Bankgebühren für SMS-TAN Zu viel Geld für eine Nummer

Banken dürfen nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs Gebühren für das Verschicken einer TAN per SMS berechnen. Aber: Kunden können sich ihr Geld zurückholen.

Ein Heißluftballon in der Form eines Sparschweines mit einem aufgedruckten Sparkassen-Logo
DPA

Ein Heißluftballon in der Form eines Sparschweines mit einem aufgedruckten Sparkassen-Logo

Eine Kolumne von


Eins zu null für die Banken - so konnte man am Dienstag denken, als der Bundesgerichtshof (BGH) verkündete, dass Banken selbstverständlich Geld für SMS-TAN kassieren dürfen, die sie ihren Kunden zur Verifizierung von Überweisungen und Ähnlichem schicken (Az. XI ZR 260/15).

Vermeintlich geht es nur um kleine Beiträge, 8 Cent pro SMS bei der Kreissparkasse Saarlouis, bis zu 25 Cent bei der Sparda-Bank Augsburg. (Finanztip hat gerade eine Liste mit rund 60 Banken mit solchen Gebühren zusammengestellt). Doch auch Kleinvieh macht bekanntlich Mist: Bei 15 Bankgeschäften im Monat werden aus 10 Cent 1,50 Euro, das sind immerhin 18 Euro im Jahr.

Und das BGH-Urteil schaffte es bis in die Abendnachrichten, denn die SMS-Gebühr, rechtmäßig oder nicht, regt viele Leute auf. Immerhin 30 Prozent aller 17 Millionen Onlinekunden der Sparkassen und sogar 45 Prozent der Onlinekunden der Volks-und Raiffeisenbanken nutzen die SMS-TAN, so die Bankverbände.

Solche Gebühren führen beim Kunden zu Kopfschütteln

Das System konnte bisher überzeugen: Denn das sogenannte SMS-TAN-Verfahren gilt als sicherer als die Verwendung von TAN-Listen (durchnummerierte Liste von Transaktionsnummern, von denen bei einer Überweisung eine bestimmte abgefragt wird), die man mal schnell auf dem Schreibtisch oder in der Schreibtischschublade herumliegen lässt.

Da finden es viele Kunden bequemer, bei jedem Bankgeschäft jeweils nur einzeln eine Nummer aufs Handy zugesendet zu bekommen. Auch ich hielt das für einen ziemlich guten kostenlosen Service, als ich begann, mit der mobilen TAN mein Girokonto zu führen. Eine private SMS an Freunde kostete damals noch 19 oder 29 Cent, und meine Bank schickte diese SMS ohne sie zu berechnen.

Seit zwei Jahren verlangen aber immer mehr Banken plötzlich Geld für diese einst kostenlose SMS. Das brachte den Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) dazu, gegen diese Gebühren zu klagen: Die mobile TAN sei für das Onlinekonto notwendig wie der Schlüssel fürs Hotelzimmer. Keinesfalls dürfe dafür eine Gebühr verlangt werden.

Auch beim Kunden führen die Gebühren zu immer mehr Kopfschütteln. Denn während ihre Banken mehr und mehr dafür berechnen, verschwinden auf der anderen Seite die Kosten, die Mobilfunkbetreiber für private SMS berechnen. Diese sind inzwischen Teil einer Flatrate, gemeinsam mit Surfen im Internet und auch noch Telefonieren - für gerade mal zehn Euro im Monat. Und jetzt wollen die Banker Gebühren? In welcher Welt leben diese Banker mit ihren Gebühren?

"Geben Kosten nach dem Verursacherprinzip weiter"

Volksbanken und Sparkassen behaupten, sie würden die Gebühren ja gar nicht selbst behalten, das seien nur durchgeleitete Kosten anderer Firmen. "Bei uns kostet eine mobile TAN tatsächlich 9 Cent pro SMS. Das sind die Kosten, die uns unser Rechenzentrum pro verschickter SMS in Rechnung stellt", schrieb mir zum Beispiel die Berliner Volksbank. "Wir geben diese Kosten nach dem Verursacherprinzip an den jeweiligen Kunden weiter."

