Regionale Auswertung Wo die armen Deutschen leben

Die Einkommen in Ost- und Westdeutschland klaffen auseinander, die Lebenshaltungskosten aber auch. Wer ist also wirklich arm - gemessen an seinem Wohnort? Eine Studie gibt Antworten.

Bremerhaven: Hohes Armutsrisiko an der Nordseeküste
DPA

Bremerhaven: Hohes Armutsrisiko an der Nordseeküste

Von und (Grafik)


Im Westen wird gut verdient, im Osten sind die Gehälter mau. Das gilt, 30 Jahre nach dem Fall der Mauer, als Gewissheit - Ausnahmen bestätigen die Regel.

Aber stimmt das? Und was bedeutet es konkret für den Alltag der Menschen? Schließlich unterscheiden sich die frühere DDR und die Alt-BRD auch bei den Verbraucherpreisen, den Lebenshaltungskosten, den Mieten.

Wie wirkt sich das aus? Werden Gehaltsunterschiede dadurch ausgeglichen, wenigstens abgemildert? Oder, umgekehrt, verschärft?

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In einer neuen Studie, die dem SPIEGEL vorliegt, gibt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln Antworten. Die Kurzform: Die Kaufkraft des mittleren Einkommens liegt in beiden Teilen des Landes nicht so weit auseinander, wie mancher vielleicht denken könnte. Nämlich nur um 104 Euro pro Monat: Während die Kaufkraft im Osten 1538 Euro beträgt, sind es im Westen 1642 Euro. Dabei berücksichtigt der Begriff der Kaufkraft, wie viel man sich für den verdienten Euro tatsächlich leisten kann.

In der IW-Studie wird dieser Maßstab regional angelegt. (Und nicht, wie sonst häufig, national: ein Wert für die ganze Republik.) Schließlich geht es ja genau um die Unterschiede der Regionen. Tatsächlich sind die Differenzen demnach mit 121 Euro zwischen Stadt- und Landbewohnern größer als zwischen Ost- und Westbürgern.

In der Großstadt ist man mit mehr Geld arm

Das IW kommt zu diesen Zahlen, indem für relativ kleine Regionen das Preisniveau und das Lohnniveau ins Verhältnis gesetzt werden. An einem Beispiel erklären die IW-Forscher, warum das wichtig ist. "In München liegt das Preisniveau 23 Prozent über dem Bundesdurchschnitt", schreiben sie. Damit ergibt sich für Münchener ein höherer Schwellenwert, ab dem man sozialwissenschaftlich davon spricht, dass ein Arbeitnehmer von Armut gefährdet ist. Legt man den bundesweiten Maßstab an, sind Münchener mit einem Einkommen von weniger als 969 Euro pro Monat arm (relativ einkommensarm). Bezieht man auch das regionale Preisniveau mit ein, sind sie es bis zu einem Einkommen von 1201 Euro (relativ kaufkraftarm).

Zählt man nun, wie viele Menschen unter diese Schwelle fallen, weiß man, wie viele Menschen in ihrer Region arm sind, also - um im Beispiel von München zu bleiben - weniger als 1201 Euro verdienen.

Meist taucht in der politischen Diskussion die gängige Armutsquote auf: Sie gibt an, wie viele Menschen weniger als 60 Prozent des bundesweiten Medianwerts der Einkommen verdienen - sie gelten als arm. In München sind das zehn Prozent (die eben weniger als 969 Euro verdienen). Die Armutsquote nach Kaufkraft (mit dem Münchener Schwellenwert von 1201 Euro) liegt deutlich höher: 18,3 Prozent.

Die Karte zeigt, dass sich da teilweise eine andere Verteilung ergibt, als man gewohnt ist. München liegt da auf einem vergleichbaren Niveau wie mehrere Regionen in Mecklenburg-Vorpommern. Das heißt: Da liegt der Anteil von Menschen ähnlich hoch, die sich an ihrem Wohnort oft nicht mal das Nötigste leisten können.

Kaufkraft und Armut in deutschen Regionen

Tippen Sie auf die Karte für Details.

