Trotz Förderkürzungen Solaranlagen in Deutschland boomen

Investoren lassen sich offenbar nicht von den Kürzungen bei der Solarförderung abschrecken. Seit Jahresbeginn wurden in Deutschland viel mehr Anlagen gebaut als im Vorjahreszeitraum. Allein im Juni wurden knapp 1800 Megawatt installiert.
Techniker einer Photovoltaikanlage: Bau in Deutschland boomt

Techniker einer Photovoltaikanlage: Bau in Deutschland boomt

Foto: dapd

Düsseldorf - Der Plan der Bundesregierung zur Begrenzung neuer Solaranlagen geht nicht auf. Trotz Förderkürzungen steuert Deutschland in diesem Jahr auf einen Rekord beim Bau von Solaranlagen zu. Im ersten Halbjahr installierten Investoren Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 4300 Megawatt auf Dächern und Feldern, teilte die Bundesnetzagentur am Donnerstag mit. Damit wird der Wert des Vorjahreszeitraums um das Anderthalbfache übertroffen.

Allein im Juni wurden knapp 1800 Megawatt installiert. Im vergangenen Jahr war mit einer neu installierten Gesamtleistung von 7500 Megawatt ein Rekord erreicht worden.

Der Ökostrom-Boom hat allerdings Tücken: Durch den rasanten Zubau steigen die Kosten für die Stromverbraucher, die über eine Umlage an den Solarinvestitionen beteiligt werden. Deshalb haben sich Bund und Länder auf eine Kürzung der Förderung geeinigt.

Regierung steckt bei Kürzungen in der Zwickmühle

Bauherren von kleinen und mittleren Anlagen kommen dabei glimpflicher weg als Investoren großer Solarfelder. Die beschlossene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die rückwirkend ab April in Kraft trat, sieht unter anderem für den eingespeisten Solarstrom eine Reduzierung der Subventionen von 20 bis über 30 Prozent vor. Die Solarförderung soll bei einer installierten Leistung von 52.000 Megawatt auslaufen.

Die Kürzungen fielen allerdings nicht so stark aus wie ursprünglich geplant. Denn die deutsche Solarindustrie ist durch Billigkonkurrenz aus China unter Druck. Mehrere Firmen sind bereits pleitegegangen. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern stehen Tausende Jobs auf der Kippe.

Zahlen des zum Bosch-Konzern gehörenden Oldenburger Solarmodulherstellers Aleo Solar zeigen, dass die Branchenkrise längst nicht überstanden ist. Am Donnerstag vermeldete das Unternehmen einen großen Halbjahresverlust. Unter dem Strich stand in den ersten sechs Monaten 2012 ein Minus von 24,3 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die Firma noch einen Gewinn von 1,8 Millionen Euro eingefahren.

mmq/Reuters
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