Arbeitsmarktstudie 435.000 Menschen haben keine Chance auf einen Job

Mit den Kürzungen der Arbeitsförderung sind die Jobchancen von Langzeitarbeitslosen deutlich gesunken. Einer Studie zufolge sind in Deutschland 435.000 Menschen dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Bei ihnen leben mehr als 300.000 Kinder.
Pfandsammlerin in Weimar: 435.000 Menschen sind ohne Chance auf einen Job

Pfandsammlerin in Weimar: 435.000 Menschen sind ohne Chance auf einen Job

Foto: DPA

Nürnberg - Nach den Kürzungen bei der Arbeitsförderung sind die Jobchancen von Langzeitarbeitslosen nach Einschätzung von Arbeitsmarktforschern in den vergangenen Jahren weiter gesunken. Derzeit sind bundesweit etwa 435.000 Menschen dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, heißt es in einer am Freitag in Nürnberg veröffentlichten Studie des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik (Ibus). Ohne einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt, der weit über Ein-Euro-Jobs hinausgehe, seien diese Menschen praktisch chancenlos, schreiben die Autoren der Studie.

Bei den Betroffenen leben zudem 300.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in Armut und Perspektivlosigkeit, sagte der Vorsitzende des Evangelischen Fachverbands für Arbeit und Soziales, Marc Henschke, der die Studie mit in Auftrag gegeben hat. Auch sie benötigten ein besonderes Unterstützungsangebot, um später den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen.

Das rheinland-pfälzische Institut beruft sich bei seiner Untersuchung auf Umfragedaten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von Hartz-IV-Empfängern. Um herauszufinden, wer von ihnen bei der Jobsuche vor besonders hohen Hürden steht, hatten sie eigene Kriterien erarbeitet.

Als besonders arbeitsmarktfern gelten nach Definition der Forscher jene 435.000 Menschen im Alter zwischen 26 und 60 Jahren, die in den vergangenen 36 Monaten mehr als 90 Prozent der Zeit nicht gearbeitet haben und zusätzlich vier oder mehr "Vermittlungshemmnisse" aufweisen. Dazu zählen die Forscher beispielsweise einen fehlenden Schul- und/oder Ausbildungsabschluss und schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen.

Diese individuellen Hemmnisse erschweren laut Studie den Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich, besonders wenn sie gehäuft auftreten. Bei der berechneten Zahl handele es sich also um den "harten Kern" der erwerbsfähigen Langzeitarbeitslosen, die keinen Zugang mehr zu einem normalen Arbeitsverhältnis bekommen würden.

Kritik äußern die Wissenschaftler an den "erheblichen Einsparungen" der Politik bei Hartz-IV-Empfängern. Es sei "unhaltbar, dass sich öffentlich geförderte Beschäftigung inzwischen nahezu ausschließlich auf die umgangssprachlichen 'Ein-Euro-Jobs' beschränke, die nur kurzfristige Beschäftigung der Betroffenen ermöglichen". Notwendig sei eine Förderung, die den Betroffenen einen Weg in sozialversicherungspflichtige und längerfristige Arbeitsverhältnisse ebne.

nck/dpa