Hinweis: Wenn Sie auf die Karte tippen, erfahren Sie unter anderem, welcher Statistikregion ("Anpassungsschicht") der jeweilige Kreis oder die jeweilige Stadt zugeordnet ist. Hamburg und Berlin sind jeweils in mehrere solcher Regionen unterteilt, werden aber auf der Karte zusammengefasst angezeigt. Davon abweichend liegt die höchste Armutsquote nach Kaufkraft in den Bezirken Berlin Neukölln (32,1 %), Hamburg Mitte (30,7 %), Berlin Mitte (Tiergarten, Wedding)/Friedrichshain-Kreuzberg/Charlottenburg-Wilmersdorf/Spandau (29,7 %) sowie Berlin Spandau (27,4 %). Die niedrigste Kaufkraft liegt in Berlin Neukölln (1187 Euro), ebenso die höchste gängige Armutsquote (30,6 %).

Vielleicht für manchen überraschend: Die Regionen mit der höchsten Armutsquote nach Kaufkraft liegen allesamt im Westen:

Weniger überraschend: Keine der Regionen mit besonders niedriger Armutsquote liegt im Osten.

In der folgenden Tabelle können Sie die Werte für Ihre Region herausfinden - und zwar gleich mehrere Armutsindikatoren. Geben Sie einfach in das Suchfeld den Namen Ihres Landkreises oder Ihrer kreisfreien Stadt ein, dann sehen Sie, zu welcher Region sie in der Studie gerechnet wurde und können die Armutsquote nach Kaufkraft ablesen, die herkömmliche Armutsquote nach Einkommen, die Kaufkraft sowie das Preisniveau. Das Preisniveau der gesamten Bundesrepublik wird hier auf 100 gesetzt, 123 heißt also, dass ein regionales Preisniveau 23 Prozent darüber liegt, 94 bedeutet, dass es sechs Prozent niedriger ist.

