Mitten im Tarifstreit GDL-Chef gönnt sich Auszeit im Schlosshotel

Der Arbeitskampf zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn treibt Bahnfahrer zur Weißglut. GDL-Chef Claus Weselsky bleibt jedoch die Ruhe selbst - er entspannt im Kurzurlaub in einem Schlosshotel.

GDL-Chef Weselsky: Auch im Hotel leicht zu erreichen
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GDL-Chef Weselsky: Auch im Hotel leicht zu erreichen

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Berlin - Moderner Arbeitskampf: Um ihren Forderungen gegenüber der Bahn Nachdruck zu verleihen, wollen die Lokführer den Zugverkehr in den nächsten Tagen noch einmal ohne lange Vorwarnzeit mit einem Warnstreik durcheinanderwirbeln. Hochkonjunktur für die Planungsstäbe hinter den Kulissen, mag sich jetzt so mancher vorstellen. Beratungen bis tief in die Nacht, Fachleute werten die Nachrichten aus und diskutieren darüber, was dieser oder jener Halbsatz der anderen Seite wohl zu bedeuten hat. Der engste Führungskreis um den Chef herum entscheidet anschließend, was zu tun ist. Solche Dinge.

Die Wirklichkeit ist offensichtlich schlichter, zumindest im aktuellen Tarifstreit der Deutschen Bahn mit der Lokführergewerkschaft GDL. Deren Chef, Claus Weselsky, hat sich mitten im Getümmel eine Auszeit genommen: Am Mittwochmorgen hat er im Schlosshotel im beschaulichen Lübbenau eine knappe Bahnstunde von Berlin entfernt, eingecheckt. Im rekonstruierten Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, der einst als Pferdestall diente. SPIEGEL ONLINE erreichte ihn dort telefonisch. Nachfragen wollte Weselsky nicht beantworten. Es handle sich um eine Privatangelegenheit, sagte er - und legte auf.

Am frühen Morgen noch hatte der GDL-Chef im ZDF-Morgenmagazin einen weiteren Warnstreik "in den nächsten Tagen" angekündigt. Die Lokführer würden den Ausstand zwar vorher bekannt geben, den Zeitraum aber "nicht viel länger" als 14 Stunden vorher eingrenzen. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob Weselsky dann noch in Lübbenau weilt und ob er womöglich von den Auswirkungen der Arbeitsniederlegung betroffen sein wird, wenn er wieder ins Krisenzentrum der GDL zurückfährt.

Schlosshotel Lübbenau: Ausflug ins Private Den ersten, dreistündigen Warnstreik hatte die Lokführergewerkschaft am frühen Montagmorgen 14 Stunden vor Beginn angekündigt. Damit habe die Gewerkschaft nicht nur den betroffenen Fahrgästen, sondern auch dem Arbeitgeber Gelegenheit gegeben, sich auf die Arbeitskampfmaßnahme vorzubereiten. "Viel länger ist aus unserer Sicht nicht gut, denn dann fängt die Bahn an, ganz andere Dispositionsmaßnahmen zu ergreifen."

Der Warnstreik am Montag in den frühen Abendstunden hatte nach Angaben der Bahn zu starken Beeinträchtigungen geführt. Im Fernverkehr seien bundesweit rund 150 Züge von Ausfällen und Verspätungen betroffen gewesen, im Güterverkehr habe es bei etwa 50 Zügen Beeinträchtigungen gegeben.

Im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn geht es nicht nur um höhere Löhne, sondern vor allem um einen Machtkampf zwischen der GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie streiten darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf.

insgesamt 60 Beiträge
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koepi71 03.09.2014
1. Diskreditierung
von Gewerkschaften?! Oder welchen Zweck hat dieser Artikel? Seht her, während der geschundene Bahngast die Auswirkungen der Streiks zu ertragen hat, macht der Gewerkschaftsboss in aller Ruhe Urlaub.
sok1950 03.09.2014
2. Schlosshotel im beschaulichen Lübbenau?
da war ich mit meiner Frau auch mal. Die Zimmer im ehemaligen Pferdestall kann man nur empfehlen. Nur ist der ehemalige Pferdestall nicht abgebildet, eigentlich schade und der Leser bekommt einen völlig falschen Eindruck.
DMenakker 03.09.2014
3.
Was ist denn das für ein billiger Versuch eine Gewerkschaft zu diskreditieren? Ich bin nicht gerade als Gewerkschaftsfreund bekannt, aber gerade der GDL gegenüber ( genauso wie übrigens Cockpit ) wird doch sowieso schon die Neidkeule herausgeholt, weil die teils am längeren Hebel sitzen, als manche andere Gewerkschaft und dann auch dementsprechend mehr für ihr Klientel herausholen, und dann hier noch ein Artikel, dass der Chef sich "drückt"? Denn genau das sollte der Artikel doch suggerieren, oder?
westerwäller 03.09.2014
4. Genießen Menschen keinen Respekt mehr?
Wie kann man den jetzigen und zukünftigen (als privat gekennzeichneten!) Aufenthaltsort eines Menschen in der Presse veröffentlichen? "Am Mittwochmorgen hat er im Schlosshotel im beschaulichen Lübbenau eine knappe Bahnstunde von Berlin entfernt, eingecheckt. Im dem rekonstruierten Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert, der einst als Pferdestall diente, bewohnt er Zimmer Nummer 7. SPIEGEL ONLINE erreichte ihn dort telefonisch. Nachfragen wollte Weselsky nicht beantworten. Es handle sich um eine Privatangelegenheit, sagte er - und legte auf." Sollen jetzt dort empörte Bahnkunden Stinkbomben gegen die Tür von Zimmer Nr. 7 werfenß
ickweeßjanich 03.09.2014
5. Sich über die Veröffentlichung privater Fotos zu empören...
...und dann die Zimmernummer eines Poiltikers ins Netz zu stellen...widerlicher kann man nicht heucheln.
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