Steueroase Luxemburg könnte Daten von Großkonzernen weitergeben

Die Steueroase Luxemburg vollzieht eine Kehrtwende. Die Regierung des Großherzogtums könnte künftig nicht nur die Zinserträge ausländischer Privatpersonen automatisch an deren Heimatländer übermitteln - auch Großkonzerne müssen plötzlich bangen.

Hamburg - Luxemburg macht ernst mit dem Abschied vom Steuerparadies. Das Großherzogtum sei offen dafür, auch Informationen großer Konzerne weiterzugeben, sagte der luxemburgische Finanzminister Luc Frieden der "Financial Times".  

Die Ankündigung hat es in sich. Denn bislang hatte Luxemburg nur eingewilligt, ab 2015 Informationen zu Zinserträgen von EU-Bürgern an die jeweiligen Heimatbehörden mitzuteilen, damit die Zinserträge "nach den Rechtsvorschriften letzterer Mitgliedstaaten effektiv besteuert werden". Ausländische Firmen, die ihren Sitz in Luxemburg haben, sollten von der Lockerung des Bankgeheimnisses nicht betroffen sein. Nun könnte auch diese Bastion fallen.

Der Druck auf Länder wie Luxemburg und Österreich war zuletzt deutlich gestiegen - unter anderem durch die Enthüllungen zu Steueroasen und durch die Krise im Niedrigsteuerland Zypern. Die beiden Länder waren zuletzt die einzigen Staaten innerhalb der EU, die nicht an dem geforderten Austausch der Bankdaten teilnehmen. Luxemburg war Mitte April eingeknickt. Auch der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hatte Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) war bei einem Treffen mit ihren EU-Amtskollegen jedoch hart geblieben.

Der Finanzsektor Luxemburgs hat das einst von Schwerindustrie und Landwirtschaft geprägte Land wohlhabend gemacht: Die pro Kopf erbrachte Wirtschaftsleistung in dem Staat mit gut einer halben Million Einwohnern ist eine der höchsten der Welt.

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