Allerding sind die Gebühren nicht in jedem Fall zulässig: Das Gericht urteilte nämlich, in jedem einzelnen Fall müsse nachgewiesen sein, dass mit der mobilen TAN tatsächlich ein Bankgeschäft getätigt worden sei. Wenn nämlich die Geschäftsbedingungen aktuell an dieser Stelle ungültig sind, können die Kunden alle Gebühren zurückverlangen, die sie für mTANs in den vergangenen drei Jahren gezahlt haben. Bei 18 Euro im Jahr also zum Beispiel 54 Euro.

Dafür lohnt sich auch ein Einschreiben an die Bank. Nach Urteilen des Bundesgerichtshofs erfolgreich unzulässige Gebühren von Banken zurückzuholen - das kennen immer mehr Kunden schon. Vor drei Jahren holten Hunderttausende Kunden Kreditbearbeitungsgebühren zurück.

Zwietracht wird das Urteil auch in den Reihen der Genossenschaftsbanken und bei den Sparkassen säen. Alle Sparkassen und praktisch alle Genossenschaftsbanken machen die Abwicklung der mobilen SMS ja nicht selbst, sondern lassen das Geschäft von ihrem jeweiligen zentralen IT-Dienstleister abwickeln, der Fiducia & GAD IT bei den Genossenschaftsbanken und der Finanz Informatik bei den Sparkassen. Die werden sich jetzt darum kümmern müssen, für die Banken und Sparkassen in der Fläche ein System zu entwerfen, das kostenpflichtige und nicht kostenpflichtige mobile TANs fein säuberlich trennt.

Und manche Kunden werden sich zu recht wundern, warum denn die Sparkasse Saarlouis 8 Cent pro SMS nimmt und Sparkasse Dortmund 12, wo doch in beiden Fällen jeweils der gleiche Dienstleister aktiv ist und angeblich nur die Kosten dieses Dienstleisters an die Kunden weitergegeben werden. Irgendwer ist in diesem Spiel nicht ganz transparent und ehrlich.



insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
marcus_tullius 29.07.2017
1. Ungebührlich
Der BGH spricht in seinem Urteil von Entgelt (oft zu "Endgeld" verschandelt), nicht von Gebühr. Eine Sparkasse oder eine Bank kann ebenso wenig Gebühren verlangen wie Abgaben oder Steuern einziehen. Das können nur Behörden. Wenn Laien von Gebühren reden, sollten Sie das als Fachmann (sind Sie doch, oder?) nicht falsch vor- und nachmachen. Es sind Entgelte, Kosten, Preise, sprechen Sie meinetwegen von Bimbes, Kohle, Schotter oder Knete, aber um Himmels willen nicht von Gebühren. Warum? Weil Gebühren (die echten) meist unausweichlich und quasi gottgegeben sind, die Entgelte der Sparkassen eben nicht. Wie der BGH Mal für Mal eindrucksvoll beweist.
Sabin Chen 29.07.2017
2. zum Glück
stellt die Landessparkasse zu Oldenburg eine App bereit, die die Tan dann generiert. Kostenfrei natürlich.
frenchie3 29.07.2017
3. Irgendwie sehe ich das anders
Die Bank bekommt die Verbindung nicht sicher und der Kunde soll löhnen
cih 29.07.2017
4. wieso wird
immer wieder diese mobile TAN hochgeholt und verteufelt? Meine Sparkasse hat mir kostenlos einen TAN-Generator gegeben wo ich meine Bankkarte einschiebe und daraufhin eine TAN generiert wird. KOSTENLOS!!! So richten sich die Banken halt nur noch auf Schönwetterkunden ein
Posaunist545 29.07.2017
5. 15 TAGS im Monat?
Wer hat das schon? Und wegen 1.5 Euro rumpinsen. Das gibt es nur in D mit der billig billig Mentalität.
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