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25. Oktober 2013, 12:41 Uhr

Sozialer Abstieg

Jedem sechsten Deutschen droht Armut

In Deutschland stehen immer mehr Menschen vor dem sozialen Abstieg. Einer europaweiten Erhebung zufolge galten 2011 rund 13 Millionen Bundesbürger als arm oder armutsgefährdet. In Ländern wie Frankreich oder Tschechien ist die Lage besser.

Wiesbaden - Trotz der vergleichsweise starken Wirtschaftsentwicklung in Deutschland ist eine zunehmende Zahl von Menschen von Armut bedroht. Laut Statistischem Bundesamt galt dies im Jahr 2011 für 16,1 Prozent der Bevölkerung - rund jeder Sechste. Der Anteil steigt seit Jahren: 2005 galten nur 12,2 Prozent als armutsgefährdet, 2010 waren es 15,8 Prozent.

Die Daten sind Teil einer europäischen Erhebung, bei der allein in Deutschland mehr als 13.000 Haushalte erfasst wurden. Nach der offiziellen Definition gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens eines Landes verdient. Dieser Schwellenwert lag 2011 in Deutschland für eine allein lebende Person bei 980 Euro im Monat, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2058 Euro im Monat. Staatliche Sozialleistungen sind in den Einkommen enthalten, Steuern und Sozialabgaben sind abgezogen.

Die Definition ist umstritten, weil sie nur eine relative Armut misst. So gilt ein Single in Norwegen mit einem Nettoeinkommen von 1200 Euro im Monat als armutsgefährdet, in Bulgarien könnte er damit schon fast fürstlich leben.

Bessere Werte in Tschechien als in Deutschland

Noch liegen nicht die Daten für alle EU-Länder vor, doch schon jetzt lässt sich sagen: Mit 16,1 Prozent ist die Armutsgefährdungsquote in Deutschland höher als in vielen anderen Staaten. In Tschechien etwa gelten nur 9,6 Prozent der Menschen als armutsbedroht, in den Niederlanden sind es 10,1 Prozent. Auch in Frankreich lag die Quote mit 14,1 Prozent deutlich unter dem deutschen Wert.

Zudem zeichnet sich ab, dass die Quote in vielen Staaten gesunken ist oder stagnierte. Eine Ausnahme bildet neben Deutschland allerdings Griechenland. Dort schnellte der Anteil auf 23,1 Prozent - fast jeder Vierte war also armutsgefährdet.

In Deutschland hatten Frauen erneut ein höheres Armutsrisiko als Männer - und zwar in allen Altersgruppen. Ebenfalls besonders betroffen: Alleinerziehende und ihre Kinder. 38,8 Prozent der Menschen, die in Haushalten von Alleinerziehenden lebten, galten als gefährdet. Noch stärker betroffen waren Arbeitslose und ihre Familien: Bei ihnen lag der Anteil bei 69,3 Prozent.

stk/Reuters/dpa

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