Kaufkraft und Armut in deutschen Regionen

Region Armutsquote nach Kaufkraft Kaufkraft Gängige Armutsquote Preise
LK Pinneberg, LK Segeberg 12,9 1658 11 104,2
LK Stormarn, LK Herzogtum Lauenburg, KS Lübeck 13,2 1707 12 102,9
KS Kiel, Kreis Ostholstein, Kreis Plön 19,1 1642 18,8 100,1
LK Neumünster, Kreis Steinburg, LK Rendsburg-Eckernförde 15,9 1643 17,1 96,8
KS Flensburg, Kreis Schleswig-Flensburg, Kreis Nordfriesland, Kreis Dithmarschen 15,8 1599 17,5 96,2
Hamburg Mitte 30,7 1307 23,2 109
Hamburg Altona 22,3 1579 19,4 109
Hamburg Eimsbüttel 13,4 1817 9,7 109
Hamburg-Nord 14,7 1842 11 109
Hamburg Wandsbek 16,9 1582 12,5 109
Hamburg Bergedorf, Harburg 20 1510 15,3 109
LK Wolfsburg, LK Gifhorn, LK Helmstedt, LK Wolfenbüttel, KS Braunschweig, KS Salzgitter, LK Peine 13,5 1730 14,4 96,6
LK Goslar, LK Göttingen, LK Northeim 21,1 1567 22,9 95,2
Region Hannover 22,7 1568 22 100,7
Region Hannover 16 1676 15,4 100,7
LK Hameln-Pyrmont, LK Holzminden, LK Hildesheim 14,9 1631 17,2 94,5
LK Diepholz, LK Nienburg (Weser), LK Schaumburg 15,4 1676 17,7 94,5
LK Cuxhaven, LK Stade, LK Harburg, LK Osterholz, LK Rotenburg (Wümme) 12,1 1750 12,6 98,2
LK Lüneburg, LK Lüchow-Dannenberg, LK Uelzen, LK Celle, LK Heidekreis, LK Verden 14,2 1638 15,5 96,2
LK Emden, LK Leer, LK Aurich, KS Wilhelmshaven, LK Friesland, LK Wittmund, LK Wesermarsch 15,5 1605 18,9 92,8
LK Ammerland, LK Cloppenburg, KS Delmenhorst, KS Oldenburg, LK Oldenburg 13 1649 15,3 95
LK Osnabrück, LK Osnabrück, LK Vechta, LK Emsland, LK Grafschaft Bentheim 13,8 1635 16,4 93,7
KS Bremen 22 1524 20,9 101,6
KS Bremerhaven 27,3 1294 30,5 94,6
LK Kleve, KS Krefeld 16,8 1589 16,8 99,5
LK Wesel 13,3 1655 13,6 98,9
KS Duisburg 22,2 1428 22,8 98,3
KS Mülheim An Der Ruhr, KS Oberhausen 22,5 1506 22,7 98,9
KS Essen 22,2 1549 21,2 101,2
LK Viersen, KS Mönchengladbach 16,2 1628 15,8 100
LK Rhein-Kreis Neuss 15,3 1660 12,7 104,9
KS Düsseldorf 22,1 1610 16,6 110,5
LK Mettmann 15,9 1623 13,3 105,3
KS Wuppertal 23,9 1475 23,6 100
KS Remscheid, KS Solingen 18,2 1499 17,7 100,4
LK Aachen, LK Aachen 21,1 1536 20,4 100,6
LK Düren, LK Heinsberg 13,3 1634 14,3 97,2
LK Rhein-Erft-Kreis, LK Euskirchen 16,1 1640 15,1 101,9
KS Köln 25,9 1483 20 110,6
LK Leverkusen, LK Rheinisch-Bergischer-Kreis, LK Oberbergischer Kreis 16 1668 14,9 101,8
KS Bonn 24,9 1551 20,4 107,9
LK Rhein-Sieg-Kreis 13,4 1743 12,3 102
LK Borken, LK Steinfurt 12,7 1656 14,2 95,8
LK Coesfeld, LK Warendorf, KS Münster 16,1 1646 16 99,4
LK Bottrop, LK Recklinghausen 18,9 1499 19,1 99
KS Gelsenkirchen 25,6 1341 27,3 96,7
KS Bielefeld 20,9 1510 20,8 99,6
LK Gütersloh, LK Herford 11,8 1635 12,7 96,9
LK Minden-Lübbecke, LK Lippe 16,1 1603 17,7 95,9
LK Höxter, LK Paderborn 14,1 1628 16,3 95,1
KS Herne, KS Bochum 23,5 1458 23,4 99,5
KS Dortmund 23,8 1466 24,2 98,5
LK Hamm, LK Unna 18,7 1509 19,9 97,3
LK Soest, LK Hochsauerlandkreis 13,7 1678 16 94,8
LK Ennepe-Ruhr-Kreis, KS Hagen 21,1 1526 21,6 98,4
LK Märkischer Kreis 19,6 1541 20,3 97,9
LK Siegen-Wittgenstein, LK Olpe 13,5 1623 14,2 97,6
LK Hochtaunuskreis, LK Main-Taunus-Kreis, LK Rheingau-Taunus-Kreis 13,3 1820 10,3 109,3
LK Wetteraukreis, LK Main-Kinzig-Kreis 16,1 1630 14,8 102
KS Frankfurt Am Main 24,8 1493 16,6 115,7
LK Darmstadt-Dieburg, LK Bergstraße, LK Odenwaldkreis 15,3 1609 13,9 102,3
