EU-Rettungspaket Portugal stützt Banco Espírito Santo mit Milliardenhilfe

Portugals Großbank Espírito Santo taumelt - und bedroht womöglich die fragile Wirtschaft in dem Land. Jetzt erhält sie eine staatliche Finanzspritze in Rekordhöhe: rund 4,9 Milliarden Euro.
BES-Filiale in Lissabon (Archivbild): Alte Geschäfte, neuer Name "Novo Banco"

BES-Filiale in Lissabon (Archivbild): Alte Geschäfte, neuer Name "Novo Banco"

Foto: Mario Cruz/ dpa

Lissabon - In Portugal wächst die Sorge vor einer neuen Banken- und Finanzkrise. Die angeschlagene Großbank Espírito Santo (BES) soll deshalb nun mit einer Milliardenspritze vor dem Kollaps gerettet werden: Die führende Privatbank des Landes erhalte vom Staat rund 4,9 Milliarden Euro, ihre faulen Kredite und Geschäfte sollen in eine "Bad Bank" ausgelagert werden, teilten Zentralbankchef Carlos Costa und das Finanzministerium mit. Aktionäre und Gläubiger müssen demnach mit schweren Verlusten rechnen.

"Das Abwicklungsprogramm sieht im Gegensatz zu früheren Lösungen überhaupt keine Kosten für den Staat oder für den Steuerzahler vor", versicherte Costa. Es stehe zudem außer Frage, so Costa, "dass die Kunden und Einlagenbesitzer Verluste erleiden".

Alte Bank mit neuem Namen "Novo Banco"

Das Geld für die Finanzspritze für die BES soll von einem 2012 auf Druck der Geldgeber gegründeten und von Banken finanzierten Abwicklungsfonds bereitgestellt werden. Die 4,4 Milliarden Euro stammen damit aus dem EU-Hilfspaket, das Portugal in der Krise von der Europäischen Union, dem Internationalen Währungsfonds IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen hatte. In dieser Kasse sind nach amtlichen Angaben von insgesamt 12 Milliarden Euro noch 6,4 Milliarden Euro übrig.

Zentralbankchef Costa zufolge soll die neue BES unter dem Namen Novo Banco ("Neue Bank") ab Montag ihre Geschäfte normal weiterführen. Das Finanzministerium hob hervor, dass "alle Einlagen, alle Bankdienste, alle Arbeitsplätze und die geschäftlichen Beziehungen der Bank" geschützt seien. Weniger Glück hatten die Aktionäre, darunter mit einem Anteil von 14,6 Prozent die französische Bank Crédit Agricole, die mit herben Verlusten rechnen müssen. "Sie werden die Verantwortung für die verbleibenden Risiken tragen müssen", sagte Costa.

Die EU-Kommission genehmigte den Rettungsplan. Die staatliche Hilfe und die Gründung einer "Bad Bank" für faule Kredite entsprächen den europäischen Regeln, teilte die Behörde nach einer Prüfung des Falls mit. Es sei gewährleistet, dass der Wettbewerb in Europa so wenig wie möglich verzerrt werde. Sparer und andere Kunden würden geschützt. Der Schritt stelle das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsektors wieder her und gewährleiste, dass das Geschäft weitergehen könne.

Die BES, eines der ältesten und größten Finanzinstitute der Eurozone, hatte am Mittwoch für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Notenbank sprach von "Hinweisen" auf illegale Geschäfte. Allein vergangene Woche war der Kurs der Bank von 0,45 auf 0,12 Eurocent pro Aktie eingebrochen.

bos/AFP/dpa