EU-Vergleich Deutsche Arbeitsstunde kostet im Schnitt 31,70 Euro

Die Arbeitskosten in Deutschland steigen stärker als im EU-Durchschnitt. Im vergangenen Jahr zahlten deutsche Arbeitgeber im Schnitt 31,70 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Damit liegt die Bundesrepublik im europaweiten Vergleich auf Platz sieben.

Werftarbeiter in Warnemünde: Arbeitsstunde günstiger als in Frankreich
DPA

Werftarbeiter in Warnemünde: Arbeitsstunde günstiger als in Frankreich


Wiesbaden - Die Arbeitskosten in Deutschland liegen gut ein Drittel höher als im EU-Schnitt, aber niedriger als bei den meisten Nachbarn. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, zahlten deutsche Arbeitgeber 2013 im Durchschnitt 31,70 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Damit liegt die Bundesrepublik zusammen mit Finnland beim Vergleich der Arbeitskosten innerhalb der Europäischen Union auf Platz sieben.

Die höchsten Arbeitskosten hatte Schweden mit 43 Euro, die niedrigsten Bulgarien mit 3,70 Euro. Im Nachbarland Frankreich lagen die Arbeitskosten bei 35 Euro. Auch in den direkten Nachbarstaaten Belgien (41,20 Euro), Dänemark (39,80 Euro), Luxemburg (35,60 Euro) und den Niederlanden (32,50 Euro) sind die Kosten höher als in Deutschland. In Österreich (31,70 Euro), Polen (7,40 Euro) und Tschechien (10,40 Euro) fallen sie niedriger aus.

Beim verarbeitenden Gewerbe, das besonders stark im internationalen Wettbewerb steht, landete Deutschland im EU-Vergleich der Arbeitskosten auf Rang fünf. Hier kostete eine Arbeitsstunde im vergangenen Jahr im Schnitt 36,20 Euro. Damit sei eine Stunde Arbeit in der deutschen Industrie 48 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt, errechneten die Statistiker.

Interessant ist auch ein Vergleich der Wachstumsraten der vergangenen zehn Jahre. Hier vollzieht sich seit 2011 eine Trendwende bei der Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland. Stiegen die deutschen Kosten von 2004 bis 2010 langsamer als im EU-Schnitt, ziehen sie seit 2011 schneller an. Dies zeigt sich auch beim Vergleich mit Frankreich. Das Land ist wichtigster Handelspartner und zugleich großer Konkurrent - etwa in der Autoindustrie. 2004 bis 2010 kletterten die Arbeitskosten in Frankreich jährlich um 3,4 Prozent, in Deutschland um 1,4 Prozent. Von 2011 bis 2013 lag der Anstieg in Deutschland mit 2,7 Prozent dagegen über dem des Nachbarn (1,9 Prozent).

Deutsche Lohnnebenkosten unter EU-Durchschnitt

Arbeitskosten setzen sich aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten zusammen. 2013 zahlten die deutschen Arbeitgeber auf 100 Euro Bruttoverdienst zusätzlich 27 Euro Lohnnebenkosten. Damit lagen die Lohnnebenkosten unter dem EU-Durchschnitt von 31 Euro. Im EU-Vergleich lag Deutschland im Mittelfeld auf Platz 16. Die höchsten Lohnnebenkosten fallen demnach in Schweden mit 51 Euro und Frankreich mit 47 Euro an, in Malta die niedrigsten mit 10 Euro.

Zu den Lohnnebenkosten gehören vor allem die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, also vor allem die gesetzlichen Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen, Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung und Aufwendungen für die Lohn- und Gehaltsfortzahlungen im Krankheitsfall.

mmq/AFP/Reuters



insgesamt 51 Beiträge
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mr.feelgood 12.05.2014
1.
Das neue Konzept der Unternehmerlandschaft, die leiharbeit, beinhaltet auch keine lohnfortzahlung im Krankheitsfall mehr. AN werden sofort gekündigt, ebenso, wie sie auch vom Kunden an die Leihfirma zurückgeschickt werden, wenn zum Beispiel die "Auftragsspitze" abgearbeitet ist. Das senkt Lohnnebenkosten, reduziert allerdings die Lebensqualität der Facharbeiter, die fast ausschließlich noch durch leiharbeitsfirmen vermittelt werden. Die Lebensqualität, das Gefühl von Firmenzugehörigkeit, persönlicher Sicherheit und natürlich sozialer Absicherung ist dadurch erheblich gesunken.
nervmann 12.05.2014
2. Bitte kein Gejaule deswegen
Denn wer mehr verdient, kann auch mehr ausgeben, sprich Geld wieder in den Umlauf bringen, Konsum, Steuern, Sozialabgaben. Deshalb geht es uns hier so gut. Solange man die Kohle nicht heimlich irgendwo schwarz unterbringt. Aber das ist beim Arbeitnehmer ja nicht der Fall, gelle?
RalfHenrichs 12.05.2014
3. Und was sagt uns das? Nichts.
Denn für Arbeitgeber ist ja nicht nur wichtig, was eine Arbeitsstunde kostet sondern auch was in dieser Stunde produziert wird. Und da die Produktivität in Deutschland sehr hoch ist, könnte(!) sich Deutschland höhere Arbeitskosten leisten. Die vergleichsweise geringen Arbeitskosten verbunden mit hoher Produktivität führen dann zur Niederkonkurrierung der Mitbewerber. Eigentlich müssten die Arbeitskosten in Deutschland also höher liegen.
chris4you 12.05.2014
4. Um wirklich vergleichbar zu sein,
fehlt noch die Produktivität die pro Arbeitsstunde erzielt wird (oder umgangssprachlich ausgedrückt: Handarbeit ist immer teurer). Die Lohnnebenkosten für Arbeitgeber sind interessant, wie sieht das für den Arbeitnehmer in jedem Land aus... das wäre sehr interessant...
m.schrader 12.05.2014
5.
Das sind Kosten die den Unternehmen entstehen und in der Preiskalkulation zum Strompreis mit eingehen sollten. Hier muss der Verbraucher seinen Anteil tragen, nachdem Jahrzehntelang von günstigen Strompreisen profitiert wurde
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