KS Offenbach Am Main, KS Darmstadt, KS Wiesbaden 24,5 1464 19 108,7
LK Groß-Gerau, LK Offenbach 15,7 1620 12,7 106,5
LK Gießen, LK Marburg-Biedenkopf 18,4 1638 19,1 97,9
LK Lahn-Dill-Kreis, LK Limburg-Weilburg, LK Vogelsbergkreis 11,9 1688 14,2 94,7
LK Kassel, LK Kassel, LK Waldeck-Frankenberg 13,2 1699 15,9 93,1
LK Fulda, LK Hersfeld-Rotenburg, LK Schwalm-Eder-Kreis, LK Werra-Meißner-Kreis 13,9 1619 15,6 95,7
LK Altenkirchen (Westerwald), LK Neuwied, LK Westerwaldkreis, LK Rhein-Lahn-Kreis, LK Mayen-Koblenz, KS LKblenz, LK Ahrweiler, LK Cochem-Zell, LK Rhein-Hunsrück-Kr 13 1716 14,5 95,7
LK Bitburg-Prüm, LK Vulkaneifel, LK Bernkastel-Wittlich, LK Trier-Saarburg, KS Trier 14,3 1746 14,9 97,8
LK Bad Kreuznach, LK Birkenfeld, LK Mainz-Bingen, KS Mainz, KS Worms, LK Alzey-Worms 16,7 1706 15,9 101,4
LK Rhein-Pfalz-Kreis, KS Ludwigshafen Am Rhein, LK Bad Dürkheim, KS Frankenthal, KS Speyer, SK Neustadt, KS LKndau In Der Pfalz, LK Südliche Weinstraße, LK Germersheim 15,6 1636 15,5 99,7
LK Donnersbergkreis, LK Kaiserslautern, KS Kaiserslautern, KS Zweibrücken, LK Kusel, KS Pirmasens, LK Südwestpfalz 16,2 1672 17,7 95,5
SK Stuttgart 19,1 1615 13,8 112,1
LK Böblingen, LK Esslingen, LK Göppingen, LK Ludwigsburg, LK Rems-Murr-Kreis 12,1 1738 9,6 106,3
LK Heilbronn, LK Heilbronn, LK Hohenlohekreis, LK Schwäbisch Hall, LK Main-Tauber-Kreis 12,5 1736 12,6 99,1
LK Heidenheim, LK Ostalbkreis 11,4 1747 11,6 98,9
LK Karlsruhe, LK Karlsruhe, SK Baden-Baden, LK Rastatt 14,2 1724 12,9 102,7
LK Heidelberg, SK Mannheim, LK Rhein-Neckar-Kreis, LK Neckar-Odenwald-Kreis 15,3 1694 13,6 103,6
LK Pforzheim, LK Enzkreis, LK Calw, LK Freudenstadt 12,1 1699 11,8 100,1
LK Freiburg Im Breisgau, LK Breisgau-Hochschwarzwald, LK Emmendingen, LK Ortenau 13,4 1649 12,4 102,3
LK Rottweil, LK Schwarzwald-Baar-Kreis, LK Tuttlingen 12,8 1684 13,1 98,6
LK Konstanz, LK Lörrach, LK Waldshut 13,4 1763 12 103,5
LK Reutlingen, LK Tübingen, LK Zollernalbkreis 13,9 1639 12,4 103,6
LK Ulm, LK Alb-Donau-Kreis, LK Biberach 12,1 1741 11,5 100,9
LK Bodenseekreis, LK Sigmaringen, LK Ravensburg 11,2 1745 10,5 101,4
LK Ingolstadt, LK Eichstätt, LK Neuburg-Schrobenhausen, LK Pfaffenhofen An Der Ilm 9,6 1809 9,4 100,2
LK Dachau, LK Fürstenfeldbruck, LK Landsberg Am Lech, LK München, LK Starnberg, LK Ebersberg, LK Erding, LK Freising 10,8 1810 7,4 112,6
KS München 18,3 1622 10 123,2
LK Bad Tölz-Wolfratshausen, LK Garmisch-Partenkirchen, LK Miesbach, LK Weilheim-Schongau 13,4 1630 10,5 107,1
LK Rosenheim, LK Rosenheim, LK Mühldorf Am Inn, LK Altötting, LK Berchtesgadener Land, LK Traunstein 10,9 1727 10,8 99,8
LK Landshut, LK Landshut, LK Kelheim, LK Rottal-Inn, LK Dingolfing-Landau 11,4 1735 12,5 96,7
LK Straubing, LK Straubing-Bogen, LK Deggendorf, LK Regen, KS Passau, LK Passau, LK Freyung-Grafenau 14,2 1691 16,4 93,9
LK Weiden In Der Oberpfalz, LK Neustadt An Der Waldnaab, LK Tirschenreuth, KS Amberg, LK Amberg-Sulzbach, LK Schwandorf 10,4 1741 13,1 92,9
LK Cham, LK Neumarkt In Der Oberpfalz, KS Regensburg, LK Regensburg 13,8 1712 13,5 100,4
LK Coburg, LK Coburg, LK Kronach, LK Lichtenfels, KS Bamberg, LK Bamberg, LK Forchheim 12 1701 13,4 95,8
LK Hof, LK Hof, LK Kulmbach, KS Bayreuth, LK Bayreuth, LK Wunsiedel Im Fichtelgebirge 13,9 1639 16 94
LK Ansbach, LK Ansbach, LK Neustadt An Der Aisch-Bad Windsheim, LK Weißenburg-Gunzenhausen 9,3 1806 11,1 94,6
