Fotostrecke

Textilindustrie in Bangladesch: Fünf Jahre nach dem Rana-Plaza-Unglück

Foto: Nick Kaiser/ dpa

Fünf Jahre nach Fabrikeinsturz Wie korrekt sind T-Shirts aus Bangladesch?

Beim Rana-Plaza-Unglück in Bangladesch starben mehr als 1100 Menschen. Seither hat sich der Brandschutz in vielen Textilwerken verbessert, und es gibt weniger Kinderarbeit. Viele Näherinnen kriegen immer noch Hungerlöhne.

Auf die Sicherheitsvorkehrungen in seiner Textilfabrik ist Nashir Uddin Mia wirklich stolz. Weniger als eine Minute bräuchten seine Arbeiter bei Brandschutzübungen, um das Gebäude zu räumen, erzählt der Unternehmer. Bei One Composite Mills 30 Kilometer nördlich von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka nähen Frauen und Männer T-Shirts und andere Kleidung für Kunden aus aller Welt, darunter die deutsche Handballmarke Kempa.

Tatsächlich fällt die Orientierung selbst denjenigen leicht, die das erste Mal zu Besuch sind. Auf den Boden gemalte Pfeile weisen in Richtung Ausgang, im Treppenhaus hängen Evakuierungspläne und an den Wänden Feuerlöscher. An den Deckenlampen sind Schilder befestigt, die auf eine Hotline für Beschwerden über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen hinweisen.

Dass in der Textilindustrie des südasiatischen Landes ursprünglich ganz andere Verhältnisse herrschten, erfuhr die Welt vor fünf Jahren, am 24. April 2013, als das achtstöckige Rana-Plaza-Fabrikgebäude am Rande von Dhaka einstürzte und mehr als 1100 Menschen unter sich begrub.

Abkommen für mehr Sicherheit

Für die Greenpeace-Textilexpertin Kirsten Brodde stellt die Katastrophe im Rückblick einen Wendepunkt dar, der die Wahrnehmung vieler deutscher Konsumenten veränderte. "Man konnte plötzlich sehen, wie skandalös die Produktionsbedingungen in der Textilindustrie waren", sagt sie. "Danach war es nicht mehr möglich, einfach wegzugucken."

Fotostrecke

Textilindustrie in Bangladesch: Fünf Jahre nach dem Rana-Plaza-Unglück

Foto: Nick Kaiser/ dpa

Kurz nach dem Unglück unterschrieben mehr als 200 ausländische Unternehmen, die in Bangladesch Kleidung produzieren lassen - darunter auch viele deutsche - mit den lokalen Gewerkschaften ein Abkommen für Brandschutz und Gebäudesicherheit. Das hatte unter anderem Inspektionen in mehr als 1800 Fabriken zur Folge - viele Mängel wurden behoben und manche Fabriken geschlossen.

Siddiqur Rahman, der Chef der Textilindustrie-Vereinigung BGMEA, hat trotz des erhöhten Drucks vonseiten der Auftraggeber und Aufsichtsbehörden seinen Frieden mit dem Abkommen gemacht. Denn er kann inzwischen mit den Erfolgen prahlen. Gerne erzählt Rahman, dass es in seiner Industrie keine Kinder- und Zwangsarbeit mehr gebe, dafür Sprinkleranlagen und Brandschutztüren. Sieben der zehn umweltfreundlichsten Fabriken der Welt stünden in Bangladesch. "Wir können nun stolz sagen, dass unsere Fabriken die sichersten der Welt sind."

Großkunden drücken die Preise

Die Exporteinnahmen der Textilbranche - von denen die Wirtschaft des Landes, einem der ärmsten der Welt, stark abhängt - werden Rahman zufolge in diesem Jahr voraussichtlich um zehn Prozent auf mehr als 30 Milliarden Dollar (gut 24 Milliarden Euro) steigen.

Auch die Arbeitnehmervertreter sehen Fortschritte, etwa die deutlich gesunkenen Zahlen der Brände und Einstürze. Es sei aber noch nicht genug, sagt Gewerkschaftschef Amirul Haque Amin. Bei vielen Subunternehmern gebe es noch Zwangsüberstunden. Und vom Mindestlohn für Textilarbeiter von monatlich 5300 Taka (etwa 51 Euro) könne man nicht leben - "nicht einmal, wenn man keine Familie hat".

Regierung und Arbeitgeber verweisen hingegen auf den massiven Preisdruck der Kunden aus den westlichen Industrieländern. Große Auftraggeber wie Primark, Aldi, Lidl, Kik und H&M drückten die Preise, sagt Fabrikbesitzer Mia.

Zugleich stiegen neben den Löhnen auch die Stoff- und Gaspreise. So könne man kein Geld verdienen. Wenn ein Verbraucher im Westen statt drei Bier nur zwei trinken würde, rechnet Mia vor, könne er es sich leisten, einen Dollar mehr für ein Polohemd auszugeben. "Kein Konsument wird verarmen, wenn er einen Dollar mehr zahlen muss."

mik/dpa-AFX
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.