Landwirtschaft Karges Jahr für Deutsche Bauern

Niedrige Erzeugerpreise und das Russland-Embargo haben die deutschen Bauern hart getroffen. Ihre Gewinne sanken laut Bauernverband in einem Jahr um durchschnittlich 35 Prozent.

Zuckerrüben-Ernte in Niedersachsen: Dem Agrarsektor geht es schlecht
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Zuckerrüben-Ernte in Niedersachsen: Dem Agrarsektor geht es schlecht


Die Gewinne der deutschen Bauern sind angesichts gesunkener Weltmarktpreise und politischer Barrieren beim Export nach Russland massiv eingebrochen. Zwischen Juli 2014 bis Ende Juni 2015 sei das Unternehmensergebnis der rund 280.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland um durchschnittlich 35 Prozent auf 43.300 Euro abgesackt, teilte der Bauernverband nun mit. Von diesem Betrag müssten die Landwirte leben und Investitionen tätigen.

"Die Situation ist schwierig", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die wirtschaftliche Lage der Betriebe bleibe angespannt. Bei den Investitionen sei nochmals ein deutlicher Rückgang zu erwarten, sagte der Bauernpräsident. Er kritisierte, dass Nahrungsmittelhersteller und Handel den Bauern zu niedrige Preise für Lebensmittel diktierten.

Vom Gewinneinbruch sind dem Bericht nach fast alle landwirtschaftlichen Bereiche betroffen: Die Ackerbauern mussten ein durchschnittliches Minus von 22 Prozent (rund 60.000 Euro) hinnehmen, Milchviehhalter kommen auf im Schnitt 44 Prozent weniger Gewinn (rund 38.800 Euro).

Besonders hart getroffen sind laut Bauernverband die Obstbauern, deren Gewinne sich wegen des russischen Einfuhrstopps für Agrarprodukte halbiert hätten. Das russische Embargo gilt als Reaktion auf Sanktionen der Europäischen Union wegen der Ukrainekrise.

Nur Ökobauer und Winzer konnten ihre Erträge steigern - um elf beziehungsweise vier Prozent. Für Bio-Produkte seien die Preise auch stabil geblieben, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Für seine Berechnungen wertete der Bauernverband die Buchhaltungsergebnisse von knapp 14.000 Betrieben aus.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte Betrieben, die von den niedrigen Preisen besonders betroffen sind, zuletzt einen Zuschuss zu einem Darlehen in Aussicht gestellt. Für Bauern in Deutschland stehen zudem EU-Finanzhilfen in Höhe von rund 69,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die EU-Kommission hatte im September ein Hilfsprogramm im Wert von insgesamt einer halben Milliarde Euro angekündigt.

apr/dpa/Reuters

insgesamt 28 Beiträge
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Frickleburt Frogfart 08.12.2015
1. Krise...
... ist für den Bauern, wenn er sich nicht jedes Jahr das neueste Mercedes-Modell leisten kann. Altes schwäbisches Sprichwort.
j.e.berger2 08.12.2015
2.
Das liegt nun aber auch daran, dass bei den niedrigen Energiepreise deren Biogasanlagen sich nicht mehr so lohnen wie erwartet
windpillow 08.12.2015
3. Das paßt:
Auf dem Bild eine Fülle von Zuckerrüben und dazu die Headline: Karges Jahr für deutsche Bauern. -Die Bild Unterschrift: Dem Agrarsektor geht es schlecht. Ähhh...?
db661 08.12.2015
4. jetzt beginnt wieder das Gejammer...
...aufgrund wahlweise zu grosser Trockenheit, Nässe, Konkurrenz etc. samt der üblichen Forderung nach finanzieller Unterstützung. Wer keinen Gewinn erwirtschaftet muss sich eine neue Betätigung suchen.
tholeuth 08.12.2015
5. Die arme Landwirtschaft
Hallo Ihr armen Landwirte, die Einbußen haben euch bestimmt schwer getroffen. Ein Glück das niemand weis welche imensen Zuschüsse wir kassieren dürfen. Eigentlich bekommen wir unsere Produkte doppelt bezahlt. Vom Verbraucher und vom Staat! :-)
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