LK Erlangen-Höchstadt, LK Fürth, LK Nürnberger Land, LK Roth 8,5 1867 8,6 99,2
KS Erlangen, KS Fürth, KS Schwabach 17,2 1678 16 102,9
KS Nürnberg 25,6 1462 23,3 103,3
LK Aschaffenburg, LK Aschaffenburg, LK Miltenberg 11,9 1697 12,2 98,7
LK Main-Spessart, KS Würzburg, LK Würzburg, LK Kitzingen 13 1744 13,6 97,6
LK Schweinfurt, LK Schweinfurt, LK Bad Kissingen, LK Rhön-Grabfeld, LK Haßberge 10,5 1706 12,7 94,2
LK Dillingen An Der Donau, LK Donau-Ries, LK Aichach-Friedberg, LK Augsburg 9,4 1735 9,9 98,3
KS Augsburg 16,7 1589 15,6 102,2
LK Memmingen, LK Unterallgäu, LK Günzburg, LK Neu-Ulm 12,8 1653 13,5 97,8
LK Kaufbeuren, LK Ostallgäu, KS Kempten (Allgäu), LK Oberallgäu, LK Lindau (Bodensee) 12,8 1617 13 99
LK Merzig-Wadern, LK Saarlouis, Rv Saarbrücken, LK Sankt Wendel, LK Neunkirchen, LK Saarpfalz-Kreis 15,6 1664 17,1 95,9
Berlin Bezirk Mitte (Tiergarten, Wedding), Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, Bezirk Spandau 29,7 1298 28,4 101,1
Berlin Friedrichshain-Kreuzberg 24,2 1472 23 101,1
Berlin Pankow 8,6 1750 8 101,1
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf 19 1674 18 101,1
Berlin Spandau 27,4 1380 26,3 101,1
Berlin Steglitz-Zehlendorf 12,8 1865 12,1 101,1
Berlin Tempelhof-Schöneberg 21 1533 19,9 101,1
Berlin Neukölln 32,1 1187 30,6 101,1
Berlin Treptow-Köpenick 13,2 1616 12,5 101,1
Berlin Marzahn-Hellersdorf 20,9 1443 19,8 101,1
Berlin Lichtenberg 18,4 1473 17,3 101,1
Berlin Reinickendorf 18,5 1544 17,7 101,1
LK Prignitz, LK Ostprignitz-Ruppin, LK Oberhavel 13,4 1576 16,5 93,8
LK Barnim, LK Uckermark 13,6 1626 16 94,1
LK Märkisch-Oderland, LK Oder-Spree, KS Frankfurt An Der Oder 12,8 1666 15,3 93,4
LK Havelland, KS Brandenburg An Der Havel, KS Potsdam, LK Potsdam-Mittelmark, LK Teltow-Fläming 12 1705 13,3 96,1
LK Dahme-Spreewald, KS Cottbus, LK Spree-Neiße, LK Oberspreewald-Lausitz, LK Elbe-Elster 14,8 1561 18,2 93,1
LK Schwerin, LK Nordwestmecklenburg, LK Ludwigslust-Parchim 14,6 1561 16,5 95,3
LK Rostock, LK Rostock 20,6 1416 20,7 99
LK Mecklenburgische Seenplatte 19 1423 22,8 94
LK Vorpommern-Rügen, LK Vorpommern-Greifswald 21,3 1414 22,9 96,7
LK Chemnitz, LK Mittelsachsen 14,2 1528 17,6 93,1
LK Vogtlandkreis, LK Erzgebirgskreis, LK Zwickau 12,6 1552 16,3 92,1
KS Dresden 17,1 1588 17,7 97,8
LK Bautzen, LK Görlitz 14,2 1538 18 92,3
LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, LK Meißen 12,6 1528 14,8 94,8
KS Leipzig 20,7 1502 22,4 95,5
LK Leipzig, LK Nordsachsen 14,5 1555 17,4 93,4
LK Dessau-Roßlau, LK Anhalt-Bitterfeld, LK Wittenberg 18,7 1496 21,9 93,1
LK Halle (Saale), LK Burgenlandkreis, LK Saalekreis 19,3 1470 22,6 94,2
LK Altmarkkreis Salzwedel, LK Stendal 21,8 1464 26,7 91,5
LK Magdeburg, LK Börde, LK Jerichower Land, LK Salzlandkreis 16,4 1547 19,8 92,9
LK Harz, LK Mansfeld-Südharz 15,1 1508 18,6 92,5
LK Eichsfeld, LK Nordhausen, LK Unstrut-Hainich-Kreis, LK Kyffhäuserkreis 14,7 1533 19,3 91,8
LK Erfurt, KS Weimar, LK Gotha, LK Sömmerda, LK Ilm-Kreis, LK Weimarer Land 14,8 1559 17,2 94,6
LK Gera, KS Jena, LK Saalfeld-Rudolstadt, LK Saale-Holzland-Kreis, LK Saale-Orla-Kreis, LK Greiz, LK Altenburger Land 15,8 1507 17,9 94,7
LK Suhl, KS Eisenach, LK Wartburgkreis, LK Schmalkalden-Meiningen, LK Hildburghausen, LK Sonneberg 11,4 1580 14,5 93,1

