Arme Kinder im Fernunterricht Leere Mägen statt Laptops

Kein Schulmittagessen mehr, aber ein Laptop muss her: Armen Familien droht durch den Fernunterricht die finanzielle Überforderung. Die staatliche Unterstützung ist umständlich und kommt zu spät.
Schultafel an einer Grundschule in Berlin (im Jahr 2018): Ausgefallene Mittagessen sind für arme Familien eine spürbare Belastung

Schultafel an einer Grundschule in Berlin (im Jahr 2018): Ausgefallene Mittagessen sind für arme Familien eine spürbare Belastung

 

Foto: Inga Kjer/photothek.net/BMZ/ imago images/photothek

Schritt für Schritt öffnen sie wieder, doch von Normalität sind Schulen und Kitas noch weit entfernt. Aller Wahrscheinlichkeit nach bis weit ins kommende Jahr hinein wird Unterricht nur wenige Tage oder Stunden in der Schule selbst stattfinden. Zum großen Teil werden Schüler weiter zu Hause lernen, mit all den Onlinetools und Videokonferenzen, die dafür nötig sind.

Das ist eine Belastung für alle Familien, selbst für jene, denen es nicht an Geld und Platz mangelt. Auch Familien, in denen die Kinder sich ins eigene Zimmer zurückziehen können, einen eigenen Rechner besitzen (oder jetzt bekommen) und wo der Lieferdienst das Essen bringt, wenn zum Kochen neben Homeschooling und -office keine Zeit mehr bleibt, werden an ihre Grenzen kommen.

Nicht nur an ihre Grenzen, sondern weit darüber hinaus drohen allerdings Familien in Hartz IV oder im Niedriglohnsektor zu geraten, in denen schon zu normalen Zeiten alles knapp ist. Finanziell sprengen höhere Kosten und niedrigere Einnahmen das mühsam austarierte Budget und führen kurzfristig zu echter materieller Not. Langfristig geraten die Kinder aus diesen Familien bei der Bildung noch weiter ins Hintertreffen.

Immerhin, die Politik hat das Problem erkannt und Unterstützungsleistungen auf den Weg gebracht. Doch manche Programme scheinen ungeeignet, andere helfen wohl erst sehr spät.

Dabei ist nicht nur eine kleine Randgruppe betroffen: Rund jedes fünfte Kind lebt in einem Haushalt mit weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens und damit unter der Armutsrisikoschwelle. Bei den Alleinerziehenden sind es sogar mehr als zwei von fünf Kindern.

Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland haben Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, das Zuschüsse für Mittagessen, Busfahrkarten oder Vereinsbeiträgen vorsieht. Mit knapp zwei Millionen leben die meisten von ihnen von Grundsicherung - und damit immer noch fast genau so viele wie zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts, während die Zahl der Erwachsenen in Hartz IV seitdem deutlich gefallen ist.

In der Coronakrise könnte diese Zahl dramatisch steigen. Das Arbeitsministerium rechnet mit 1,2 Millionen zusätzlichen Haushalten, die in die Grundsicherung fallen - vor der Krise waren es rund 2,8 Millionen Haushalte.

Obwohl Hartz IV weiter in alter Höhe ausgezahlt wird, geraten viele Familien durch die Krise in materielle Existenznot. Denn die Haushaltsbudgets sind in Hartz-IV-Haushalten sehr knapp bemessen. Im Schnitt hat eine Alleinerziehende mit einem Kind 1356 Euro im Monat zur Verfügung, bereits inklusive Zuverdienste durch Erwerbsarbeit. Davon muss alles bezahlt werden: Miete, Heizung, Kleidung, Nahrung, Waschmaschine, Fahrkarten, Möbel und vieles mehr. Bei einer Familie mit beiden Eltern und zwei Kindern sind es im Schnitt 2198 Euro im Monat, wiederum inklusive Erwerbseinkommen.

Wer nur vorübergehend auf Grundsicherung angewiesen ist, kommt mit solchen Beträgen meist einige Monate einigermaßen aus. Auch weil größere Posten wie Möbel, Haushaltsgeräte, Computer, Auto und auch Kleidung bereits vorhanden sind und genutzt werden können. Je länger man jedoch in Hartz IV steckt, desto schwieriger werden größere Anschaffungen, auch wenn man sie gebraucht kauft. In der Realität reichen die dafür vorhergesehenen Kleinbeträge, die die Empfänger theoretisch ansparen sollen, selbst bei sparsamem Wirtschaften schlicht nicht aus.

Für die meisten armen Kinder in Deutschland ist Hartz IV aber Dauerzustand: Fast die Hälfte lebt bereits seit mindestens vier Jahren in der Grundsicherung, weitere knapp 40 Prozent seit ein bis vier Jahren.

