dieser Negativpolemik nicht gewaltig übertrieben hat und ob der Spiegel nicht an Glaubwürdigkeit verloren hat.
I'm a Substitute 13.08.2009
5.
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Meinen Sie diese Frage wirklich ernst? Als Mitarbeiter des Online-Portals eines großen Nachrichtenmagazins, das doch nun wirklich jahrzehntelang deutsche Politik und Wirtschaftsgeschichte begleitet und (zeitweilig sogar kritisch!) unter die Lupe genommen hat, ist Ihnen doch klar, daß ein "numerisches Wachstum" von vielleicht 2% (Containerumschlag im Hamburger Hafen) KEINEN Effekt auf den Arbeitsmarkt besitzt.
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