Quelle: Forschungsdatenzentrum (Mikrodaten Mikrozensus 2016), BBSR, Institut der deutschen Wirtschaft
Preise: D = 100; KS = kreisfreie Stadt, SK = Stadtkreis, LK = Landkreis

Der Zuschnitt der Regionen folgt hier den sogenannten Anpassungsschichten. Dieses Konzept hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) etabliert, um Unterschiede in Preisniveaus statistisch sinnvoll zu ermitteln. Die Anpassungsschichten variieren in der Einwohnerzahl zwischen 100.000 und 500.000; bei großen Städten kann es sich um einzelne Bezirke handeln, während in ländlichen Regionen mehrere Kreise zusammen betrachtet werden.

Wie aussagekräftig sind diese Daten - immerhin eine Studie, die das arbeitgebernahe IW im Auftrag der industriefreundlichen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt hat? Der Zuschnitt der Regionen, so kompliziert er auch erscheinen mag, gilt als statistisch durchaus sinnvolles Konzept. Problematisch könnte sich eher auswirken, welche Güter bei der Berechnung der Preisniveaus herangezogen wurden: Für einen Preisvergleich, der für einkommensschwache Haushalte relevant ist, müssten vor allem Güter herangezogen werden, die zum Mindestlebensstandard gehören. Hier wurde allerdings mit bundesweiten Durchschnittspreisen gearbeitet. Das könnte den Armutseffekt in den Daten hier und da verringern.

Andererseits: Einen großen Anteil der Ausgaben bilden Wohnungskosten, da vor allem die Miete. Und die könnten in den mehr als zwei Jahren, die seit der Erhebung der Daten verstrichen sind, eher verschärfend gewirkt haben.

