Aufschwung am Arbeitsmarkt Zahl der offenen Stellen steigt auf eine Million

Rasanter Aufschwung am Jobmarkt: Ende des vergangenen Jahres gab es deutlich mehr offene Stellen als noch im Herbst. Gewerkschafter warnen dennoch vor Euphorie. Sie beschuldigen die Unternehmen, vor allem billige Leiharbeiter einzustellen.

Arbeitsagentur: Der Jobmarkt boomt
ddp

Arbeitsagentur: Der Jobmarkt boomt


Berlin - Der Konjunkturaufschwung wurde im Dezember durch die Kälte leicht gebremst, doch die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich im vierten Quartal deutlich gebessert: Die Zahl der offenen Stellen habe Ende 2010 die Millionengrenze erreicht, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit. Im Westen gab es im vierten Quartal demnach rund 850.000 vakante Posten, im Osten knapp 150.000.

Im Westen lag der Anstieg binnen Jahresfrist bei 29 Prozent, im Osten bei sieben Prozent. Aufgrund der geringeren Exportabhängigkeit der ostdeutschen Wirtschaft sei der Einbruch während der Wirtschaftskrise nicht so stark gewesen, sagte IAB-Arbeitsmarktexpertin Anja Kettner zur Begründung. Zugleich profitiere der Osten nun auch nicht so stark von der wirtschaftlichen Erholung, so dass sich der Arbeitskräftebedarf nur leicht erhöhe.

Das IAB erfasst viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die nicht den Arbeitsagenturen gemeldet werden. Im vierten Quartal 2010 waren der Bundesagentur für Arbeit rund 390.000 Stellen gemeldet - das sind 39 Prozent aller Stellenangebote.

Der deutsche Arbeitsmarkt war sehr glimpflich durch die Krise gekommen, die meisten Firmen konnten dank Kurzarbeit, Zeitarbeit und mittels Arbeitszeitkonten Massenentlassungen verhindern. Aus einer DIHK-Umfrage unter 28.000 Unternehmen ging jüngst hervor, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr mehr investieren und rund 300.000 neue Jobs schaffen will.

IG Metall kritisiert Rolle der Zeitarbeit

Doch laut IG Metall sind das vor allem schlecht bezahlte und unsichere Jobs in der Leiharbeitsbranche. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, trotz des stabilen Aufschwungs immer noch einseitig auf Leiharbeit und befristete Stellen zu setzen. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage unter nahezu 5000 Betriebsräten haben 83 Prozent der Firmen Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften, aber nur eine kleine Minderheit stellt neue Leute unbefristet ein.

An der Tagesordnung sind laut IG Metall befristete Verträge, der Einsatz von zusätzlichen Leiharbeitern und als "neue Krankheit" sogenannte Werkverträge, die bereits von 40 Prozent der Unternehmen eingesetzt würden. Hinter diesen Aufträgen an Fremdfirmen vermutet die Gewerkschaft in vielen Fällen den regelmäßigen, aber nicht mitbestimmten Einsatz von Arbeitskräften. IG-Metall-Chef Berthold Huber warf den Unternehmern vor, sie spalteten die Belegschaften, entzögen immer größere Teile dem Schutz von Tarifverträgen und betrieblicher Mitbestimmung und wollten das Lohnniveau insgesamt nach unten drücken.

cte/Reuters/dpa



insgesamt 59 Beiträge
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kimba2010 16.02.2011
1. ...
klar, wer für 1,50 Euro die Stunde arbeiten will ohne Sozialversicherung und Kündigungsschutz, der findet einen Job. Ansonsten haben wir etwa 6-8 Mio Arbeitslose, wenn man die gefälschten Statistiken mal ignoriert.
XTX 16.02.2011
2. Jobs, wo?!
Klasse Bericht, kein wort darueber verloren was das fuer stellen sind. Vollzeit Stellen? Was fuer Jobs sind das?
LJA 16.02.2011
3. So ein Unfug
Zitat von sysopRasanter Aufschwung am Jobmarkt: Ende des vergangenen Jahres gab es deutlich mehr offene Stellen als noch im Herbst. Gewerkschafter warnen dennoch vor Euphorie. Sie beschuldigen die Unternehmen, vor allem billige Leiharbeiter einzustellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,745965,00.html
Es ist zwar so, dass Zeitarbeiter zumeist weniger verdienen als ihre festangestellten Kollegen. Für die einstellenden Firmen sind sie aber keineswegs billig, denn die Zeitarbeitsunternehmen wollen ja auch ihren Teil haben. Der Hauptgrund für diese Form der Beschäftigung liegt in der Flexibilität. Wenn nur ein Auftrag für 3 Monate abzuarbeiten ist, danach aber wieder Flaute herrscht, dann macht es wenig Sinn jemanden dauerhaft einzustellen, der jetzt absehbar dann wieder entlassen werden muss.
zynik 16.02.2011
4. Tschaka!
Zitat von sysopRasanter Aufschwung am Jobmarkt: Ende des vergangenen Jahres gab es deutlich mehr offene Stellen als noch im Herbst. Gewerkschafter warnen dennoch vor Euphorie. Sie beschuldigen die Unternehmen, vor allem billige Leiharbeiter einzustellen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,745965,00.html
Der Aufschwung schonwieder. Sonntag stehen ja die ersten Wahlen an. Die Gewerkschafter sollten nicht vor eine "Euphorie" warnen, die ausserhalb der Regierung und ihrer Strippenzieher sowieso nicht stattfindet, sondern sie sollten langsam mal in die Puschen kommen. Mindestlohn lässt grüßen.
lezel 16.02.2011
5. Niedlich
Zitat von kimba2010klar, wer für 1,50 Euro die Stunde arbeiten will ohne Sozialversicherung und Kündigungsschutz, der findet einen Job. Ansonsten haben wir etwa 6-8 Mio Arbeitslose, wenn man die gefälschten Statistiken mal ignoriert.
Und schon kommt der erste Verschwörungstheoretiker. Richtig süß! Eine Statistik hält er natürlich für gefälscht, erst recht wenn sie von einer deutschen Behörde kommt, die im Datenbestand nachzählen kann. Seine eigene Statistik dagegen ist über jeden Zweifel erhaben - wie sollte man auch eine Zahl nachprüfen, die völlig ohne Beleg oder Berechnungsgrundlage ins Forum geworfen wird, mit eienr Unschärfe von zwei Millionen Menschen? Wer nicht bloß jammern, sondern die Chance nutzen will, der sollte jetzt zugreifen. Der sollte sich seiner Stärken bewußt sein, sie vielleicht durch private Schulungen noch ausbauen, und sich überlegen, wer unter welchen Umständen bereit wäre, für diese Stärken mehr Geld zu bezahlen. Noch ein Tip: Wer sich bewirbt, sollte nicht darüber meckern, wie übel ihn die Arbeitgeber behandeln und wie wenig sie ihm bezahlen. Denn daraus wird fast jeder folgern, daß man es wohl nicht besser verdient habe. Geschickter ist, die eigenen Stärken klar darzustellen und dem potentiellen Arbeitgeber plausibel zu machen, auf welche Weise man dem Betrieb viel mehr Gewinn einbringen kann, als man selbst kostet. Das muß man dann allerdings auch wollen und können.
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