Debatte über 1- und 2-Cent-Münzen "Die Bürger haben die Wahl"

Ökonomisch sind kleine Cent-Münzen überflüssig. Doch laut Bundesbank werden sie so schnell nicht abgeschafft. Grund: der Wille der Bürger.
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Händlern und manchen Verbrauchern sind 1- und 2-Cent-Münzen lästig. Kritiker bemängeln die hohen Herstellungskosten der Münzen im Vergleich zu ihrem eigentlichen Nennwert sowie die Unhandlichkeit der winzigen Geldstücke. Doch Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele dämpft die Hoffnung, dass das Kleingeld in absehbarer Zeit abgeschafft wird: "Im Moment gibt es im Euroraum keine Tendenz zur Abschaffung kleiner Münzen", sagte er. Die Abschaffung einzelner Münzen könnte nur auf europäischer Ebene beschlossen werden.

Bei solch einer Abschaffung müssten die Preise für Waren und Dienstleistungen auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag gerundet werden. "Eine Rundungsregel würde auf Dauer faktisch eine Abschaffung der kleinen Münzen mit sich bringen", sagte Thiele. Länder wie Belgien, Finnland, Irland und die Niederlande haben zwar Rundungsregeln für den nationalen Bargeldverkehr eingeführt. Die kleinen Geldstücke bleiben aber auch dort gesetzliches Zahlungsmittel.

Bürger sollen entscheiden

Nach Bundesbank-Auffassung sollen die Verbraucher entscheiden, ob sie 1- und 2-Cent-Stücke weiter nutzen wollten. "Unseren bisherigen Umfragen zufolge will die Mehrheit die kleinen Münzen behalten", sagte Thiele. "Die Bürgerinnen und Bürger haben die Wahl und diese können sie nutzen. Wir als Bundesbank befriedigen die Nachfrage."

Tatsächlich lieben die Deutschen ihr Bargeld. Trotz fortschreitender Digitalisierung will die große Mehrheit der Deutschen laut einer Erhebung des Bankhauses ING-Diba niemals vollständig auf Bargeld verzichten. Demnach stimmten 84 Prozent der Befragten in Deutschland der Aussage zu: "Ich werde nie vollkommen ohne Bargeld auskommen wollen." Nur in Italien war der Anteil mit 85 Prozent noch höher. Der europäische Durchschnitt liegt bei 76 Prozent.

Für den deutschen Staat sind Geldstücke ein gutes Geschäft. Unter dem Strich verdient der Staat mit der Ausgabe von Münzen Geld. Denn die Bundesregierung hat in Deutschland das alleinige Recht, Münzen auszugeben. Dafür steht dem Fiskus die Differenz zwischen dem Nennwert der Geldstücke und ihrem Materialwert zu. Im vergangenen Jahr machte der Bund einschließlich Sammler- und Goldmünzen sowie großer Stückelungen einen Münzgewinn von fast 338 Millionen Euro.

Der Bundesbank zufolge sind aktuell 34 Milliarden 1-Cent-Stücke und 26 Milliarden 2-Cent-Münzen im Umlauf. Ein Teil der verkupferten Münzen landet regelmäßig in Sparschweinen oder geht verloren. Für Aufsehen sorgte kürzlich die Geschichte eines Bankmitarbeiters, der in Oldenburg ein halbes Jahr lang Pfennigstücke zählte. Die 1.055.454 Münzen hatte ein Lkw-Fahrer aus Bremervörde angesammelt.

hej/dpa