Aufkauf von Staatsanleihen Schäuble nennt US-Konjunkturpolitik "trostlos"

Es sind Worte, die mit Diplomatie nichts mehr zu tun haben: Wolfgang Schäuble kritisiert den Plan der USA scharf, noch einmal Hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft zu pumpen. Die Ergebnisse dieser Politik seien "trostlos" - und sie löse auch nicht die Probleme.

Wolfgang Schäuble: Der Finanzminister profiliert sich als Anti-Diplomat
dapd

Wolfgang Schäuble: Der Finanzminister profiliert sich als Anti-Diplomat


Berlin - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geht in die Offensive - und nimmt die Maßnahmen der USA zur Ankurbelung der Wirtschaft auseinander. "Ich glaube nicht, dass die Amerikaner damit ihre Probleme lösen", sagte er am Donnerstag im ZDF. Die US-Notenbank plant, Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar aufzukaufen.

Schäuble machte deutlich, dass die aktuellen Maßnahmen der USA nach seiner Ansicht keinen Weg aus der Krise darstellen: "Sie haben ja schon unendlich viel Geld in die Wirtschaft gepumpt." Dies sei einerseits durch extrem hohe staatliche Defizite geschehen. Zudem habe die Notenbank schon vor der 600-Milliarden-Dollar-Ankündigung sehr viel Geld in die Wirtschaft fließen lassen. "Die Ergebnisse sind trostlos", sagte Schäuble.

Der US-Arbeitsmarkt sei weiter schwierig und auch die Wirtschaftslage in der größten Volkswirtschaft der Welt sei schlecht. Im Interesse der USA wäre es besser, "die Probleme wirklich zu lösen", sagte der Minister. Stattdessen werde zu Mitteln gegriffen, von denen man inzwischen schon wisse, dass sie zur Lösung der Probleme heute nicht mehr taugten.

In der ARD verwies der Finanzminister darauf, dass die Konjunkturpolitik der USA weltweit zusätzliche Probleme schaffen würde. Er kündigte an, das Thema in Gesprächen mit den USA und auch beim G20-Gipfel kommende Woche in Südkorea anzusprechen.

Anhand der Erfolge in Deutschland könne man klar sehen, dass sich die Probleme nicht mit noch höheren Defiziten des Staates lösen ließen. Das sei übrigens gemeinsame Politik aller Industrieländer - auch der USA - gewesen, auf die sie sich beim G20-Gipfel in Toronto Mitte 2010 verpflichtet hätten.

kar/Reuters



insgesamt 43 Beiträge
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autocrator 05.11.2010
1. i.m.h.o. zeit
so recht Schäuble mit seinem statement zur neuen umverteilung von abermilliarden von dollars innerhalb der us-wirtschaft erstaunlicherweise hat, so sehr übersieht er eines: den nächsten wahltermin. Obama hat keine zeit mehr. Er weiss: will er eine zweite amtszeit, dann muss in zwei jahren die wirtschaft in einem solchen maße wieder angesprungen sein, dass dies die mehrheit der bevölkerung auch ganz persönlich bemerkt. Dazu ist ihm jedes mittel recht. Und Bernanke ist da bloß der erfüllungsgehilfe. Bei aller schönen rhetorik: Es geht nicht darum was sinnvoll oder vernünftig wäre. Es geht um macht.
sic tacuisses 05.11.2010
2. Da sitzt ein alter, verbittert böser Mann.
Zitat von sysopEs sind Worte, die mit Diplomatie nichts*mehr*zu tun haben: Wolfgang Schäuble kritisiert den Plan der USA scharf,*noch einmal*Hunderte Milliarden Dollar in die Wirtschaft zu pumpen. Die Ergebnisse dieser Politik seien "trostlos" - und sie löse auch nicht die Probleme. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,727379,00.html
ergoprox 05.11.2010
3. sinnvoll und vernünftig
Zitat von autocratorso recht Schäuble mit seinem statement zur neuen umverteilung von abermilliarden von dollars innerhalb der us-wirtschaft erstaunlicherweise hat, so sehr übersieht er eines: den nächsten wahltermin. Obama hat keine zeit mehr. Er weiss: will er eine zweite amtszeit, dann muss in zwei jahren die wirtschaft in einem solchen maße wieder angesprungen sein, dass dies die mehrheit der bevölkerung auch ganz persönlich bemerkt. Dazu ist ihm jedes mittel recht. Und Bernanke ist da bloß der erfüllungsgehilfe. Bei aller schönen rhetorik: Es geht nicht darum was sinnvoll oder vernünftig wäre. Es geht um macht.
Bei aller schönen Rhetorik, was wäre denn aus Ihrer Sicht sinnvoll und vernünftig? Schäubles Sicht dazu würde mich ja auch interessieren, leider beschränkt er sich darauf, dazu lieber nichts zu sagen - ich weis auch warum.
c++ 05.11.2010
4. .
Die USA haben nicht einfach nur ein Konjunkturproblem, sondern ein Strukturproblem. Mit dem Drucken von neuen Milliarden rasen die USA in eine riesige Schuldenkrise, aus der sie nicht mehr herauskommen.
autocrator 05.11.2010
5. k.K.
Zitat von ergoproxBei aller schönen Rhetorik, was wäre denn aus Ihrer Sicht sinnvoll und vernünftig? Schäubles Sicht dazu würde mich ja auch interessieren, leider beschränkt er sich darauf, dazu lieber nichts zu sagen - ich weis auch warum.
ich habe zwar meine ideen und vorstellungen. Da ich aber weder in amt und würden bin, oder mich um ein solches bemühe, geschweige denn (im gegensatz zu herrn schäuble) dafür bezahlt werde, meine ideen und vorstellungen konkret auszuarbeiten und vorzustellen, gebe ich dazu keinen kommentar ab. Dass herr schäuble nichts sagt bzw. nur kurz andeutet, um wieviel besser es seine regierung angeblich in der vergangenheit zur bewältigung der wirtschaftskrise gemacht habe, ist in höchstem maße unbefriedigend. Aber es ist ja nichts neues, dass unsere gesamte ministerriege im grunde genommen ihren jeweiligen job nicht macht. Sollten Sie meine ideen wirklich interessieren, können wir uns gerne über einen angemessenen honorarsatz, gerne auf stundenbasis, unterhalten.
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