Die Studienautoren selbst gehen allerdings davon aus, dass sich West und Ost seither weiter angenähert haben könnten. Schließlich seien die Löhne weiter gestiegen, viel stärker als die Preise.



insgesamt 133 Beiträge
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pebcak 21.08.2019
1. Vermögensbildung?
Man sollte das meiner Meinung nach noch dazu die Vermögensbildung betrachten. Man muss leider davon ausgehen, dass 89 die wenigsten im Osten vermögend und zB mit Wohneigentum gesegnet waren. Deswegen gab es auch so wenig Gründungen, das Grundkapital hat einfach gefehlt. Wenn ich meine "West"-Bekannten sehe, haben die fast alle eigenes Haus & Grundstück, bei meinen Ostbekannten ist das eher die Ausnahme.
Wigritz 21.08.2019
2. Arme Deutsche.
Das gab es früher nicht (60-/70-er Jahre). Ein deutliches Zeichen, dass seit 50 Jahren in Deutschland nur unfähige Politiker an die Macht gekommen sind, die Armut erzeugten. Armut für die meisten und Reichtum für einige "Freunde". Viele Renten von ehemaligen deutschen Wertschaffenden sind geringer als die Bafög-Leistungen und die Sozialhilfen für alle Hergelaufenen. Das Wohlstandsland Deutschland war nur die Augenwischerei von einer Kaste: Politik und Medien.
spaceagency 21.08.2019
3. 1650 Median
ich denke das sagt alles zur deutschen Armut. 150 Euro mehr als die belachten Italiener aber die wohnen zu 76% in eigenen Wänden, sind tiefer privatverschuldet und haben höheres Vermögen und das trotz Stagnation. Im boomenden Deutschland schafft es das System nicht anständige Einkommen, die der Wirtschaftsentwicklung entsprechen, zu zahlen. Vielleicht wäre es mal angebracht nicht süffisant fingerzeigend andere Staaten zu belachen und mal zu hause etwas Ordnung zu schaffen
mariakar 21.08.2019
4. Im Grunde bestätigt die Studie das,
was viele Leute im Westen spüren. Nämlich, dass sie tatsächlich im Alltag mit ihrem Einkommen zu kämpfen haben, weil die Preisebz. Lebenshaltungskosten so hoch sind. Das bestätigt auch, dass im Osten wohl doch nicht alles so schlecht ist, wie oft behauptet wird. Das fängt bei der Infrastruktur an und hört bei Mieten und Kosten für Eigentumswohnungen auf. Wo im Westen bekommt man eine renovierte 3 Zimmer-Wohnung für 65 000 EUR0 oder weniger? Und die aufgezählten Städte sind alles Städte, die massiv unter dem Strukturwandel gelitten haben und noch heute weiter leiden. Jeder, der nur den Mindestlohn verdient ist arm dran und es ist dabei egal ob es im Osten oder Westen der Republik ist. Durch die Politik Gerhard Schröders wurde massiv der Niedriglohnsektor befördert mit den heutzutage schlimmen Ergebnissen, dass eigentlich Personen die eine Ausbildung und Wissen der Mittelschicht haben, nicht mehr über die Runden kommen. Armut während des Berufslebens bedeutet Armut im Alter. Da kommt auf die Gesellschaft eine riesige Lawine zu. Die Auswirkungen sind noch gar nicht bis zum Ende hin abzusehen.
goya45 21.08.2019
5. Danke
Vielen Dank dafür, dass diese extrem leidige Armutsdiskussion jetzt endlich mal fundiert auf das wesentliche heruntergebrochen wurde: auf die Kaufkraft. Denn das ist das einzige, was zählt. Ob irgendjemand 1000 Euro in der Tasche hat, oder 1200 Euro, sagt nämlich rein gar nichts aus, sondern schürt lediglich Neiddebatten, weil der mit 1000 natürlich auch 1200 haben will. Entscheidend ist aber ausschließlich, was ich für das Geld bekomme. Und siehe da, plötzlich ist sogar der vermeintlich ach so arme Osten gar nicht mehr so abgehängt wie er sich selbst sieht. Die wirklich armen Menschen in Deutschland leben im äußersten Westen der Republik! Na so was.
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