Wirtschaftskrise und Inflation Argentiniens Präsident verkündet harte Sparmaßnahmen

Abschaffung von Ministerien, höhere Besteuerung von Exporten: Das argentinische Parlament hat sich für die Sparmaßnahmen von Präsident Macri entschieden. Auf den Straßen kam es zu heftigen Protesten.

Mauricio Macri
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Mauricio Macri


Argentinien befindet sich in einer tiefen Wirtschaftskrise. Nun hat das argentinische Abgeordnetenhaus den harten Sparmaßnahmen der Regierung von Präsident Mauricio Macri zugestimmt. Die Regierung hatte dem Internationalen Währungsfonds die Sparpolitik im Gegenzug für einen IWF-Kredit in Höhe von 57 Milliarden Dollar (50,1 Milliarden Euro) zugesagt. Nach einer Marathondebatte und heftigen Protesten auf der Straße gegen den Sparplan stimmten 138 Abgeordnete dafür und 103 dagegen, acht enthielten sich.

Als nächstes muss der Senat über die Maßnahmen abstimmen. Mit seiner Zustimmung wird gerechnet. Vorgesehen sind neben der Abschaffung mehrerer Ministerien und einer höheren Besteuerung der Exporte tiefe Einschnitte im Gesundheits-, Bildungs- und Verkehrswesen, bei öffentlichen Arbeiten sowie im Wissenschafts- und Kulturbereich.

Am Freitag entscheidet der IWF in Washington über die Auszahlung der zweiten Tranche seines Kredits an Buenos Aires.

Inflation betrug im Juli fast 20 Prozent

Argentiniens Haushaltsdefizit betrug im vergangenen Jahr 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Regierung will es dieses Jahr auf 2,7 Prozent und bis Ende 2019 auf null senken. Der argentinische Peso büßte seit Jahresbeginn 50 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar ein.

Grund ist vor allem die beunruhigende Entwicklung der Inflation. Im Juli betrug sie fast 20 Prozent, bis zum Jahresende könnten es 40 Prozent sein. Gleichzeitig wird mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 2,6 Prozent gerechnet.

In den vergangenen Monaten nahmen Streiks und Demonstrationen zu. Mehr als 27 Prozent der Bevölkerung leben nach amtlichen Angaben unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosenrate liegt bei 9,6 Prozent.

bam/AFP



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zeitgenosse99 26.10.2018
1. Don't cry for me Argentina!
Ich habe von 2009 bis April 2016 meinen Zweitwohnsitz in Buenos Aires gehabt und war vorher schon oft dort. Die Lebensqualität war allen westlichen Unkenrufen zum Trotz unter der Kirchnerregierung einiges besser, zumal die 2003 ein Land nach einem von den Rechtsbürgerlichen verschuldeten Staatsbankrott wieder aufpäppeln mussten (ähnlich wie Obama), dem Land mit zwei Schuldenschnitten wieder etwas Luft geschafft haben, von den Finanzmärkten als Paria wie ein Land ausserhalb des Systems behandelt haben. Und man konnte sich nicht einfach verschulden, denn Argentinien bekam damals kaum Kredite, es gab sicher auch Korruption, aber die gabs in Argentinien schon vorher und unter Macri mit seiner Vetternwirtschaft und Panamakonten immer noch. Macri hat im Dezember 2015 ein Land mit 55.5% Staatsverschuldung übernommen, sowohl Firmen (12.4%) als auch Verschuldung der privaten Haushalten (6.4%) und auch der rel. kleine Finanzsektor stellte keine grosse Risiken. Gut die Geierfonds, die sich mit dem Schuldenschnitt nicht zufrieden geben wollte und damals nach dem Staatsbankrott arg. Staatsanleihen für 5-10% des Nonimalwertes gekauft hatten, wollten sich nicht mit einer Performance von über 1000% in 12 Jahren zufrieden geben, sie wollten gegen 2000% und haben Argentinien bis aufs Blut geplagt. Macri wusste nichts besseres als klein beizugeben, 15 Mrd US$ zu 8% aufzunehmen um die Geier zu befriedigen, alle Agragexportstuern ausser Soja abzuschaffen oder bei Soja massiv zu reduzieren (diese Steuern gibt es schon seit 1864 - mal waren sie höher mal tiefer, aber keine Erfindung der Kirchners) und sogar noch einen 100-jährigen Bond zu fast 8% herausgegeben - an der Wall-Street hat man sich krumm gelacht ab soviel Blödheit! . Nun nach fast 3 Jahren Macri ist das Land bis Ende 2018 ca mit 110% verschuldet, hat wieder Frau Lagarde vom IWF im Rücken, (den IWF konnte man nach einigen Jahren nach dem Bankrott 2001 endlich loswerden), die Arbeitslosigkeit (akt fast 10%), die Armut, die Kriminalität, die Inflation entwickelten sich alle zu schlechteren, die Defizite inkl. Aussenhandelsdefizit stiegen. Jetzt wird bei Behinderten, Bildung, den Aermsten gekürzt, nachdem die arg. Oligarchie von 2016 bis Frühjahr 2018 dank einem massiv überbewerteten Peso in Paris und Miami die grossgekotzten Argentinier raushängen konnten (was sie von ihrem ital. Blut her gerne machen). Die ganzen abgeschafften Landwirtschaftssteuern für die Grossgrundbesitzer musste Macri übrigens jetzt auf Druck von Lagarde wieder einführen. Hätte man auch beibehalten können, den Grossgrundbesitzern geht es in der Regel nicht schlecht. Aber wie man so ein Land mit soviel Potential so schnell ins Elend treiben kann - unverständlich. Und man kann nicht alles auf die Kirchnerregierung abschieben, denn zumindest ging es einem Grossteil des Volkes so gut wie vermutlich noch selten in der Geschichte Argentinien. Unter schwierigen Umständen hat man damals das beste gemacht und es war möglich! Macri ist ein pseudoneoliberaler Totalversager & während in Brasilien das Land vermutlich am Sonntag nach ultrarechts kippt, könnte es in Argentinien 2019 bei den Wahlen wieder eine Gegenbewegung nach links geben!
Keinhofreiter 26.10.2018
2. endlich
hardcore
hagenvon 26.10.2018
3. welcher
"Starinvestor" zockt denn wieder gegen Argentinien?
newera2100 26.10.2018
4. Viel Potenzial...
.. aber leider von weitverbreiteter Korruption und Vetternwirtschaft gelähmt, die ironischerweise vom Niveau selbst jene der korruptesten anderen lateinamerikanischen Staaten übertreffen.
naeggha 26.10.2018
5. seit langer zeit mal wieder ein guter politiker
vorbildlich und nicht populär. da sollten sich andere politiker aus bestimmten ländern mal ne scheibe abschneiden.
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