EZB Abschaffung des 500-Euro-Scheins wird teuer

Die EZB will den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr ziehen. Laut einem Bericht rechnet die Zentralbank dafür mit Kosten von Hunderten Millionen Euro - die müsste der Steuerzahler tragen.
500-Euro-Scheine

500-Euro-Scheine

Foto: MIGUEL MEDINA/ AFP

Die von der Spitze der Europäischen Zentralbank geplante Abschaffung des 500-Euro-Scheins wird nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ)  selbst im günstigsten Fall mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Das zeigen Schätzungen der Fachleute der nationalen Notenbanken und der EZB im zuständigen Banco-Ausschuss (Banknote Committee), die derzeit Einzelheiten der Umsetzung des geplanten Abschieds von der 500-Euro-Note beraten, berichtete die Zeitung.

Das Gros der Kosten entsteht durch den Druck alternativer Scheine. Die bislang kursierenden 600 Millionen 500-Euro-Scheine müssten durch kleinere Banknoten, wohl vor allem Noten mit dem Nennwert 100 und 200 Euro, umgetauscht werden. Dafür müssten mehrere Milliarden neue Banknoten in recht kurzer Zeit gedruckt werden. Darüber hinaus müsse voraussichtlich eine Summe in dreistelliger Millionenhöhe für die Logistik des Umtauschs aufgebracht werden.

Die Kosten könnten noch deutlich höher ausfallen, je nachdem wie schnell die Maßnahme umgesetzt wird: "Wenn die Abschaffung sehr schnell geschehen soll und die Druckkapazitäten eng werden, könnten die Kosten noch deutlich steigen", sagte ein mit den Beratungen vertrauter Notenbanker der FAZ. Nach Einschätzung von Fachleuten könnte der Druck dann um ein Drittel teurer werden.

Ein EZB-Sprecher sagte, die potenziellen Kosten könnten erst abgeschätzt werden, wenn über alle Details entschieden sei. Dies sei aber noch nicht erfolgt.

Bundesbank trägt ein Viertel der Kosten

Der EZB-Rat hat im Februar den Grundsatzbeschluss gefasst, eine Abschaffung der höchsten Euro-Note prüfen zu lassen. Als Begründung wird vor allem genannt, dass der Schein Kriminellen und Geldwäschern ihr Handwerk erleichtere. Die Banknote gehört weltweit zu den Scheinen mit dem höchsten Wert. In den USA reicht die Skala nur bis 100 Dollar.

EZB-Präsident Mario Draghi hat sich persönlich hinter die Initiative gestellt. Der für Banknoten zuständige EZB-Direktor Yves Mersch ist hingegen skeptisch. Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat Bedenken angemeldet: "Es wäre fatal, wenn die Bürger den Eindruck bekämen, dass ihnen das Bargeld nach und nach entzogen wird."

Die erwarteten Kosten sind für die Notenbanken keine Kleinigkeit. Sie würden ihre Gewinne substanziell schmälern. Der Jahresgewinn der EZB im vergangenen Jahr lag bei 1,1 Milliarden Euro. Die Kosten des Abschieds vom 500-Euro-Schein müssten von den einzelnen nationalen Notenbanken getragen werden, die Banknoten im Auftrag der EZB drucken.

Auf die Deutsche Bundesbank käme so etwa ein Viertel der erwarteten Kosten zu. Da dies ihren Gewinn schmälern würde, der in den Bundeshaushalt fließt, könnten die Kosten der Abschaffung des 500-Euro-Scheins letztlich den Steuerzahler treffen. Im vergangenen Jahr erzielte die Bundesbank einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro.

Erwartet wird, dass der Banco-Ausschuss Anfang Mai eine Vorlage mit verschiedenen Optionen erarbeitet, über die dann der EZB-Rat entscheiden wird.

ade/Reuters
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