Aufschwung West US-Wirtschaft wächst wieder kräftig

Europa schwächelt, Amerika berappelt sich: Im vierten Quartal 2011 ist die US-Wirtschaft so stark gewachsen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Finanzminister Geithner warnt trotzdem vor verfrühter Euphorie.
Containerverladung in Miami: Amerikas Wirtschaft legt wieder zu

Containerverladung in Miami: Amerikas Wirtschaft legt wieder zu

Foto: JOE RAEDLE/ AFP

Washington - Die US-Wirtschaft trotzt dem globalen Abschwung: Ende 2011 legte das Bruttoinlandsprodukt mit einer Jahresrate von 2,8 Prozent zu, teilte das Handelsministerium an diesem Freitag mit. Das ist der beste Wert seit Frühjahr 2010. Im Vorquartal waren es nur 1,8 Prozent.

Trotz des Endspurts reichte es 2011 insgesamt nur zu einem Plus von 1,7 Prozent. Die deutsche Wirtschaft schaffte im selben Zeitraum drei Prozent Wachstum. Im laufenden Jahr soll die US-Konjunktur laut einer Prognose der US-Notenbank Fed um 2,2 bis 2,7 Prozent wachsen.

Die Prognose ist ein Hoffnungsschimmer in einer düstren Zeit. Vor rund einem halben Jahr hatten Ökonomen noch befürchtet, Amerika könnte zurück in die Rezession rutschen. Auch die Euro-Krise hat sich zuletzt wieder verschärft. EU-Staaten, IWF und private Gläubiger sind offenbar kurz davor, sich auf ein neues Rettungspaket für Griechenland zu einigen. Doch noch vor der Einigung wurde bekannt, dass die Retter wohl noch einmal bis zu zwölf Milliarden Euro nachschießen müssen - weil sich Griechenlands Wirtschaft noch schlechter entwickelt als befürchtet und die Schulden bedenklich schnell steigen.

Und dennoch: Börsianer reagierten verhalten auf die US-Konjunkturdaten. Der Dow Jones   startete mit leichten Verlusten in den Handel. Auch der Dax   rutschte leicht ins Minus. Noch am Vortag hatte der Leitindex erstmals seit Anfang August über der Marke von 6500 Punkten geschlossen. Amerikas Wirtschaft sei nicht ganz so stark gewachsen wie erwartet, sagten Händler.

Konsum schiebt US-Wirtschaft an

Auch der US-Finanzminister warnte auch vor allzu großer Euphorie: "Wir kehren immer noch den Scherbenhaufen weg, den uns die Finanzkrise hinterlassen hat", sagte Timothy Geithner beim Weltwirtschaftsforum in Davos. "Wir stehen vor großen Herausforderungen."

Insbesondere der langsame Abbau der für US-Verhältnisse hohen Arbeitslosigkeit macht dem Land zu schaffen. So geht die Notenbank Fed davon aus, dass die Erwerbslosenquote auch dieses Jahr mit 8,2 bis 8,5 Prozent weiterhin für US-Verhältnisse hoch bleiben wird und selbst im Jahr 2014 noch um die sieben Prozent aller Amerikaner ohne Job sein werden.

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit zog der Konsum in den USA zum Jahresende deutlich an. Insgesamt konsumierten US-Bürger zwei Prozent mehr als noch im Vorjahr - und gaben der Konjunktur damit Auftrieb. Der Konsum trägt rund zwei Drittel zu Amerikas Wirtschaft bei. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen: So stieg das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes. Ein entsprechender Index von Reuters und der Universität Michigan stieg im Januar auf 75,0 Punkte, im Dezember hatte er noch bei 69,9 Zählern gelegen.

Die Exporte steigen ebenfalls deutlich, um rund 4,7 Prozent, etwa so stark wie schon im dritten Quartal.

Der Wohnungsmarkt dagegen bleibt ein großes Problem: Die Zahl der verkauften Eigenheime ging im Dezember um 2,2 Prozent zurück. Der Schätzung des Handelsministeriums zufolge wurden aufs Jahr hochgerechnet nur 307.000 Neubauten verkauft. Experten hatten mit 320.000 gerechnet.

Die US-Notenbank erwägt, die Wirtschaft mit weiteren Geldspritzen zu stützen, sollte sich die Erholung zu lange hinziehen. Sie hat sich zudem dazu bekannt, ihre extrem konjunkturstimulierende Nullzinspolitik noch bis mindestens Ende 2014 beizubehalten.

yes/ssu/dpa/Reuters
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