In armen Familien könnten also bereits kleine Verschiebungen bei den Einnahmen und Ausgaben zum Problem werden:

  • Wegbrechende Zuverdienste: Das Klischee von armen Familien, in denen Kinder nie erleben, dass ihre Eltern zur Arbeit gehen, trifft zwar für einen kleinen Teil zu - mehrheitlich jedoch ist es schlicht falsch. Von den drei Millionen Kindern mit Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket leben dem Kinderschutzbund zufolge  mit 1,6 Millionen mehr als die Hälfte in Familien, in denen mindestens ein Elternteil berufstätig ist. Oft in Branchen, in denen niedrige Löhne gezahlt werden und die in den vergangenen Wochen in großem Maß in Kurzarbeit gingen, etwa Gastronomie und Einzelhandel. Sie müssen nun mit nur 67 Prozent des normalen Nettogehalts auskommen.
    Weit verbreitet gerade bei Alleinerziehenden sind Minijobs, bei denen nicht einmal Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht. Eine Alleinerziehende in Hartz IV darf von 450 Euro Lohn im Monat normalerweise 170 Euro behalten. Wenn der Job in der Krise nun entfällt oder wegen der Betreuung der Kinder nicht mehr ausgeübt werden kann, ist das für die Betroffenen kaum zu kompensieren.

  • Fehlende kostenlose Mittagessen: Zum Bildungs- und Teilhabepaket gehört das kostenlose Mittagessen in Schule oder Kita. Geht man davon aus, dass eine Kinderportion zwei bis 2,50 Euro kostet, bedeutete das für betroffene Familien in diesem April Mehrausgaben von 40 bis 50 Euro pro Kind. Auch wenn die Einrichtungen nun wieder schrittweise öffnen, werden arme Kinder bis weit ins kommende Jahr hinein nicht täglich in Schule und Kita zu Mittag essen.
    In den ersten Wochen der Krise kam hinzu, dass viele Tafeln nicht oder nur teilweise geöffnet hatten.
    Verschärft wird dieses Problem durch teurer gewordene Lebensmittel. Das gilt vor allem für Gesundes - Obst war im April elf Prozent, Gemüse 6,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Und nicht zuletzt müssen nun auch Mund-Nase-Masken für die ganze Familie angeschafft werden.

  • Teures digitales Lernen zu Hause: Dafür ist eine Ausstattung mit Laptop, stabilem Internet und Drucker nötig. Mit der jährlichen Pauschale aus dem Bildungs- und Teilhabepaket von 150 Euro lässt sich das nicht ansatzweise abdecken. In den meisten Fällen haben die Kinder bislang keinen eigenen Computer - laut dem Institut der deutschen Wirtschaft waren es im Jahr 2018 lediglich knapp 15 Prozent der 12-Jährigen in Hartz IV. Viele Mittelschichteltern haben ihren Kindern in den vergangenen Wochen schnell einen eigenen Computer gekauft - arme Familien konnten das nicht.  

Wie geht die Politik mit dieser verschärften Lage für arme Familien in der Coronakrise um?

Die Lieferdienst-Idee

In der vergangenen Woche brachte die Bundesregierung ein neues sogenanntes Sozialschutzpaket auf den Weg. Demnach darf Geld aus dem Bildungspaket, das bislang für das kostenlose Mittagessen vorgesehen war, künftig auch für eine Lieferung nach Hause ausgegeben werden. Bedingung: Das Essen muss von einem "vom jeweiligen kommunalen Träger bestimmten oder anerkannten Anbieter" kommen - in der Regel also von dem Caterer, der normalerweise für das Essen in der Schule oder Kita sorgt.

Mehr Geld als sonst soll dieser für das Essen aber nicht bekommen. Die Kommunen können die Bundesmittel aus dem Teilhabepaket künftig dafür nutzen, bedürftigen Kindern ein kostenloses Mittagessen nach Hause zu liefern, teilte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) mit.

Kann das funktionieren?

Rolf Hoppe ist einer, der diese Vorgaben umsetzen soll. Hoppe gehört das Berliner Catering-Unternehmen Luna, und er ist Vorsitzender des Verbands der Deutschen Schul- und Kita-Caterer. "Das Ganze ist eine schöne Idee, aber praktisch kaum durchführbar", sagt Hoppe. Wenn die Caterer bedürftigen Kindern das Mittagessen nach Hause bringen sollten, entstünden erhebliche Mehrkosten, "das hat die Politik nicht berücksichtigt".

