Arbeitsmarkt Deutsche Betriebe bilden weniger aus

In Deutschland gibt es immer mehr Beschäftigte, die Zahl der Auszubildenden geht trotzdem zurück. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung. Ein Teil des Landes ist besonders betroffen.
Junge Auszubildende in einer Ausbildungswerkstatt für Mechaniker in Berlin (Symbolbild)

Junge Auszubildende in einer Ausbildungswerkstatt für Mechaniker in Berlin (Symbolbild)

Foto: Bernd von Jutrczenka/ picture alliance / Bernd von Jutrczenka/dpa

Deutsche Betriebe bilden immer weniger Menschen aus - obwohl die Beschäftigungszahlen kontinuierlich steigen. Zu diesem Ergebnis ist ein Forschungsprojekt des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Universität in Göttingen gekommen, das von der Bertelsmann-Stiftung gefördert wurde.

Zwischen 1999 und 2015 stieg demnach die Anzahl der Beschäftigen um 12,1 Prozent, die der Auszubildenden sank hingegen im gleichen Zeitraum um 6,7 Prozent. Dadurch sinkt auch die Ausbildungsquote: 2015 kamen auf 100 Beschäftigte 5,1 Auszubildende. Zum Vergleich: 1999 waren es noch 6,1.

Die Forscher halten eine Ausbildungsquote von 5,0 Prozent für ausreichend, um einen Fachkräftemangel zu verhindern. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei kleinen Betrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, sagte: "Wenn Unternehmen in der aktuell guten Konjunktur- und Beschäftigungslage nicht mehr junge Menschen ausbilden, ist der Fachkräftemangel hausgemacht."

Der Osten ist besonders betroffen

Laut der Studie gibt es deutliche regionale Unterschiede: Im Westen blieb die Ausbildungsquote zwischen 1999 und 2015 fast konstant blieb, in den ostdeutschen Bundesländern halbierte sie sich. Hinzu komme: Der betriebliche Bedarf und die an einer Ausbildung interessierten Schulabsolventen passten immer weniger zusammen.

Tatsächlich bleiben in fast jedem dritten Betrieb Ausbildungsplätze unbesetzt, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervorgeht. Laut den Zahlen des Verbands erhielten im vergangenen Jahr sogar 15.500 Unternehmen gar keine Bewerbungen - das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Bertelsmann-Stiftung fordert nun, Angebote für Firmen auszubauen, die benachteiligte Jugendliche ausbilden. Außerdem solle der Staat künftig jedem Jugendlichem einen Ausbildungsplatz garantieren.

Grundlage der Studie sind Daten der Bundesagentur für Arbeit, des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie eigene Berechnungen des Göttinger Instituts.

slü/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.