Geringqualifizierte Armutsgefährdung in Deutschland steigt

Geringqualifizierten droht in Deutschland heute häufiger ein Leben in Armut als noch vor zehn Jahren. Mehr als 30 Prozent derjenigen ohne Berufsausbildung und mit höchstens einem Realschulabschluss sind demnach armutsgefährdet.
Bedürftige warten auf die Ausgabe von Lebensmitteln: Armutsgefahr steigt

Bedürftige warten auf die Ausgabe von Lebensmitteln: Armutsgefahr steigt

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Je schlechter die Bildung, desto größer die Gefahr für Armut: 2014 waren 30,8 Prozent der gering qualifizierten Einwohner Deutschlands ab 25 Jahren armutsgefährdet. Noch im Jahr 2005 waren es dagegen nur 23,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden unter Berufung auf Zahlen des Mikrozensus mitteilte, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa. Im Bundesschnitt lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote nach demnach bei 15,4 Prozent.

Als armutsgefährdet gilt, wer einschließlich aller staatlichen Transfers wie zum Beispiel Wohn- oder Kindergeld weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens erzielt. 2014 zum Beispiel lag diese Schwelle für Einpersonenhaushalte bei monatlich weniger als 917 Euro.

Geringqualifizierte in den neuen Bundesländern und Berlin waren demnach mit 37,5 Prozent deutlich häufiger armutsgefährdet als jene im Westen Deutschlands, wo die Quote im vergangenen Jahr bei 29,8 Prozent lag. 2005 betrug die Armutsgefährdungsquote im Osten noch 28,6 Prozent und in Westdeutschland 22,3 Prozent. Zu den Geringqualifizierten gehören laut EU-Definition diejenigen, die ausschließlich einen Hauptschul- oder Realschulabschluss beziehungsweise keinen Hauptschulabschluss sowie keinen beruflichen Bildungsabschluss haben.

Insgesamt lag die Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr in den neuen Bundesländern bei 19,2 Prozent und in den alten Ländern bei 14,5 Prozent. Damit blieb die Quote sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland in den vergangenen zehn Jahren relativ stabil.

Deutsche Mittelschicht schrumpft

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine Studie der Universität Duisburg-Essen berichtet , ist zudem die deutsche Mittelschicht in den vergangenen 20 Jahren deutlich geschrumpft. Der Untersuchung zufolge ging der Anteil von Haushalten mit mittleren Einkommen zwischen 1993 und 2013 von 56 auf 48 Prozent zurück. Gleichzeitig sei die Quote der schlechter Verdienenden gestiegen.

Als mittleres Einkommen definieren die Forscher im Fall einer vierköpfigen Familie gut 2000 bis gut 7000 Euro brutto im Monat. Der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe ging laut dem Bericht auch zurück, wenn man staatliche Umverteilung durch höhere Steuern für Besserverdiener berücksichtigt. Der Befund deckt sich der Zeitung zufolge mit Ergebnissen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das allerdings Nettoverdienste betrachtet und eine andere Definition der Einkommensschichten verwendet. Laut DIW nahm die Mittelschicht zwischen 1997 und 2013 von 64 auf 58 Prozent ab.

nck/AFP/dpa
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