Sorge um Arbeitsmarkt Außenhandelschef fordert Steuervorteile für ausländische Fachkräfte

Aus Sorge vor fehlenden Arbeitskräften in Deutschland fordert Außenhandelspräsident Jandura einen Steuerrabatt für Zuzügler. Von der Ampelregierung verlangt er einen »systematischen Ansatz« für Zuwanderung.
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Außenhandelspräsident Dirk Jandura hat von der Ampelregierung eine gezielte Zuwanderungspolitik gefordert. Dazu schlug er finanzielle Anreize für ausländische Fachkräfte in Deutschland vor. »Ich könnte mir vorstellen, dass man Fachkräften, um Deutschland für sie attraktiv zu machen, für die ersten zwei, drei Jahre als Anreiz einen Steuernachlass gewährt«, sagte Jandura der »Rheinischen Post«.

Der Fachkräftemangel sei heute schon ein entscheidender Wettbewerbsnachteil. Die Ampelregierung müsse die Standortattraktivität daher zügig durch eine gezielte Zuwanderungspolitik steigern. Ihm seien die Formulierungen im Koalitionsvertrag zu vage, sagte Jandura.

»Ich wünsche mir einen systematischen Ansatz mit glasklaren Regeln, wer zu uns mit welchen Berufsabschlüssen kommen soll, und entsprechende Anreize für diese Menschen. Der weltweite Kampf um die besten Köpfe ist im vollen Gange. Wir drohen ihn zu verschlafen.«

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, verweist auf die Bedeutung von Fachkräften aus dem Ausland. Er nannte im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa etwa den Bereich der Pflege, wo auch Menschen aus Ländern wie Kolumbien, Mexiko oder Indonesien ins Land kommen.

Diese Menschen aus der EU und aus Drittstaaten würden in Deutschland dringend gebraucht, sagte Scheele. Wenn sie nicht in ausreichender Zahl kämen, drohe für Deutschland ein Wachstumsproblem. Fehlende Zuwanderung könne selbst zur Wachstumsbremse werden.

BA-Chef fordert gezielte Weiterbildung für gering Qualifizierte

Scheele forderte zugleich, so viele Menschen wie möglich im Arbeitsleben zu halten – auch weniger Qualifizierte. »Wichtig ist, dass wir möglichst alle potenziellen Arbeitskräfte im Inland gewinnen und erst recht niemanden verlieren«, sagte der BA-Chef.

In der Zukunft entstünden genauso viele neue Arbeitsplätze wie durch Automatisierung und Transformationsprozesse wegfielen – allerdings mit anderem Anforderungsprofil.

Diejenigen Menschen, denen durch den Wegfall geringer qualifizierter Jobs Arbeitslosigkeit drohe, dürften keinesfalls aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sagte Scheele. »Sie muss man weiterbilden.«

Die Bundesagentur habe allein für die Weiterbildung von Beschäftigten für das Jahr 2022 rund 900 Millionen Euro in der Kasse. »Die sollten verwendet werden, weil das Geld dazu dient, den Strukturwandel, die Transformation zu bewältigen und Menschen in Arbeit zu halten«, sagte Scheele.

Es seien vor allem auch die Arbeitgeber gefordert, weil diese definieren müssten, wohin die Qualifizierung gehen müsse. Die Bundesagentur sehe als eine ihrer wesentlichen Aufgaben für die kommenden zehn Jahre an, die Rolle des Moderators zu übernehmen. Es gebe dazu bereits Modellversuche mit Industrie und Handwerk. »Wir lernen, die Drehscheibe in der Transformation zu sein«, sagte Scheele.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Erwerbspersonen in Deutschland ist mit 34,3 Millionen laut Scheele schon jetzt auf einem Rekordhoch. Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass – ohne jede Gegenmaßnahme – bis 2035 gut sieben Millionen Arbeitskräfte in Deutschland fehlen würden.

mmq/Reuters/dpa