Hoppe rechnet vor: 3,18 Euro brutto bekommt er pro Mittagessen vom Berliner Senat. Mit dieser Summe muss er auskommen, um Zutaten für eine gesunde Mahlzeit zu kaufen und sein Personal zu bezahlen, unter anderem in der Küche und bei der Essensausgabe. Rund 50 Cent kalkuliert er dafür ein. "3,18 Euro für ein gesundes Kinderessen sind ohnehin schon knapp bemessen", sagt Hoppe, "das rechnet sich nur, wenn ich sehr große Mengen koche und ausliefere." Doch diese Mengen werden in der Coronakrise deutlich kleiner: Rund 200.000 Essen haben Berliner Caterer früher täglich an Grundschulen geliefert, sagt Hoppe, wegen der Schulschließungen sei diese Zahl zwischenzeitlich auf 14.000 Essen in der Notbetreuung geschrumpft.

Essen auf Rädern

"Mancherorts wird erwartet, dass wir als Caterer den Kindern das Essen bis an die Haustür liefern", sagt Hoppe. "Aber wir haben gar nicht die Strukturen, um Bestellung und Abholung, geschweige denn die Belieferung, zu organisieren und unter Umständen auch noch die Kosten zu tragen."

Dazu herrschten in jedem Bundesland und jeder Gemeinde teilweise andere Regeln, sagt Hoppe. Ob die Schulen derzeit in ihrem stark eingeschränkten Betrieb überhaupt ein Mittagessen anbieten, ob sie die Bestellung auch für bedürftige Kinder organisieren, die noch zu Hause bleiben müssen - all das muss letztlich die Schulleitung oder Kommune regeln. Für die Kinder wird das kostenlose Mittagessen so vom Anrecht zur Lotterie.

Wer zum Beispiel in Potsdam wohnt, hat Glück. Noosha Aubel, Potsdams Beigeordnete für Bildung, hat ein Modell initiiert, um möglichst viele der rund 2500 berechtigten Kinder zu Hause zu beliefern. Die Stadt organisiert die Verteilung und arbeitet etwa mit Unternehmen für Personentransporte zusammen. "Wenn die Kinder nicht zum Essen kommen - kommen wir eben zu den Kindern", sagt Aubel. Sozialminister Heil kam bereits zum Besuch vorbei, um das Vorzeigeprojekt zu loben.

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Bernd Wüstneck/ DPA

Doch auf so viel Engagement können sich Familien mit knappem Einkommen nicht überall verlassen. "Mancherorts herrscht akute Personalnot, die Schulleitungen müssen Notbetreuung, Präsenz- und Fernunterricht organisieren und stoßen an Grenzen, zumal wenn sie dann noch Mittagessen organisieren sollen", sagt Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Das klappt nicht flächendeckend, und dann fehlt den Kindern die Mahlzeit." In vielen Familien reiche das Geld schlicht nicht, teilweise trotz Arbeit. "Einige Eltern haben mehrere Minijobs, die sind gar nicht zu Hause, um zu kochen."

Lieber Geld?

Oppositionspolitiker und Verbände fordern, statt einer komplizierten Essensverteilung, sollten arme Familien lieber mehr Geld aufs Konto bekommen. Die Grünen verlangen einen Krisen-Zuschlag in Höhe von 60 Euro pro Monat. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schlägt einen Zuschuss von 100 Euro vor. "Ideal wäre", sagt Gewerkschafterin Hoffmann, "wenn Kinder dort, wo sich das organisieren lässt, ein Essen bekämen, wahlweise könnten Eltern den finanziellen Gegenwert erhalten."

Auch der Deutsche Caritasverband schreibt in einer Stellungnahme , es wäre "konsequent, diesen Betrag an die Familien auszuzahlen. Alles andere bringt für alle Beteiligten einen unverhältnismäßig großen Aufwand mit sich". Der Verband fordert eine einmalige Zahlung Höhe von 150 Euro pro Kind.

Das hätte den Vorteil, dass Familien gemeinsam kochen und essen könnten. Beim Catering dagegen bekommt das jeweilige Kind Essen - bei mehreren womöglich von verschiedenen Caterern - und die Eltern kochen für sich allein. "Sachleistungen schränken die Gestaltungsfreiheit unnötig ein", heißt es in der Stellungnahme der Caritas. "Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass Eltern diese Mittel zweckwidrig verwenden. Studien belegen im Gegenteil, dass Eltern zuletzt bei ihren Kindern sparen."

Leih-Laptops statt Finanzspritze

Vor direkten Zahlungen an bedürftige Familien scheut die Politik allerdings auch bei einem anderen Problem der Coronakrise zurück - den hohen Kosten für das digitale Lernen: Auch hier hat die Bundesregierung reagiert und Soforthilfen in Höhe von 500 Millionen Euro auf den Weg gebracht. 150 Euro sollen bedürftige Schüler als Zuschuss für einen Laptop erhalten - aber nicht als Überweisung. Stattdessen sollen Schulen Geräte bekommen, die sie an Schüler verleihen.

