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07. September 2010, 19:09 Uhr

BASF-Gen-Kartoffel

Landesregierung stoppt Amflora

Eine Woche nach dem Erntestart der Gen-Kartoffel Amflora kommt das vorläufige Aus: Das Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern ließ die ganze Ernte sicherstellen. BASF soll nun beweisen, dass das Unternehmen nur die zugelassenen Kartoffeln gepflanzt hat.

Schwerin - Erst Ende August stand Bundeswirtschaftsminister Brüderle mit Forke und Gummistiefeln auf einem Kartoffelacker in Zepkow: Zum Erntebeginn der Gen-Kartoffel Amflora wollten Politik und der Konzern BASF Geschlossenheit demonstrieren. Doch damit könnte es jetzt vorbei sein: Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ließ am Dienstag sämtliche Bestände der Saatgutkartoffel Amflora sicherstellen.

Auch eingelagerte Kartoffeln dürften nicht in Verkehr gebracht werden, teilte das Ministerium in Schwerin mit. Mit dem Verbot reagiere man auf Vorfälle in Schweden, wo es zu einer Vermischung von Amflora mit anderen, nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Kartoffeln gekommen sei, sagte Backhaus. Die nach dem Gentechnikgesetz verordnete Sperre gelte solange, bis BASF zweifelsfrei belegen könne, dass die in Zepkow gewachsenen Kartoffeln keine Verunreinigungen aufweisen.

Nach Angaben von BASF waren bereits Ende August bei Qualitätskontrollen in einem Amflora-Bestand im Norden von Schweden nicht zugelassene Gen-Kartoffelpflanzen der Sorte Amadea entdeckt worden. Demnach soll die Vermischung etwa 0,01 Prozent betragen haben. Die Ursache der Vermischung ist bislang nicht bekannt.

Backhaus sagte, sein Vertrauen in die Qualitätssicherung der BASF sei stark erschüttert. Er werde sich nicht mit der bloßen Aussage des Konzerns zufriedengeben, wonach das nach Deutschland und Tschechien gelieferte Pflanzgut nicht von Verunreinigungen betroffen sei. Daher habe er das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei angewiesen, Proben aus Zepkow zu sichern und zu untersuchen. Dokumente und Verfahrensabläufe bei der Ernte, Lagerung und Aussaat würden jetzt umfassend geprüft. Für den Fall einer Verunreinigung müsse das gesamte Erntegut vernichtet werden.

Am Mittwoch treffen sich in Brüssel Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums, des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der Überwachungsbehörden der Anbauländer und der BASF mit der Europäischen Kommission, um die Sachlage zu besprechen und Maßnahmen zu treffen.

kim/ddp/Reuters

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