Banken Berlin setzt sich jetzt für öffentliche Stresstests ein

Rückschlag für die Lobby der deutschen Banken: Die Bundesregierung macht sich einem Zeitungsbericht zufolge für die Veröffentlichung der Ergebnisse sogenannter Banken-Stresstests stark. Bislang hatte sie stets für die Vertraulichkeit der Daten plädiert.

Frankfurter Bankentürme: Entschieden gegen Veröffentlichung von Stresstests
DPA

Frankfurter Bankentürme: Entschieden gegen Veröffentlichung von Stresstests


Hamburg - Die Veröffentlichung bislang vertraulicher Daten zur Finanzlage europäischer Banken rückt laut einem Pressebericht näher. Die deutsche Bundesregierung sei trotz massiven Widerstands der deutschen Geldinstitute inzwischen dafür, dass die Ergebnisse sogenannter Banken-Stresstests öffentlich zugänglich gemacht werden, berichtet die "Financial Times Deutschland" und beruft sich auf Regierungskreise. Dadurch könne an den Märkten für mehr Transparenz und Vertrauen gesorgt werden.

Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte dem Bericht zufolge am Mittwoch, derzeit stimme sich die Bundesregierung mit den EU-Partnern über eine gemeinsame Linie ab. Aus Regierungskreisen hieß es dem Blatt zufolge, man habe den europäischen Partnern und auch den G7-Staaten signalisiert, dass Berlin "grundsätzlich dafür" sei, die Ergebnisse von Banken-Stresstests offenzulegen. Eine Einigung könne bereits beim EU-Gipfel in Brüssel an diesem Donnerstag zustande kommen.

Die deutsche Kreditbranche lief Sturm gegen den spanischen Vorstoß. "Das ist aus unserer Sicht weder sinnvoll noch rechtlich möglich", zitiert die Zeitung einen Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken. Die Gefahr von Fehlinterpretationen sei zu groß, wenn Details zur erwarteten Finanzlage einzelner Institute in Extremsituationen offengelegt würden. In Deutschland steht derzeit das Kreditwesengesetz (KWG) einer Veröffentlichung solcher Informationen entgegen.

Spanier wollen Bedenken zerstreuen

Dass sich Deutschland für eine Veröffentlichung starkmacht, gilt als Kehrtwende. In der Vergangenheit hatte Berlin dies strikt abgelehnt. Am Montag hatten die Spanier gefordert, dass die Testergebnisse der größten europäischen Banken veröffentlicht werden. Am Mittwoch war Madrid mit der Ankündigung vorgeprescht, auf jeden Fall die Ergebnisse spanischer Institute offenzulegen.

Die Spanier wollen damit Sorgen an den Märkten wegen der Krise des spanischen Finanzsektors zerstreuen. Zumindest die großen Institute des Landes gelten als vergleichsweise gut mit Kapital ausgestattet - im Gegensatz zu den Sparkassen, die von der Krise des Immobilienmarkts hart getroffen wurden. Die werden aber vom EU-weiten Banken-Stresstest gar nicht erfasst.

In der EU werden die Banken von der europäischen Aufsichtsbehörde CEBS getestet. Im vergangenen Jahr hatte die Institution erstmals 22 große Institute daraufhin geprüft, ob sie schweren Krisen standhalten. Ergebnisse für einzelne Institute dürfen die Aufseher bislang nicht veröffentlichen. Insgesamt seien die Banken "ausreichend kapitalisiert", hieß es damals nur. Im März begann ein weiterer europaweiter Bankentest.

mik/dpa.AFX/Reuters



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irgendwer_bln 17.06.2010
1. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Klingt doch gut. Eine Möglichkeit für den Steuerzahler das Risiko abzuschätzen, wieder mit Staatsgeldern intervenieren zu müssen. Nun brauchen wir für den Ernstfall nur noch ein Veto-Recht! Das die Bankenlobby sich dagegen streubt war klar, dass man sie ignoriert, nicht. Schön! Das Agument mit der gefahr der Fehlinterpretation halte ich für unlogisch. Die Interpretation wird von Fachleuten vorgenommen und nicht von Reportern oder ahnungslosen Bürgern.
Thomas Kerschbaum 17.06.2010
2. Für Transparenz ist es zu spät !!!
Zitat von sysopRückschlag für die Lobby der deutschen Banken: Die Bundesregierung macht sich einem Zeitungsbericht zufolge für die Veröffentlichung der Ergebnisse sogenannter Banken-Stresstests stark. Bislang hatte sie stets für die Vertraulichkeit der Daten plädiert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701197,00.html
Die Veröffentlichung von unverfälschten Stresstestergebnissen wäre ein großer Fehler. Sie würden unmittelbar zu einem "Bankrun" führen und das Vertrauen in die Währungen wäre zerstört. Der nicht mehr abwendbare Finanzkollaps würde sofort eintreten.
irgendwer_bln 17.06.2010
3. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an! - Part II
Zitat von Thomas KerschbaumDie Veröffentlichung von unverfälschten Stresstestergebnissen wäre ein großer Fehler. Sie würden unmittelbar zu einem "Bankrun" führen und das Vertrauen in die Währungen wäre zerstört. Der nicht mehr abwendbare Finanzkollaps würde sofort eintreten.
...sprach Hr. Ackermann... "Sofortiger Finanzkollaps" - Meinen Sie nicht, dass ist e-t-w-a-s dramatisiert? Ich glaube, die Interpretation von Fachleuten werden veröffentlicht. Den Test selber würde die aktuell gängigen Datenschutzbestimmungen bestimmt verletzen. Sie können den Bau des Atombunkers erstmal stoppen... :-D
koios 17.06.2010
4. Schon lange überfällig!
Ein erster, kleiner Schritt hin zu der Möglichkeit, das selbstverliehene Prädikat der "Systemrelevanz" zu überprüfen. Dabei bleibt aber zu hoffen, daß es sich bei den - geplanten - Stresstests nicht um eine der üblichen Bürgerverdummungsaktionen der Polit-Kaste (s.a. Verbraucherinformationsgesetz) handelt. Gerade die Ir-Realwirtschaft, die z.B. mit der SCHUFA ein System schufen, das noch über unserem Rechtssystem steht, muß zu mehr Transparenz gezwungen werden.
brux 17.06.2010
5. Logik
Zitat von Thomas KerschbaumDie Veröffentlichung von unverfälschten Stresstestergebnissen wäre ein großer Fehler. Sie würden unmittelbar zu einem "Bankrun" führen und das Vertrauen in die Währungen wäre zerstört. Der nicht mehr abwendbare Finanzkollaps würde sofort eintreten.
Nach Ihrer Meinung sollten also verfälschte Testergebnisee publiziert werden? Wer nichts zu verbergen hat, kann ja keine Sorgen haben. Wer allerdings Finanzleichen im Keller hat, muss etweder Kapital nachlegen oder den Markt verlassen.
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