Ladesäulen-"Masterplan" So soll das Laden von E-Autos verbessert werden

Wer sein Elektroauto nicht laden kann, der wird sich keins kaufen. Auf einem "Autogipfel" im Kanzleramt soll deshalb ein "Masterplan" für den schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur beschlossen werden. Lesen Sie hier die wichtigsten Punkte.

Ein Auto an einer Elektroladestation in Stuttgart
Edith Geuppert/ DPA

Ein Auto an einer Elektroladestation in Stuttgart


Vor dem sogenannten Autogipfel an diesem Montagabend hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Tempo beim Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos gefordert. Der Bund werde in den nächsten Jahren 3,5 Milliarden Euro in den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur investieren, sagte Merkel beim Produktionsstart des VW-Elektromodells ID.3 im Werk in Zwickau. Doch diese Förderung sei bis 2035 begrenzt, "um wirklich auch Druck zu machen, dass die Ladeinfrastrukur gebaut wird".

Rund 50.000 öffentliche Ladepunkte müssten recht schnell geschaffen werden, um den E-Auto-Fahrern Verlässlichkeit zu geben. Auch die Genehmigungsverfahren für Ladestationen müssten beschleunigt werden. "Wir wissen heute, wir müssen schneller werden." Bis 2030 sollten eine Million öffentliche Ladepunkte entstehen.

Der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für E-Autos gilt als zentrale Voraussetzung dafür, dass Elektrofahrzeuge den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen. Die Autobranche befindet sich derzeit mitten in einem grundlegenden Wandel. Zum einen muss die Industrie Milliarden in neue Technologien wie die E-Mobilität investieren, auch um strengere EU-Vorgaben einhalten zu können. Zum anderen ist bei vielen Firmen die Ertragslage wegen des Abschwungs in den weltweiten Automärkten schlechter geworden. Das hat bisher vor allem Zulieferer getroffen, es gibt Kurzarbeit und Ankündigungen von Jobabbau.

Politik und Autobranche wollen bei ihrem Spitzentreffen am Abend über die Zukunft der Autoindustrie beraten. Dabei geht es darum, wie die Unternehmen den schwierigen Umbruch meistern können und wie die Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut werden kann. An dem Treffen nehmen neben Kanzlerin Merkel mehrere Bundesminister, Ministerpräsidenten von "Autoländern" und die Spitzen von Union und SPD teil - daneben die Chefs des Autoverbandes VDA, von Gewerkschaften, Autoherstellern und Zulieferern.

In dem "Masterplan" sind die Aufgaben skizziert, die den Beteiligten in den kommenden Jahren bevorstehen. Grundsätzlich gilt: Verbraucher sollen künftig eine Ladestation problemlos finden und einfach bedienen können. Authentifizierung, Freischaltung, Bezahlung und Abrechnung sollen ohne Probleme erfolgen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Das Verkehrsministerium soll bis Ende 2019 ein Konzept vorlegen, wie die Finanzierung und Organisation eines "verlässlichen, schnellen und großvolumigen" Ladeinfrastrukturaufbaus bis 2025 ausgestaltet werden sollen.
  • Erstes Ziel soll die Errichtung von 1000 Schnellladestandorten sein. Außerdem sollen verstärkt Ladepunkte an Kundenparkplätzen zum Beispiel an Supermärkten gefördert werden.
  • Durch eine Versorgungsauflage soll geregelt werden, dass an allen Tankstellen auch Ladepunkte angeboten werden. Die Autoindustrie verpflichtet sich dazu, mindestens 15.000 Ladepunkte auf ihren Betriebsgeländen und im Handel zu bauen. Bis 2030 sollen es nach Möglichkeit 100.000 Ladepunkte sein.
  • Das BMU wird bis Ende 2020 prüfen, ob die Errichtung von Schnellladesäulen als Dekarbonisierungsmaßnahmen der Mineralölwirtschaft behandelt werden können.
  • Ladeinfrastruktur im Baurecht: Die Länder werden gebeten zu prüfen, ob Ergänzungen oder Änderungen in den bauordnungsrechtlichen Bestimmungen bzgl. Ladeinfrastruktur-förderlicher Vorgaben sowie diesbezüglichen Brandschutzregelungen möglich und sinnvoll sind. Das BMI wird prüfen, inwiefern Gesetzesänderungen im Bundesrecht den Aufbau von Ladeinfrastruktur erleichtern und fördern können. Die Kommunen werden gebeten zu prüfen, wie die Genehmigungsprozesse für neue Ladeinfrastruktur und dementsprechenden Netzausbau beschleunigt werden können.

Die Regierung erwägt zudem Auflagen für die Wirtschaft. Der Ausbau öffentlicher Ladesäulen könne nicht allein über Förderung gestemmt werden, heißt es im Plan: "Wo eine bedarfsgerechte Versorgung marktgetrieben nicht erfolgt, werden daher auch ordnungsrechtliche Maßnahmen erwogen." Konkret geht es dabei um Ladestandorte, die künftig wenig angefahren werden und wenig wirtschaftlich sind - aber für das Netz von "strategischer Bedeutung".

kko/mik/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 321 Beiträge
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dk.bied 04.11.2019
1. Wie oft
kommen die Vokabeln "Auflage", "sollen verpflichtet werden", "EU-Vorgabe" ... und natürlich "gefördert werden" im Artikel vor? Es scheint, als handele sich bei der E-Mobilität um ein Produkt, dass viele Verbaucher dringend haben wollen ;-)
ja, Versteher :-) 04.11.2019
2. Gemeinschaftseigentum?
Ich lese nichts von Stellplätzen und Garagenhöfen im Gemeinschaftseigentum, bei denen die Installation an der fehlenden Einstimmigkeit sämtlicher Eigentümer scheitert. Enttäuschend.
kalsu 04.11.2019
3. 3,5 Mrd € in den Sand setzen
Dabei wäre es so einfach: Baugenehmigungen für Eigenheime nur noch mit Ladestation, für Mehrfamilienhäuser ist pro Wohnung ein Stellplatz mit Lademöglichkeit verpflichtend, Parkhäuser nur noch mit mindestens 25% der Stellplätze mit Lademöglichkeit.
Akzente 04.11.2019
4. Millionengrab ....
für Autos, die noch lange Zeit niemand will. Wieso soll man ein E-Auto kaufen, das doppelt so teuer ist und bei der Produktion das Doppelte emittiert? Okay, man muss halt > 100000 km Kohlestrom verdödeln, bis die Bilanz annähernd ausgeglichen ist. Wäre da nicht die E-Autobatterie, die dann wieder mit Neu ersetzt werden muss und die Ökorechnerei ist wieder im Eimer. Kein vernunftgesteuerter Mensch setzt beim jetzigen Stand der Technik auf E-Mobilität.
killthatcat 04.11.2019
5. Bitte an
Ladestationen nicht den fahrrad lade Anschluss vergessen..es waere dumm Den ueberall nachruesten zu muessen..
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