Kohlewende in Australien Deutschland als abschreckendes Beispiel

Australiens konservative Regierung vollzieht eine 180-Grad-Drehung in ihrer Klimapolitik. Statt auf grüne Quellen setzt sie wieder auf Kohle. Gerechtfertigt wird das Manöver mit einem abschreckenden Beispiel: der deutschen Energiewende.
Australische Kohlemine: Rückgrat der Energieversorgung

Australische Kohlemine: Rückgrat der Energieversorgung

Foto: © Reuters Staff / Reuters/ REUTERS

Australien hat es besser. Die Sonne scheint in einigen Landesteilen im Jahresschnitt doppelt so viel wie in Deutschland, die Küste ist etwa 15-mal länger, was bedeutet: 15-mal mehr Platz für Offshore-Windräder. Doch trotz dieser fabelhaften Voraussetzungen für grüne Energien macht der neue konservative Premierminister Tony Abbott nichts daraus. Und zwar ganz bewusst.

Vier Monate nach seinem Start hat der Politiker so ziemlich alles kassiert, was mit Klimaschutz zu tun hat. Er entließ die nationale Klimakommission, er kürzte Umweltprogramme, und zum Klimagipfel in Warschau im November schickte er nicht einmal einen Minister. Zugleich will Abbott die in Australien seit 2012 geltende Steuer auf CO2-Emissionen abschaffen, er hält sie für "Sozialismus im Gewand des Umweltschutzes". Und den Plan der linken Vorgängerregierung, einen Emissionshandel für CO2-Zertifikate zu installieren, hat er gleich mit abgeräumt.

Es ist eine beispiellose Kehrtwende, die Australien in seiner Klimapolitik vollzieht. Bis vor kurzem galt der Kontinent als Vorreiter einer Energiewende, ähnlich wie sie Deutschland verfolgt. Abbotts Vorgänger wollten mit der einseitigen Ausrichtung auf fossile Energiequellen brechen, rund drei Viertel seines Stroms erzeugt Australien aus Kohle. Es gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Ausstoß an CO2. "Der Klimawandel ist die größte moralische Herausforderung unseres Lebens", sagte Premier Kevin Rudd von der sozialdemokratischen Labour-Partei 2010.

Doch vergangenen September verlor Rudd die Wahl und sein Nachfolger sieht die Welt etwas anders. Abbott hatte früher schon Studien zum Klimawandel als "absoluten Mist" abgetan, sein Top-Wirtschaftsberater Maurice Newman hält den Klimawandel für eine "wissenschaftliche Wahnvorstellung". Stattdessen werden mitunter bizarre Vorschläge diskutiert, wie der systematische Abschuss von Kamelen, da die Tiere klimaschädliches Methan ausstoßen. Australiens Klimapolitik gleicht nach Ansicht des US-Umweltforschers Roger Pielke mittlerweile "eher einer Farce als einer Tragödie".

Die Jahre leicht verdienten Geldes sind vorbei

Premier Abbott begründet den Politikwechsel vor allem mit den Kosten der Energiewende, die Bürger und Unternehmen zu tragen haben. So mussten die 350 größten Treibhausgas-Emittenten, allen voran Bergbauunternehmen und Stromversorger, bislang rund 24 australische Dollar pro Tonne an CO2-Steuer zahlen, umgerechnet sind das gut 15 Euro. In der EU kostet das entsprechende Zertifikat nur etwa fünf Euro.

Solche Belastungen treffen in Australien auf eine Gesellschaft, die sich ohnehin auf härtere Zeiten einstellen muss. Der Boom der Bodenschätze hat Australien den längsten Aufschwung geschenkt, den je ein Industriestaat erlebt hat. Doch diese Jahre leicht verdienten Geldes sind vorbei.

Die Rohstoffpreise bröckeln, die Autohersteller Ford und Holden, eine GM-Tochter, haben Fabrikschließungen angekündigt. Bergbaukonzerne wie BHPBilliton überdenken ihre Expansionspläne. "Die Australier stehen mit dem Rücken zur Wand", sagt Heribert Dieter, Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Insbesondere dem Einfluss der Rohstoffbranche ist es zuzuschreiben, dass die Regierung wieder auf fossile Brennstoffe setzt. Denn in Australien ist nicht nur regenerative Energie im Überfluss vorhanden, sondern eben auch Kohle.

Die Regierung protegiert die Branche, wo sie nur kann. Im Dezember hat sie den Ausbau eines riesigen Kohlehafens genehmigt, er liegt in der Nähe des Great Barrier Reefs, des einzigartigen Korallenriffs. Dies sei der "Akt eines Umwelt-Vandalen", empört sich Ex-Umweltminister Peter Garrett, früher bekannt als Sänger der Band "Midnight Oil". Umweltverbände sind entsetzt über die schwarze Zukunft Australiens. Die Grünen-Chefin Christine Milne bezeichnet Abbott als "Mann des vergangenen Jahrhunderts".

Deutschland gilt als abschreckendes Beispiel

Der Premier lässt sich nicht beirren. Ihm kommt dabei zupass, dass in Deutschland die Kosten der Energiewende explodiert sind. Das einstige Vorbild Bundesrepublik wird als abschreckendes Beispiel angeführt. "Wir können es uns nicht leisten, dem Modell Deutschlands zu folgen", wird Ron Boswell, Senator des Bundesstaates Queensland, in der Zeitung "The Australian" zitiert . Deutschland habe wegen des Ausbaus erneuerbarer Quellen mit die höchsten Energiepreise in der Welt. "Wir sollten besser von den Vereinigten Staaten lernen", meint Boswell, dort sei Energie gut dreimal billiger als in Australien.

Nicht einmal die Hitzewelle der vergangenen Wochen kann die Klimawandelskeptiker beeindrucken. In Melbourne und Adelaide kletterten die Temperaturen an vier Tagen hintereinander über 41 Grad. Solche Extreme wären bald nichts Ausgewöhnliches mehr, erwartet der Klimaexperte Will Steffen aus der australischen Hauptstadt Canberra: "Wir sollten uns besser daran gewöhnen."