"Die Geräte bleiben auch im Eigentum der Schule und können dadurch auch im Regelbetrieb von der Schule weiterhin genutzt werden", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Wer die Laptops oder Tablets für die Schulen beschafft, soll von Land zu Land unterschiedlich geregelt werden. Karliczek rechnet mit Kosten von 350 Euro pro Stück. Mehr als eine Million Geräte könnten mit dem Geld kurzfristig angeschafft werden.

Gewerkschafterin Hoffmann sagt, grundsätzlich begrüße sie diese Regelung, zumal die 150 Euro für eine private Anschaffung viel zu knapp bemessen gewesen seien und die Geräte nun in den Schulen direkt mit den nötigen Programmen bespielt werden könnten. "Das ist ein Anfang, aber das Geld reicht nicht aus", sagt Hoffmann, "zumal Kindern unter Umständen zu Hause ja nicht nur ein Laptop, sondern auch WLAN und ein Drucker fehlt."

Die Soforthilfen des Bundes sollen zudem über den "Königsteiner Schlüssel" verteilt werden, der sich nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl der Länder richtet. "Die Mittel müssten stattdessen aber über einen Sozialindex verteilt werden, weil es zum Beispiel in Berlin und Bremen besonders viele bedürftige Familien gibt", sagt Hoffmann. In den beiden Stadtstaaten lebt jeweils fast jedes dritte Kind in einer Hartz-IV-Familie, in Bayern hingegen nur eins von 17.

Es dauert noch lange bis zum eigenen Laptop

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisiert, es seien noch viele Fragen ungeklärt: "Wer sucht die Geräte aus, und wer beschafft sie? Wer sorgt für die Inbetriebnahme, aber auch für die Wartung der Leihgeräte? Wer erhält nach welchen Indikatoren Geräte? Wie sind die Geräte versichert?"

Junge beim Fernunterricht: Solch eine Lernumgebung wie in der Mittel- und Oberschicht - teurer Markenrechner, viel Platz - ist für Kinder aus armen Familien unerreichbar - auch mit dem Zuschuss aus dem Soforthilfepaket

Junge beim Fernunterricht: Solch eine Lernumgebung wie in der Mittel- und Oberschicht - teurer Markenrechner, viel Platz - ist für Kinder aus armen Familien unerreichbar - auch mit dem Zuschuss aus dem Soforthilfepaket

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Petra Schneider/ imago images

Die Bildungsminister des Bundes und der Länder haben keine Kriterien dafür festgelegt, welche Schüler Leih-Laptops bekommen sollen. Es muss auch keine Bedürftigkeit nachgewiesen werden. "Das ist Fluch und Segen zugleich", sagt der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Es bleibt unklar, wer denn auf welcher Grundlage von der Ausleihe eines Geräts ausgeschlossen werden würde. Diese Bürde darf nicht den Schulleitungen auferlegt werden."

Einige Bundesländer wie Hamburg haben die Vereinbarung mit dem Bund gar nicht abgewartet, sondern zumindest einem Teil der bedürftigen Schülerinnen und Schüler schon Leihgeräte von Schulen zur Verfügung gestellt.

Vielerorts könnte es jedoch noch dauern, bis Kinder und Jugendliche tatsächlich einen Laptop in den Händen halten. Anfang Juni solle die Vereinbarung zum Sofortprogramm unterzeichnet werden, sagt Karliczek, dann könnten die Gelder vom Bund schnell fließen. Erst dann können Kommunen oder Schulen aber die Verteilung der Mittel angehen. Auch das dürfte sich hinziehen. Dieses Sofortprogramm komme "viel zu spät, ganze neun Wochen nach den Schulschließungen", kritisiert der bildungspolitische Sprecher der FDP, Thomas Sattelberger.

Auch Gewerkschafterin Hoffmann sagt: "Bisher sind viele Kinder aus sozial benachteiligten Familien abgehängt worden, nun müssen sie noch länger darauf warten, zumindest die nötige Ausstattung zu bekommen."

Bildungsforscher mahnen seit Wochen, dass sich durch die pandemiebedingten Schulschließungen die ohnehin in Deutschland stark ausgeprägte Chancenungerechtigkeit weiter verschärft. Die Leistungsschere gehe immer weiter auf, weil einige Kinder zu Hause gut gefördert werden, während es anderen schon allein an der nötigen Ausstattung fehlt. An einem eigenen Zimmer, um sich konzentrieren zu können. Oder einem Mittagessen. So lernt es sich schlechter.

Die traurige Zwischenbilanz der Pandemie für viele arme Familien: Kurzfristig führt sie zu akuten Geldsorgen. Und langfristig sinken die Chancen weiter, dass die Kinder über schulischen Erfolg in Zukunft aus den Miesen herauskommen.