Studie Fast ein Viertel der über 80-Jährigen in Deutschland lebt in Armut

Hochbetagte sind in Deutschland überdurchschnittlich oft arm, wie eine Studie zeigt. Frauen sind davon besonders betroffen.
Ein älteres Pärchen geht in Berlin spazieren: Fast ein Viertel der Menschen über 80 ist von Armut betroffen (Symbolbild)

Ein älteres Pärchen geht in Berlin spazieren: Fast ein Viertel der Menschen über 80 ist von Armut betroffen (Symbolbild)

Foto:

Marius Schwarz / IMAGO

In Deutschland ist fast ein Viertel der über 80-Jährigen von Armut betroffen. Das geht aus der Studie »Hohes Alter in Deutschland« hervor, wie das Bundesseniorenministerium mitteilte.

Demnach verfügen 22,4 Prozent der Bevölkerung im Alter von 80 Jahren und älter über ein maximales Nettoeinkommen von 1167 Euro im Monat. In der Gesamtbevölkerung sind es lediglich 14,8 Prozent. Innerhalb der Gruppe der Hochbetagten mit den niedrigsten Einkommen sind den Daten zufolge Frauen stärker von Armut betroffen als Männer. Demnach leben 26,1 Prozent der hochaltrigen Frauen unter der Armutsgrenze, bei den Männern sind es 16,9 Prozent.

Nach Einschätzung der Caritas machte die Coronapandemie lange angelegte Armutsrisiken oft erst sichtbar. »Einmal arm, immer arm – das ist für immer mehr Menschen eine reale Bedrohung«, sagte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa.

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel will Lohnlücken zwischen Geschlechtern schließen, um Armut im Alter vorzubeugen

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel will Lohnlücken zwischen Geschlechtern schließen, um Armut im Alter vorzubeugen

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Political-Moments

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) sagte, die Zahlen zeigten, »wie deutlich sich schlechtere Bezahlung, aber auch längere Teilzeitarbeit und Unterbrechungen im Erwerbsleben in späteren Jahren auf das Leben von Frauen auswirken«. Es müsse alles getan werden, »um die noch immer bestehenden Lohnlücken zwischen den Geschlechtern zu schließen«.

Berechnungsgrundlage ist das sogenannte Netto-Äquivalenzeinkommen, das sich aus dem Gesamteinkommen eines Haushalts und der Anzahl und dem Alter der von diesem Einkommen lebenden Personen ergibt.

Armutsquote erreicht Rekordniveau

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband veröffentlichte am Donnerstag eine Studie zur Armut in Deutschland. Als Folge der Coronapandemie habe die Armutsquote im Jahr 2020 ein Rekordniveau erreicht, teilte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider mit. Nach dem »Paritätischen Armutsbericht«, der auf Zahlen des Statistischen Bundesamts beruht, lebten im vergangenen Jahr etwa 13,4 Millionen Menschen in Deutschland unter der Armutsgrenze – das entspricht einer Quote von 16,1 Prozent.

Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 stieg die Quote nur leicht von 15,9 auf 16,1 Prozent. »Das große Beben in der Armutsstatistik ist trotz Pandemie weitestgehend ausgeblieben«, sagte Schneider und machte dafür vor allem die staatlichen Coronahilfen verantwortlich . Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld hätten sich als »effektive Instrumente der Armutsbekämpfung« erwiesen. Zudem hätten vier Fünftel der Menschen im Jahr 2020 keine Einkommenseinbußen gehabt. »Einkommensverlierer« seien vor allem die Selbstständigen gewesen: Im Vergleich zu 2019 stieg ihre Armutsquote von 9 auf 13 Prozent.

»Wohlstandsgraben« durch Deutschland

Darüber hinaus diagnostizierte der Paritätische einen wachsenden »Wohlstandsgraben« zwischen Süddeutschland und dem Rest der Republik. Während in Bayern nur 11,6 Prozent in Armut lebten, liege die Quote in Bremen bei 28,4 Prozent. Mit auch nur annähernd gleichen Lebensbedingungen habe das nichts mehr zu tun, sagte Schneider: »Deutschland ist nicht nur sozial, sondern auch regional ein tief gespaltenes Land – und die Gräben werden tiefer.«

Als arm gelten für den Verband Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. Demgegenüber spricht das Statistische Bundesamt im Einklang mit dem EU-Standard ab dieser Schwelle lediglich von Armutsgefährdung.

hba/dpa