SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

25. Oktober 2018, 23:37 Uhr

Wirtschaftskrise und Inflation

Argentiniens Präsident verkündet harte Sparmaßnahmen

Abschaffung von Ministerien, höhere Besteuerung von Exporten: Das argentinische Parlament hat sich für die Sparmaßnahmen von Präsident Macri entschieden. Auf den Straßen kam es zu heftigen Protesten.

Argentinien befindet sich in einer tiefen Wirtschaftskrise. Nun hat das argentinische Abgeordnetenhaus den harten Sparmaßnahmen der Regierung von Präsident Mauricio Macri zugestimmt. Die Regierung hatte dem Internationalen Währungsfonds die Sparpolitik im Gegenzug für einen IWF-Kredit in Höhe von 57 Milliarden Dollar (50,1 Milliarden Euro) zugesagt. Nach einer Marathondebatte und heftigen Protesten auf der Straße gegen den Sparplan stimmten 138 Abgeordnete dafür und 103 dagegen, acht enthielten sich.

Als nächstes muss der Senat über die Maßnahmen abstimmen. Mit seiner Zustimmung wird gerechnet. Vorgesehen sind neben der Abschaffung mehrerer Ministerien und einer höheren Besteuerung der Exporte tiefe Einschnitte im Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen, bei öffentlichen Arbeiten sowie im Wissenschafts- und Kulturbereich.

Am Freitag entscheidet der IWF in Washington über die Auszahlung der zweiten Tranche seines Kredits an Buenos Aires.

Inflation betrug im Juli fast 20 Prozent

Argentiniens Haushaltsdefizit betrug im vergangenen Jahr 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Regierung will es dieses Jahr auf 2,7 Prozent und bis Ende 2019 auf null senken. Der argentinische Peso büßte seit Jahresbeginn 50 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar ein.

Grund ist vor allem die beunruhigende Entwicklung der Inflation. Im Juli betrug sie fast 20 Prozent, bis zum Jahresende könnten es 40 Prozent sein. Gleichzeitig wird mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 2,6 Prozent gerechnet.

In den vergangenen Monaten nahmen Streiks und Demonstrationen zu. Mehr als 27 Prozent der Bevölkerung leben nach amtlichen Angaben unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosenrate liegt bei 9,6 Prozent.

bam/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung