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03. September 2014, 13:08 Uhr

Mitten im Tarifstreit

GDL-Chef gönnt sich Auszeit im Schlosshotel

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Der Arbeitskampf zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn treibt Bahnfahrer zur Weißglut. GDL-Chef Claus Weselsky bleibt jedoch die Ruhe selbst - er entspannt im Kurzurlaub in einem Schlosshotel.

Berlin - Moderner Arbeitskampf: Um ihren Forderungen gegenüber der Bahn Nachdruck zu verleihen, wollen die Lokführer den Zugverkehr in den nächsten Tagen noch einmal ohne lange Vorwarnzeit mit einem Warnstreik durcheinanderwirbeln. Hochkonjunktur für die Planungsstäbe hinter den Kulissen, mag sich jetzt so mancher vorstellen. Beratungen bis tief in die Nacht, Fachleute werten die Nachrichten aus und diskutieren darüber, was dieser oder jener Halbsatz der anderen Seite wohl zu bedeuten hat. Der engste Führungskreis um den Chef herum entscheidet anschließend, was zu tun ist. Solche Dinge.

Die Wirklichkeit ist offensichtlich schlichter, zumindest im aktuellen Tarifstreit der Deutschen Bahn mit der Lokführergewerkschaft GDL. Deren Chef, Claus Weselsky, hat sich mitten im Getümmel eine Auszeit genommen: Am Mittwochmorgen hat er im Schlosshotel im beschaulichen Lübbenau eine knappe Bahnstunde von Berlin entfernt, eingecheckt. Im rekonstruierten Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, der einst als Pferdestall diente. SPIEGEL ONLINE erreichte ihn dort telefonisch. Nachfragen wollte Weselsky nicht beantworten. Es handle sich um eine Privatangelegenheit, sagte er - und legte auf.

Am frühen Morgen noch hatte der GDL-Chef im ZDF-Morgenmagazin einen weiteren Warnstreik "in den nächsten Tagen" angekündigt. Die Lokführer würden den Ausstand zwar vorher bekannt geben, den Zeitraum aber "nicht viel länger" als 14 Stunden vorher eingrenzen. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob Weselsky dann noch in Lübbenau weilt und ob er womöglich von den Auswirkungen der Arbeitsniederlegung betroffen sein wird, wenn er wieder ins Krisenzentrum der GDL zurückfährt.

Den ersten, dreistündigen Warnstreik hatte die Lokführergewerkschaft am frühen Montagmorgen 14 Stunden vor Beginn angekündigt. Damit habe die Gewerkschaft nicht nur den betroffenen Fahrgästen, sondern auch dem Arbeitgeber Gelegenheit gegeben, sich auf die Arbeitskampfmaßnahme vorzubereiten. "Viel länger ist aus unserer Sicht nicht gut, denn dann fängt die Bahn an, ganz andere Dispositionsmaßnahmen zu ergreifen."

Der Warnstreik am Montag in den frühen Abendstunden hatte nach Angaben der Bahn zu starken Beeinträchtigungen geführt. Im Fernverkehr seien bundesweit rund 150 Züge von Ausfällen und Verspätungen betroffen gewesen, im Güterverkehr habe es bei etwa 50 Zügen Beeinträchtigungen gegeben.

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn geht es nicht nur um höhere Löhne, sondern vor allem um einen Machtkampf zwischen der GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf.

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