Außenhandel in der Coronakrise Deutsche Exporte im April um 31 Prozent eingebrochen

Der Deutsche Außenhandel erlebte im Frühjahr eine historische Krise. Der Wert der Warenausfuhren sank im April gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,1 Prozent. Die Importe fielen um mehr als 20 Prozent.
Autos warten im April in Bremerhaven auf die Verschiffung

Autos warten im April in Bremerhaven auf die Verschiffung

Foto: Fabian Bimmer/ REUTERS

Die deutschen Exporte sind wegen der Corona-Rezession bei vielen wichtigen Handelspartnern so drastisch eingebrochen wie noch nie. Im April sank der Wert der Warenausfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat um 31,1 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte . Dies war der größte Rückgang eines Monats im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950.

Der drastische Rückgang der Ausfuhren geht auf das Schließen von Grenzen gerade auch im europäischen Binnenmarkt, die weltweite Verhängung von Handels- und Reisebeschränkungen sowie enorme Störungen in der See- und Luftfracht zurück. Je nach Handelspartner waren die Exporte unterschiedlich stark beeinträchtigt.

Die Ausfuhren nach China gingen im April 2020 vergleichsweise moderat um 12,6 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro zurück. Die Exporte in die besonders betroffenen europäischen Länder brachen dagegen ein: Zu Frankreich fielen sie um 48,3 Prozent, zu Italien um 40,1 Prozent im Vergleich zu Vorjahresmonat. Die Exporte in die USA gingen um 35,8 Prozent zurück.

Im Vergleich zum März fielen die Ausfuhren im April den Zahlen zufolge um 24 Prozent. Dies ist der stärkste monatliche Rückgang seit Beginn der Erhebung im August 1990.

Ökonomen hatten niedrigeren Rückgang erwartet

Volkswirte hatten im Schnitt einen heftigen Einbruch befürchtet, waren aber nur von einem Rückgang um 15,6 Prozent ausgegangen. Der Überschuss in der Handelsbilanz betrug im April kalender- und saisonbereinigt noch 3,2 Milliarden Euro, der Überschuss in der Leistungsbilanz 7,7 Milliarden Euro.

Nachdem die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Verlauf des März eingeführt worden waren, hatten die Einschränkungen im gesamten April den internationalen Warenhandel gelähmt. Experten gehen davon aus, dass die konjunkturellen Verwerfungen durch die Coronakrise in diesem Monat ihren Höhepunkt erreichten.

Auch wenn die Talsohle durchschritten sein sollte: Die gesamte Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession. Die EU-Kommission sagt für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent voraus und damit den stärksten Einbruch in der Nachkriegszeit.

Importiert wurden im April 2020 noch Waren im Wert von 72,2 Milliarden Euro, wie die Behörde anhand vorläufiger Ergebnisse weiter mitteilte - ein Minus von 21,6 Prozent zum Vorjahresmonat. In der Finanzkrise 2009 waren sie sogar noch stärker zurückgegangen, im Juli 2009 nämlich um 23,6 Prozent.

Hoffnungen auf eine Trendwende bei der Entwicklung des Außenhandels gibt es derzeit nicht: Die Industrieaufträge aus dem Ausland brachen im April um 28,1 Prozent ein, da sich wichtige Abnehmerländer wie die USA wegen der Coronakrise in einer Rezession befinden und damit weniger Waren "Made in Germany" nachfragen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet daher auf das gesamte Jahr gerechnet mit einem Rückgang der Exporte um mindestens 15 Prozent. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet ein Minus von 15 Prozent bei der Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen.

Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation könnte der Welthandel in diesem Jahr um 13 bis 32 Prozent zurückgehen. Schon vor der Corona-Pandemie 2019 hatte der Welthandel mit Waren stagniert, belastet von internationalen Handelskonflikten und der Abkühlung der globalen Konjunktur.

apr/dpa/Reuters
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