Rückkehr an den Kapitalmarkt Anleger überschütten Griechenland mit Milliarden

Seit 10 Uhr gibt Griechenland wieder Staatsanleihen aus - zum ersten Mal nach der faktischen Pleite vor vier Jahren. Ein Riesenerfolg: Investoren haben schon jetzt mehr als 20 Milliarden Euro geboten.
Akropolis in Athen: Griechenland kehrt auf die Kapitalmärkte zurück

Akropolis in Athen: Griechenland kehrt auf die Kapitalmärkte zurück

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP

Athen/London - Um 10 Uhr deutscher Zeit endete für Griechenland die lange Abwesenheit von den Finanzmärkten: Vier Jahre nach dem ersten Hilferuf an seine Euro-Partner beschafft die Regierung in Athen sich wieder auf eigene Faust Milliarden bei Investoren. Dem Finanzministerium zufolge gibt das Land eine Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit aus. Das Buch mit den Angeboten bleibt von 10 Uhr deutscher Zeit an nur wenige Stunden bis zum frühen Nachmittag geöffnet.

Im Zentrum des Interesses stehen nun zwei Fragen: Wie viel Geld kann Griechenland einsammeln - und wie hoch sind die Zinsen, die es dafür zahlen muss. Im Vorfeld waren aus dem Umfeld des Athener Finanzministeriums zwei Zielmarken genannt worden: Demnach soll die Auktion 2,5 Milliarden Euro einspielen, am besten zu Zinsen unter 5,3 Prozent.

Die ersten Informationen lassen daher auf einen riesigen Erfolg der Auktion schließen: Bereits kurz nach Beginn haben 550 Anleger zusammen mehr als 20 Milliarden Euro für die fünfjährige Staatsanleihe geboten, wie mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Insider berichten.

So funktionieren Staatsanleihen

"Das sind extrem gute Nachrichten"

Konkret in die Staatskassen fließen werden durch den Verkauf demnach voraussichtlich drei Milliarden Euro, also 500 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Die Rendite werde wohl bei 4,95 Prozent liegen - damit müsste das Krisenland noch etwas weniger an Zinsen zahlen als angepeilt.

Auch Griechenlands Vizeministerpräsident Evangelos Venizelos bestätigte das enorme Interesse der Investoren. Das Angebot sei "mindestens acht Mal überboten" worden, sagte er im griechischen Fernsehen. Konkrete Zahlen nannte er zwar nicht, auch aus seinen Worten lässt sich aber die Gebotssumme von mehr als 20 Milliarden Euro berechnen. Der Zinssatz solle niedriger sein, als man ursprünglich annahm, sagte Venizelos weiter.

Dementsprechend euphorisch äußerten sich außer Venizelos politische Akteure Griechenlands und Europas. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia sagte in Athen: "Das sind extrem gute Nachrichten. Die gelungene Auktion werde in Europa Vertrauen stärken, dass die Krise überwunden werde. Finanzminister Yannis Stournaras sprach von einem "riesigen Erfolg".

"Dies ist kein Feuerwerk, sondern echtes Geld"

Auch Wirtschaftsexperten bewerteten die ersten Zahlen sehr positiv. "Es ist ein Durchbruch, vor allem weil die Markterwartungen in der Ökonomie besonders wichtig sind", sagte Thodoris Pelagidis, Ökonom an der Universität von Piräus und Senior Fellow der Brookings Institution, SPIEGEL ONLINE. "Wir neigen dazu, Milliarden als Kleinigkeiten zu sehen. Dies ist kein Feuerwerk, sondern echtes Geld."

Auch eine erfolgreiche Auktion ändere jedoch nichts an zwei Fakten: "Wir müssen wie versprochen über die Tragfähigkeit der übrigen Schulden verhandeln, und Griechenland braucht weitere Reformen." Pelagidis wies darauf hin, dass mit dem eingenommenen Geld auch eine neue Finanzlücke gestopft werden müsse. Diese entstehe dadurch, dass angestrebte Privatisierungserlöse nicht wie geplant erzielt werden. Die ursprünglich für 2014 angestrebte Summe von 3,6 Milliarden Euro wurde vergangene Woche auf 1,5 Milliarden Euro reduziert.

Der bis zu diesem Donnerstag letzte Versuch Griechenlands, Kredite von privaten Investoren zu erhalten, verlief traumatisch: Athen wollte sich im April 2010 eine Milliarde Euro für 20 Jahre leihen. Es kamen aber nur Angebote für lediglich 390 Millionen Euro zusammen. Wenige Tage später rief Athen die Euro-Partner zu Hilfe.

Organisiert wurde die Ausgabe der neuen Anleihe von der Bank of America  , Merrill Lynch  , der Deutschen Bank  , Goldman Sachs  , HSBC  , JP Morgan   und Morgan Stanley  .

"Die Märkte zerreißen das Rettungsabkommen"

Während das Echo im Vorfeld bei griechischen Bürgern äußerst kritisch war, feierten führende Zeitungen die geplante Auktion als Zeichen der Emanzipation. "Die Märkte zerreißen das Rettungsabkommen", titelte die linksliberale "Ta Nea". Die Ausgabe der Anleihen bedeute einen "ersten Sieg für elf Millionen Griechen". In einem Kommentar hieß es, zwar warteten die griechischen Bürger noch auf Veränderungen in ihren eigenen Leben. Dennoch handele es sich um den "Anfang vom Ende" der Krise.

Von einer "eindrucksvollen Rückkehr an die Märkte" schrieb die konservative "Kathimerini". Griechenland mache "vorsichtige, aber große Schritte" auf ein Ende der Krise zu. Die Anleihenauktion stelle das Vertrauen der Märkte wieder her und werde es "Unternehmen und Banken erlauben, ohne die Zahlung enormer Zinsen Zugang zu Kapital zu erhalten".

Deutlich kritischer zeigte sich die linke "Eleftherotypia": Ihrer Schlagzeile zufolge ist die Auktion ein "abgekartetes Spiel". Während Realwirtschaft und Bürger weiter litten, kehre Griechenland mit Hilfe derselben Banken an den Markt zurück, welche es erst in die Krise geführt hätten. Und das linke Blatt "Avgi", das dem oppositionellen Bündnis der radikalen Linken (Syriza) nahesteht, prophezeite "neue harte Sparmaßnahmen" für die Griechen.

fdi/gec/dab/dpa/Reuters
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