Finanzaufsicht Banken sollen mit Milliarden für Krisenzeiten vorsorgen

Die Immobilienmärkte laufen heiß, die Konjunktur kühlt sich ab. Nun fordert die Finanzaufsicht von den Banken, mehr Eigenkapital vorzuhalten. Die haben aber noch Zeit, die Vorgaben zu erfüllen.
Frankfurter Skyline: Banken sollen künftig einen Milliardenpuffer für Krisenzeiten aufbauen

Frankfurter Skyline: Banken sollen künftig einen Milliardenpuffer für Krisenzeiten aufbauen

Foto: Michael Probst/ AP

Deutschlands Banken sollen künftig höhere Kapitalpuffer für Krisenzeiten zurücklegen. Das will die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zum 1. Juli umsetzen. Vorangegangen war eine Empfehlung des Ausschusses für Finanzstabilität (AFS). Ziel sei es, dass die Banken in guten Zeiten ein Reservepolster aufbauen, um damit in schlechteren Zeiten Verluste auffangen zu können.

Dafür empfiehlt der Ausschuss die Aktivierung des sogenannten antizyklischen Kapitalpuffers, der die Finanzinstitute gegen unvorhergesehene Entwicklungen wappnen soll. Dieser Puffer liegt derzeit bei null Prozent und soll nun erstmals auf 0,25 Prozent der risikogewichteten Aktiva angehoben werden.

Nach Angaben der Bafin müssen Banken damit 5,3 Milliarden Euro mehr hartes Kernkapital vorhalten. Die Geldhäuser sollen aber zwölf Monate Zeit bekommen, die Vorgaben zu erfüllen.

Die deutsche Wirtschaft befinde sich derzeit zwar "im längsten Aufschwung seit der Wiedervereinigung", erklärte der AFS. Sollte es jedoch zu Systemrisiken kommen, könne das Bankensystem darauf mit einer übermäßigen Einschränkung der Kreditvergabe an die Realwirtschaft reagieren. Mit dem Finanzpolster werde nun "in wirtschaftlich guten Zeiten ein Puffer im Bankensystem aufgebaut".

Noch keine akuten Systemrisiken in Sicht

Es handele sich dabei um einen "atmenden" Puffer, betont die Bafin. Er kann also je nach Lage wieder verringert werden. Der AFS war erstmals im März 2013 zusammengetreten. Im AFS vertreten sind das Finanzministerium, die Bundesbank sowie die Bafin selbst.

Finanzstaatssekretär Jörg Kukies sagte, die jetzige Maßnahme diene allein der Prävention. "Wir sehen keine konkreten Anzeichen für akute Systemrisiken." Die Bundesbank verwies trotzdem auf zahlreiche potenzielle Risiken, unter anderem einen harten Brexit, eine Überhitzung des Immobilienmarkts sowie überbewertete Kreditsicherheiten.

Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Paus, forderte eine zügige Umsetzung der Empfehlung des Ausschusses. "Die Banken müssen jetzt mit höherem Eigenkapital vorsorgen, damit sie in der Krise nicht wieder Wirtschaft und Gesellschaft in Geiselhaft nehmen", erklärte sie. Selbst wenn an der Oberfläche alles rosig scheine und die Wirtschaft boome, "heißt das nicht, dass die Risiken nicht steigen".

hej/AFP/Reuters
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