Bankdaten Konzerne sollen Liechtenstein für Schmiergeld genutzt haben

Neuer Wirbel um Datendieb Heinrich Kieber: Laut "Stern" besitzt der Ex-Banker Unterlagen, wonach der Schweizer Elektrokonzern ABB Schmiergeldzahlungen über die Liechtensteiner Bank abgewickelt hat. Auch die insolvente Baufirma Holzmann wird beschuldigt.
Heinrich Kieber: Will er noch mehr Betrügereien öffentlich machen?

Heinrich Kieber: Will er noch mehr Betrügereien öffentlich machen?

Foto: AFP / Polizei Liechtenstein

Hamburg - Droht nun weiteren Liechtensteiner Steuerbetrügern die Enthüllung? Bislang war Klaus Zumwinkel der einzig Prominente, der aufgrund von Daten des Ex-Bankers Heinrich Kieber verurteilt wurde. Nun berichtet der "Stern" über weitere Skandale, vor allem beim Schweizer Elektroriesen Asea Brown Boveri (ABB). Der Konzern soll Schmiergeldzahlungen über die Liechtensteiner LGT Bank abgewickelt haben.

Der "Stern" beruft sich auf Unterlagen der fürstlichen LGT Treuhand, die Kieber 2002 entwendet und 2006 für fünf Millionen Euro an den Bundesnachrichtendienst (BND) verkauft hatte. Demnach habe ABB im Jahr 2001 rund 20 Millionen Euro auf das Stiftungskonto des damaligen Entrelec-Präsidenten überwiesen - "steuerneutral", wie es in einer LGT-Akte beschönigend heiße. Der Manager hat die Vorwürfe inzwischen als falsch zurückgewiesen.

Außerdem seien ABB-Gelder in zweistelliger Millionenhöhe im Fürstentum gelandet, transferiert über Tarnfirmen mit Sitz auf den British Virgin Islands. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte ein ABB-Sprecher die Angaben weder bestätigen noch dementieren. "ABB wird sich die vom 'Stern' erhobenen Vorwürfe genau anschauen", sagte er. "Bis wir ein genaueres Bild haben, können wir leider keine weitere Stellungnahme abgeben."

Wurde ein Extragewinn über zehn Millionen Dollar kaschiert?

Auch der mittlerweile insolvente deutsche Baukonzern Philipp Holzmann soll laut dem Bericht jahrzehntelang eine geheime Gesellschaft bei der LGT Treuhand gehabt haben, die Sabbia AG. Sie soll in den neunziger Jahren etwa dazu verwandt worden sein, einen Extragewinn von über zehn Millionen Dollar zu kaschieren, der aus dem Neubau der Kairoer Kanalisation stammte. Als Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Holzmann 1999 Staatshilfen versprach, lagen auf dem Liechtensteiner Konto laut "Stern" noch rund 400.000 Dollar.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters von Holzmann bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass es Konten in Liechtenstein gab, sie seien für das Auslandsgeschäft verwandt worden. Mittlerweile seien die Konten "alle aufgelöst und das Geld der Insolvenzmasse zugeführt worden", sagte der Sprecher. "Und natürlich werden sie auch ordnungsgemäß versteuert."

Kieber hatte in der vergangenen Woche bereits mit einem Interview und einem 652 Seiten starken "Tatsachenbericht" auf sich aufmerksam gemacht. Sein Antrieb ist offenbar, dass er sich am Liechtensteiner Fürsten Hans-Adam II. rächen will. Kritiker werfen Kieber Wichtigtuerei vor - aber seine Insider-Informationen sind für Steuerfahnder auf der ganzen Welt von großem Wert.

cte
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