Finanzierung von dringenden Investitionen Bahnbeauftragter der Regierung schlägt höhere Fahrpreise vor

Verspätete Züge, kaputte Technik, Personalmangel: Bei der Bahn läuft eine Menge schief. Enak Ferlemann, Bahnbeauftragter der Regierung, würde die Probleme mit höheren Fahrpreisen bewältigen.

Zugabfahrt
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Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), hat zur Finanzierung von Investitionen höhere Fahrpreise ins Gespräch gebracht. "Die Bahn könnte ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren", sagte Ferlemann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch Fernbusse würden teurer, "die Zeiten des ruinösen Wettbewerbs sind vorbei". Es könne nicht der Normalfall sein, für 19 Euro quer durch Deutschland zu fahren.

Ferlemann kritisierte aber auch die Bahn und deren Forderungen nach mehr Geld. "Immer höre ich von der Bahn: Wenn ihr uns für dieses oder jenes mehr Geld gebt, wird alles besser", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Doch das Gegenteil sei eingetreten. Seit eineinhalb Jahren gebe es auf einmal riesige Probleme im täglichen Betriebsablauf. Da sage er als Bahnbeauftragter: "Ihr müsste euren Job machen, das System muss funktionieren. Vorher gibt die Politik kein Geld."

Ferlemann ist der Bahn-Beauftragter der Bundesregierung. Am kommenden Mittwoch wird er ein weiteres Mal mit dem Bahn-Vorstand und dem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zusammensitzen, um über Wege aus der Krise des Staatskonzerns zu sprechen.

Enak Ferlemann
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Enak Ferlemann

CSU-Minister Scheuer hatte nach einem ersten Treffen in Berlin gesagt, für Bahn-Kunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben. Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Der Konzern verfehlte sein Ziel damit deutlich.

Ferlemann sprach sich in dem Interview außerdem für eine komplette Digitalisierung des Schienennetzes aus. Das koste zwar bis 2040 jedes Jahr rund 1,5 Milliarden Euro. Doch damit könne auch viel Geld gespart werden, "weil auf demselben Netz mehr Züge fahren". Dazu müsse sich die Bundesregierung jetzt bekennen, forderte der CDU-Politiker.

Grüne lehnen Preiserhöhung bei der Bahn ab

Er forderte grundsätzlich ein Umdenken in der Politik. In der Vergangenheit sei das Geld lieber in neue, teure Strecken wie zwischen Berlin und München gesteckt worden. "Wichtiger wäre ein Ausbau der Bahnknoten in den Ballungsräumen, da verlieren die Züge zu viel Zeit", zeigte sich Ferlemann überzeugt. Aber Politiker wollten natürlich lieber Schnellstrecken eröffnen als ein Ausweichgleis.

Die Grünen haben sich gegen höhere Preise zur Finanzierung wichtiger Investitionen bei der Deutschen Bahn ausgesprochen. "Höhere Bahnpreise und schlechtere Angebote werden dazu führen, dass Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter am Sonntag. "Die Bundesregierung muss ihre Bahnblockade-Politik endlich aufgeben. Sie muss deutlich mehr Geld in die Bahn investieren und gleichzeitig einen radikalen Neustart bei der Bahn voranbringen, damit das Geld sinnvoll genutzt wird und nicht versickert."

hej/AFP/Reuters



insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
Tharsonius 27.01.2019
1. Klar
Typisch "Bahnbeauftragter". Einfach mal wieder hoch mit den Fahrpreisen. Fernbusse und Binnenflugverbindungen werden sich die Hände reiben. Good job. -.-
japhet 27.01.2019
2. Das Märchen vom günstigen ÖPNV
Volle, gar überfüllte Busse und Bahnen. Das ist der Normalfall. Und dennoch drängen einige noch mehr auf Verzicht des Individualverkehrs und Umstieg auf den ÖPNV. Und man erzählt das Märchen vom subventionierten Individualverkehr, nur weil man Steuern auf Benzin und Diesel gerne noch weiter erhöhen möchte. Dabei ist der ÖPNV subventioniert, und doch noch nicht ausreichend finanziert.
rulllu 27.01.2019
3. 19? quer durch Deutschland?
Warum zahle ich dann für eine ca ein stündige Fahrt nach Köln fast 30 ? ? Ich mag die bahn nicht und meide es mit dem Zug zufahren so gut es geht. Aber ja erhöht die Preise ,die bereits genervten Kunden werden ganz sicher Verständnis haben.
awoth 27.01.2019
4. Und die höheren Preise
werden dann als zusätzliche Einnahmen direkt an den Vorstand weitergereicht. Damit die Damen (Quote!) und Herren einen besseren Job machen! Selten so gelacht! Genauso hat die Bahn in den letzten Jahren aber auch alles kaputt gemacht, was man überhaupt kaputtmachen kann!
mullertomas989 27.01.2019
5. Waa für dumme Aussagen....
Jeder weiß, dass der Bund in den letzten Jahrzehnten viel zu wenig ins Netz investiert hat! Und Ferlemann tut so, als wäre nur die Bahn selbst für die Probleme verantwortlich! Wenn er meint, Geld sei teilweise versickert, sollte das BMVI halt selbst die Infrastruktur erhalten bzw. ausbauen. Aber die Bundespolitik muss sich erstmal selbst für eine erstklassige Bahn entscheiden - und dann ihrer Verantwortung endlich gerecht werden! Einige Länder - allein in Europa! - sind hier längst klar besser!!
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