Bankenrettung Steinbrück bestätigt neuen Milliardenbedarf für HRE

Die Pleitebank Hypo Real Estate könnte noch mehr Steuergelder verschlingen - doch der Finanzminister bleibt gelassen. Der neue Milliardenbedarf der HRE sei absehbar gewesen, sagt Steinbrück. Derweil protestieren Anlegerschützer gegen die Zwangsabfindung für die restlichen Aktionäre.
HRE-Zentrale in München: Fass ohne Boden

HRE-Zentrale in München: Fass ohne Boden

Foto: ? Michael Dalder / Reuters/ REUTERS

Berlin - Peer Steinbrück scheint nichts mehr zu schockieren. Auch das neue Milliardenloch bei der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) lässt den SPD-Finanzminister offenbar kalt. Eine weitere Hilfe sei "absehbar" gewesen und daher keineswegs überraschend, erläuterte Steinbrück am Mittwoch in Berlin.

Die "Bild"-Zeitung hatte unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, dass der Finanzbedarf bis Jahresende bei bis zu sieben Milliarden Euro liege. Bisher hat die HRE rund drei Milliarden Euro direkte Kapitalhilfen erhalten. Der neue Geldbedarf müsse vom staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin bereitgestellt werden, schreibt die "Bild". Steinbrück hingegen nannte keinen konkreten Finanzbedarf.

Wie die Zeitung weiter schreibt, liegt der Unternehmenswert der HRE derzeit bei Null. Das habe ein von der Bank in Auftrag gegebenes Wertgutachten ermittelt. Bei dem Gutachten handelt es sich um ein Pflichtdokument, das vor der Abfindung von Aktionären erstellt werden muss. Die HRE-Aktionäre könnten nun auf eine Abfindung in Höhe von rund 1,30 Euro pro Aktie hoffen, hieß es.

Die geplante Zwangsabfindung des Bundes stößt unterdessen auf massiven Widerstand bei den HRE-Aktionären. Der vom Bankenrettungsfonds SoFFin festgelegte Preis von 1,30 Euro je HRE-Aktie für die noch verbleibenden Aktionäre sei zu gering, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch mit. Das Angebot müsse vor Gericht überprüft werden.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) kündigte juristischen Widerstand gegen das Vorgehen und die Höhe des Angebots an. SdK-Geschäftsführer Harald Rotter gab zu bedenken, dass der Bund im Frühjahr im Rahmen des Übernahmeangebots noch 1,39 Euro pro Titel gezahlt habe. "Wir haben beim Squeeze-Out mit einer Offerte in gleicher Höhe gerechnet", erklärte auch Daniela Bergdolt von der DSW.

Für die Abfindung muss der Bund insgesamt 156 Millionen Euro berappen. Beim Bankenstützungsfonds SoFFin war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Bund hält bereits 90 Prozent an dem Münchner Geldinstitut, das seit Monaten mit tiefroten Zahlen Schlagzeilen macht. Auf der Hauptversammlung am 5. Oktober - der dritten in diesem Jahr - soll das Unternehmen vollständig in den Besitz des Bundes übergehen. Erst danach können die Anlegervertreter die Höhe der Abfindung vor Gericht klären lassen.

Die Höhe der Zwangsabfindung haben Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers in einem Gutachten ermittelt. Dabei stützten sie sich auf den Aktienkurs der vergangenen Monate. Am Mittwoch kostete der im MDax notierte Titel 1,37 Euro. Vor gut einem Jahr hatte die Aktie noch mehr als 17 Euro gekostet.

yes/Reuters
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