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21. Oktober 2012, 11:32 Uhr

Streit mit US-Hedgefonds

Argentinien evakuiert Crew von Marineschiff

Nervenkrieg vor der Küste Ghanas: Seit knapp drei Wochen liegt dort ein argentinisches Segelschulschiff, festgesetzt von einem US-Hedgefonds. Der Investor will so Geld eintreiben, das Argentinien ihm schuldet. Nun sollen die Vereinten Nationen den Streit schlichten - die Crew musste von Bord gehen.

London/Buenos Aires - Seit dem 2. Oktober liegt die "Libertad" im Hafen von Tema in Ghana. Ein US-Hedgefonds hatte den imposanten argentinischen Dreimaster vor knapp drei Wochen beschlagnahmt, weil das südamerikanische Land dem Investor Geld schuldet.

Gut hundert Meter lang ist die "Libertad". Seit 50 Jahren befährt sie die Weltmeere, zuletzt als Segelschulschiff für die argentinische Marine. Der Finanzfonds NML Capital mit Sitz auf den karibischen Cayman-Inseln hatte vor einem Gericht in Ghana die Pfändung des Schiffs erreicht, um die Regierung in Buenos Aires zur Zahlung von ausstehenden Krediten und Zinsen zu zwingen. Der Fonds will das Schiff erst dann wieder aufs offene Meer lassen, wenn das südamerikanische Land ihm mindestens 20 Millionen Dollar zahlt.

Argentinien verurteilt die radikalen Mittel von NML. Die Menschenrechte würden laut Präsidentin Cristina Kirchner verletzt: Es habe zwischenzeitlich keine Elektrizität an Bord gegeben, weil kein neues Öl aufs Schiff gebracht werden durfte. So hätten Lebensmittel nicht gekühlt und Sicherheitsvorkehrungen nicht getroffen werden können.

Nun bringt Argentinien den Streit um das beschlagnahmte Segelschulschiff vor die Vereinten Nationen. Laut einem Bericht der "Financial Times" nannte Außenminister Héctor Timerman den Fall eine "rechtswidrige Beschlagnahme". Buenos Aires werde niemals mit "Aasgeier-Fonds" - so nennt die argentinische Regierung ihren Gläubiger - verhandeln. Wie Timerman am Samstag in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung mitteilte, gab Präsidentin Kirchner Anweisung, den Fall bei einer Tagung des Uno-Sicherheitsrats am Montag zu besprechen.

285 Millionen Euro Schulden

Außerdem ordnete Kirchner an, bis auf den Kapitän und eine Notbesatzung alle Seeleute von Bord zu bringen. Die 326 Besatzungsmitglieder sind zum größten Teil Argentinier, unter ihnen befinden sich aber auch Chilenen, Uruguayer und andere Lateinamerikaner sowie Südafrikaner.

NML Capital hatte während der Wirtschaftskrise im Jahr 2000 Staatsanleihen gekauft, bevor Buenos Aires im Zuge eines Schuldenschnitts einen Großteil seiner Kredite strich. Nach Darstellung des Fonds schuldet Argentinien ihm umgerechnet 285 Millionen Euro.

Im Zuge des Streits traten der Chef der argentinischen Kriegsmarine, Carlos Alberto Paz, und die Leiterin des militärischen Geheimdiensts, Lourdes Puente Olivera, zurück. Außerdem wurden zwei ranghohe Offiziere suspendiert, die den Halt des Segelschiffs in Tema angeordnet hatten.

Die "Libertad" hatte vergangenes Jahr nur lateinamerikanisch Häfen angesteuert. Presseberichten zufolge wollte die Marine so eine Pfändung des Schiffs vermeiden. In diesem Jahr lief der Dreimaster jedoch auch Häfen in Europa und Afrika an, bevor er in Ghana beschlagnahmt wurde.

jus/AFP/Reuters

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