Teurer Aussstieg Atomkonzerne müssen 300 Millionen Euro mehr zahlen

Der Ausstieg aus der Kernkraft wird für E.on, RWE und Co. teurer: Nach SPIEGEL-Informationen müssen die Stromkonzerne nun insgesamt 24,4 Milliarden Euro in den Atomfonds einzahlen.
Atomkraftwerk Grohnde

Atomkraftwerk Grohnde

Foto: Focke Strangmann/ AP

Bei den Verhandlungen, wer die Kosten des Atomausstiegs trägt, haben die Energiekonzerne um jede Stelle nach dem Komma gefeilscht. Nun müssen sie nach SPIEGEL-Informationen deutlich mehr ausgeben, als sie damals herausgeschlagen haben: Gut 24,4 Milliarden Euro sollen sie in den sogenannten Atomfonds einzahlen, der die vollen Kosten für die Zwischen- und Endlagerung von nuklearem Müll übernehmen soll. Das sind gut 300 Millionen Euro mehr als bislang angenommen.

Grund für den Kostenschub sind veraltete Schätzungen. Die Energiekonzerne hatten die Ausgaben für das Endlager Schacht Konrad und die Endlagersuche inklusive der Offenhaltung von Gorleben für den Zeitraum von 2015 bis 2016 zunächst auf 581 Millionen Euro beziffert. Diese Summe durften sie von den geschätzten Kosten für den Atomfonds abziehen.

Tatsächlich beliefen sich die Ausgaben laut Kostenbescheiden des Bundes aber nur auf 283,1 Millionen Euro. Die Unternehmen dürfen im Atomfonds daher nur entsprechend weniger Geld abziehen - und müssen 297,9 Millionen Euro nachschießen. Inklusive Zinsen steigt die Gesamtsumme der einzuzahlenden Beträge von rund 24,1 auf gut 24,4 Milliarden Euro.

Die Kosten des Atomausstiegs sind damit für die ohnehin gebeutelten Energiekonzerne um rund 1,1 Milliarden Euro gewachsen, seit eine Expertenkommission den Kompromiss zur atomaren Entsorgung vorgelegt hatte.

"Das ist eine gute Nachricht", sagt Sylvia Kotting-Uhl, die atompolitische Sprecherin der Grünen, deren Büro die Zahlen zusammengetragen hat. Denn je höher die Einzahlungen in den Fonds sind, desto geringer ist das Risiko, dass die Steuerzahler Geld für den Atomausstieg zuschießen müssen.

"Ärgerlich ist nur, dass die Regierung dem Gesetz nicht gleich ihre eigenen Zahlen zugrunde gelegt hat, sondern die überhöhten Kostenprognosen der Konzerne", sagt Kotting-Uhl.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.