Mega-Gasleitung Bau der South-Stream-Pipeline beginnt

Die erste Naht an der Mega-Pipeline South Stream durch das Schwarze Meer ist geschweißt. Der russische Energiekonzern Gazprom hat mit dem Bau an der Gasleitung begonnen. Russlands Präsident Wladimir Putin sprach von einem wichtigen Projekt für ganz Europa.
Arbeiter an South-Stream-Pipeline: Eröffnungszeremonie mit Präsident Putin

Arbeiter an South-Stream-Pipeline: Eröffnungszeremonie mit Präsident Putin

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ REUTERS

Anapa - Russland hat mit dem Bau der Gaspipeline South Stream durch das Schwarze Meer begonnen. Mit dem 16 Milliarden Euro teuren Projekt will die Energiegroßmacht weiter auf den europäischen Markt vordringen. Der russische Präsident Wladimir Putin und der staatliche russische Gaslieferant Gazprom   gaben am Freitag den Startschuss für den Bau der Mega-Pipeline mit rund 2380 Kilometern Länge.

Putin sagte, das Projekt sei nicht nur für Russland, sondern für ganz Europa wichtig. "South Stream schafft die Voraussetzung für eine zuverlässige Versorgung unserer Kunden in Europa", so Putin. Nach seiner Rede umarmte der Präsident South-Stream-Aufsichtsratschef Henning Voscherau, den früheren Ersten Bürgermeister von Hamburg. Dann schweißten Arbeiter die erste Naht. An South Stream ist auch die BASF-Tochter Wintershall mit 15 Prozent beteiligt. Das erste Gas soll 2015 durch die Leitung fließen. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur wird South Stream im Jahr 2020 rund zehn Prozent des in der EU verbrauchten Erdgases liefern.

Gazprom-Chef Alexej Miller feierte den Baubeginn nahe der südrussischen Stadt Anapa auch als "Sieg" über das von der Europäischen Union (EU) unterstützte Konkurrenzprojekt Nabucco. "Wir haben Gas, wir haben Abnehmer, bei uns ist alles fertig", sagte Miller. Nabucco kommt hingegen seit Jahren nicht recht voran.

Bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas sollen nach der Fertigstellung jährlich durch die vier Stränge der Pipeline strömen. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 38 Millionen Haushalten. Mit der Leitung unter dem Schwarzen Meer hindurch über Bulgarien an die italienische Grenze will sich Russland von seinem bislang wichtigsten, aber unsicheren Transitland Ukraine lösen. Das maßgeblich von Putin vorangetriebene Projekt geht auf eine Initiative von Gazprom und dem italienischen Energieversorger Eni von 2007 zurück. Gazprom unterhält bereits die Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee nach Deutschland.

Experten sehen angesichts von South Stream kaum Chancen für die Nabucco-Pipeline, die einmal Gas unter Umgehung Russlands aus dem Kaspischen Meer nach Europa transportieren soll. Als wichtigster Partner hatte die Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan im Südkaukasus zuletzt eine kleinere Variante des Vorhabens ins Spiel gebracht.

Die EU wirft Gazprom Missbrauch der Marktstellung vor und hat deswegen im September eine Untersuchung eingeleitet. Zudem pocht die Europäische Union darauf, dass Gasverkäufer wie Gazprom nicht zugleich Besitzer der Transportwege sein dürfen.

Beim Pipeline-Projekt Nabucco hat RWE   unterdessen seinen Ausstieg angekündigt. Der Energieversorger hielt bislang 16,6 Prozent der Anteile und will diese an den österreichischen Mineralölkonzern OMV   verkaufen. Der Preis soll im zweistelligen Millionenbereich liegen.

max/dpa/AFP
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